BYD verhandelt mit Stellantis und weiteren europäischen Autoherstellern über die Übernahme nicht ausgelasteter Werke. Und auch Maserati kommt ins Spiel.
Der chinesische Stromer-Riese BYD verhandelt mit Stellantis und weiteren europäischen Autoherstellern über die Übernahme nicht ausgelasteter Werke. Und auch Maserati kommt ins Spiel.
Das sagte Executive-Vice-President Stella Li kürzlich laut Automotive News in einem Interview. Der Konzern spricht demnach über mögliche Vereinbarungen für Werke in Ländern wie Italien. Li sagte am Rand einer Financial-Times-Konferenz in London: „Wir reden nicht nur mit Stellantis, wir sprechen auch mit anderen Unternehmen.“
Man suche nach verfügbaren Werken in Europa, um freie Kapazitäten zu nutzen. BYD wolle diese Art von Reservekapazität haben, so Li. Die Aussagen folgen auf einen Stellantis-Plan von Anfang des Monats. Demnach will der 14-Marken-Autokonzern in Europa noch enger mit Leapmotor zusammenarbeiten. Zwei spanische Werke sollen Elektrofahrzeuge für den chinesischen Partner bauen.
Auch andere europäische Autohersteller haben mit hohen Kosten und starkem Wettbewerb zu kämpfen. Sie sind Berichten zufolge für ähnliche Vereinbarungen mit chinesischen Unternehmen offen, darunter der Volkswagen-Konzern. Bloomberg berichtete im vergangenen Monat, Stellantis könne weitere Vereinbarungen mit einem oder mehreren chinesischen Herstellern schließen, um Überkapazitäten in Europa anzugehen.
BYD würde mögliche Werke lieber selbst betreiben als über Gemeinschaftsunternehmen. Li sagte, das sei „einfacher“. Auf die Frage nach einem Besuch im wenig genutzten Stellantis-Werk Cassino in Mittelitalien erklärte sie, man habe „viele Werke“ in Europa besucht.
Italien stehe für solche Vereinbarungen in der engeren Wahl. Längerfristig seien auch Länder wie Frankreich wegen niedriger Strompreise interessant. Parallel eröffnet BYD im ungarischen Szeged ein Werk, in dem der vollelektrische Kleinwagen Dolphin Surf, der kleine SUV Atto 2 und zwei weitere Modelle gebaut werden sollen. Ziel sind 300.000 Fahrzeuge pro Jahr. Es ist zudem ein Werk in der Türkei konkret geplant.
BYD prüft außerdem die Übernahme von Traditionsmarken in Europa, die Schwierigkeiten haben könnten. Marken wie die Stellantis-Tochter Maserati seien „sehr interessant“, so Li. Zugleich betonte sie, BYD prüfe weiter, habe aber keine Schritte unternommen. Maserati ist eines der Sorgenkinder aus dem Stellantis-Konzern. Sollten die Chinesen die Kultmarke mit dem Dreizack am Kühler tatsächlich übernehmen, würden sie daraus wahrscheinlich eine rein elektrische Sportwagenmarke machen. Ob das funktionieren würde, bleibt offen; doch mit einer bekannten Marke wie Maserati könnten die E-Renner mutmaßlich besser verkäuflich sein als unter dem Markennamen Denza, der in Europa völlig unbekannt ist und unter dem aktuell neue Power-Stromer angeboten werden.
Wie Bloomberg News im vergangenen Monat berichtete, verstärkt BYD derweil die Rekrutierung von Mitarbeitern bei Konkurrenten wie Porsche, um seine Premiummarke Denza in Europa zu stärken. Die Luxusmarke soll noch in diesem Jahr in Großbritannien auf den Markt kommen. „Wir stellen viele lokale Forschungs- und Entwicklungsmitarbeiter ein“, sagte nun Li. „Selbst in Großbritannien, in Frankreich – in jeder Region brauchen wir eine lokale Forschungs- und Entwicklungsabteilung.“
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