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Warum der neue BMW M5 Touring die USA begeistert

Дата публикации: 09-06-2026 17:12:00

Der BMW M5 Touring wiegt 2,5 Tonnen und kostet über 140.000 Dollar. Trotzdem feiern ihn viele Amerikaner. Eine Reise von South Carolina bis Key West.

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SUVs und Pick-ups dominieren den US-Markt. Dennoch wird der 727 PS starke BMW M5 Touring vielerorts gefeiert. Eine Reise durch den Süden der USA zeigt warum.

SUVs dominieren Amerikas Straßen. Pick-ups sind Kult, Kombis gelten seit Jahrzehnten als Auslaufmodell. Umso erstaunlicher ist der Erfolg des BMW M5 Touring. Der 727 PS starke Plug-in-Hybrid aus Dingolfing begeistert ausgerechnet in jenem Land, das große Geländewagen liebt wie kaum ein anderes. 

Auf einer Reise von South Carolina bis nach Key West zeigt sich, warum die Amerikaner diesem deutschen Power-Kombi verfallen sind – trotz 2,5 Tonnen Gewicht, Hybridantrieb und einem Preis jenseits der 140.000 Dollar.

2,5 Tonnen? In den USA kein Problem

Dass der BMW M5 Touring in den USA so gut ankommt, überrascht zunächst. Schließlich bringt der Plug-in-Hybrid leer rund 2,5 Tonnen auf die Waage. Einst kämpften die Ingenieure der BMW M GmbH um jedes eingesparte Kilogramm, heute erfüllen sie vor allem die Wünsche einer Kundschaft, die Leistung, Komfort und Alltagstauglichkeit gleichermaßen erwartet.

Genau deshalb passt der M5 erstaunlich gut zum amerikanischen Markt. Der aufgeladene 4,4-Liter-V8 und der Elektromotor liefern gemeinsam 727 PS und bis zu 1000 Newtonmeter Drehmoment. Zwar lassen sich die zusätzlichen Kilos in schnellen Kurven nicht vollständig verstecken, doch im Land der großen SUV und Pick-ups wirkt das Gewicht deutlich weniger dramatisch als in Europa. Der Erfolg des M5 Touring zeigt: Für viele Käufer zählen Leistung und Prestige inzwischen mehr als jedes eingesparte Kilogramm.

Ein deutscher Kombi erobert Amerika

Dass die Tour an der BMW-Produktionsstätte in Spartanburg beginnt, ist reiner Zufall. Produziert wird der M5 Touring nicht in South Carolina, sondern im niederbayerischen Dingolfing. Von dort reist er per Schiff und Transporter in die USA – inklusive zusätzlicher Kosten durch Import, Transport und lokale Abgaben.

Mit Sonderausstattungen, Überführungskosten und der in dieser Klasse üblichen Gas-Guzzler-Tax steigt der Preis von 121.500 auf 140.775 US-Dollar. Trotzdem erscheint der M5 Touring amerikanischen Kunden beinahe günstig. In Deutschland kostet ein vergleichbar ausgestattetes Modell umgerechnet deutlich mehr: Hier geht es bei vergleichbarer Ausstattung erst bei 147.200 Euro los.

Warum niemand einen SUV vermisst

Die Amerikaner haben sich von den in den 1960er und 1970er Jahren noch überaus beliebten Familienkombis mit zum Teil acht Sitzplätzen und drei Sitzreihen im SUV-Aufschwung verabschiedet. Kein Wunder: Jetzt ist einer wie der BMW M5 PHEV gerade als Touringversion eine Schau. 

Leistung satt, bulliges Body-Builder-Outfit, sportliche Gene mit V8-Klang und dann noch ein Karosserierucksack für allerhand Gepäck – kein Wunder, dass beim Tanken und Parken gleichermaßen Handykameras klicken und sich nicht allein Kinder die Nase am dunkelroten M5 Touring ihre Nase plattdrücken. 

Die Fahrleistungen sind spektakulär, schamlos die Beschleunigung und das Komfortniveau ist bei aller Dynamik schlichtweg eine Sensation – kein Wunder, dass hier niemand einen SUV vermisst. Keinen BMW X5 / X6 M, kein XM oder gar kein Konkurrenzprodukt – vielleicht gar aus nordamerikanischer Fertigung. 

Dass der BMW M5 Touring auf beiden Seiten des Atlantiks so erfolgreich ist, liegt an vielen Details, einem wummernden Klang aus vier runden Trompeten und überraschend wenig daran, dass es sich um einen Hybriden handelt, der an der Steckdose geladen und nahezu lautlos 140 km/h schnell sein kann.

Elektroschub statt Cruisen

Das knapp 19 kWh große Batteriepaket ermöglicht bei rein elektrischer Fahrt eine Reichweite von rund 60 Kilometern. Für viele Amerikaner ebenso egal wie in Europa, denn den meisten geht es um die Leistung und die ist mit mehr als 700 PS und schwer zu begreifenden 1000 Nm maximalen Drehmoment einfach gigantisch. 

Doch als auf dem Jasper Highway in der Nähe von Savannah ein Tankstopp ansteht, weiß der Escalade-Pilot nebenan überraschend gut über das Antriebskonzept Bescheid: „A hybrid – isn’t it? What a car!“ Recht hat er, denn die ersten 250 Meilen am griffigen Ledersteuer sind vergangen wie im Flug mit perfekten Sportstühlen, lässigem Countrysound und einem sportlichen-straffen Fahrwerk nebst 20-/21-Zöllern, das selbst auf der bisweilen zerborstenen Interstate 95 nicht nervt. Das Übergewicht des M5 Touring? Welches Übergewicht?

Der Familienversteher mit 727 PS

Jede Lücke zum Überholen findet der pausbäckige 727-PS-Protz mit einem Streich über das Gaspedal und als es über Jacksonville an Orlando weiter vorbei Richtung Süden geht, wird die Frage, wieso SUV sich besser als alles andere verkaufen und Kombis kaum eine Rolle spielen, im Kopf immer lauter. 

Fahrer in vorbeifahrenden Full-Size-Trucks wie Ford F-250 oder Chevrolet Silverado Super Duty schauen herab auf dem M5 aus ihren donnernden Hochsitzen – ist es Unverständnis, Bewunderung oder schlicht die Frage, ob ein Auto ohne offene Ladefläche irgendeinen Sinn macht? 

Das kann bejaht werden, denn der Touring-M5 bietet auch dank des 145 kW / 197 PS / 280 Nm starken Elektromotors – versteckt im Getriebetunnel – nicht nur Fahrleistungen auf dem Niveau einer Power-Corvette, sondern einen Alltagsnutzen, der auch jene Amerikaner begeistert, die einmal mit dem BMW M5 auf der German Autobahn die 300-km/h-Marke durchstoßen wollen. 

Denn abseits der spektakulären Fahrleistungen mimt der Koloss aus Dingolfing eben auch den perfekten Familienversteher. Hinter der elektrischen Heckklappe – mittlerweile leider ohne separat zu öffnende Heckscheibe – gibt es 500 Liter Laderaum, die sich durch Umlegen der Rückbank weitgehend flexibel auf über 1600 Liter erweitern lassen. Golfbags, Tennistaschen, kleine Schlauchboote, vier Koffer und wenn es dann doch einmal noch größer sein soll, haben die meisten Amerikaner in dieser Einkommensklasse wohl doch noch einen Pick-Up in der Einfahrt.

Fahrerassistenz überzeugt nicht

Nach dem abendlichen Zwischenstopp in Fort Lauderdale und einem ob des M5 Touring überaus aufgeregten Valet-Parkers geht es am nächsten Tag weiter auf die Florida Keys. Nach anfänglichem Regen strahlt die Sonne durch das Panoramadach ins Innere für eine Tour, die unverändert zu den schönsten in ganz Nordamerika zählt. 

Bis nach Key West sind es je nach Verkehr auf der immer überfüllten I-95 im Großraum Miami und dann weiter über Turnpike, Dixie- und Overseas Highway Number 1 rund vier Stunden. Perfekt für ein Cabriolet, doch auch im 5,10 Meter langen Sportkombi eine Schau. Eine der wenigen Details, die am BMW M5 nicht überzeugen können, ist die Fahrerassistenz. Auch mit dem 1700 Dollar teurer Driving Assistant Professional System muss alle paar Sekunden ans Steuer gegriffen werden, sonst blinkt und piept es nervend. 

Nachladen? Naja....

Das ist kaum eine leichte Entspannung und schon gar keine, die diesen Aufpreis wert ist. Augen bleiben auf der Straße und Hände am Steuer. Dabei gibt es mit Zwischenstopp auf Islamorada und dann weiter über Conch Key, Big Pine bis ins prall gefüllte Key West jede Menge Meer, Boote und Farben zu genießen. Dass der M5-Laster auf der Touristenmeile Duval Street schließlich kaum weniger Aufmerksamkeit bekommt als Sloppy Joe’s, Sponge Market oder das floral-bunte Sandy’s Cafe, mag dann doch überraschen.

Leider sieht es an den dortigen Hot Spots ähnlich düster wie auf der Fahrt durch South Carolina und Georgia aus. Ladesäulen sind rar gesät und wenn, dann finden sich diese zumeist in Parkhäusern und vor Einkaufzentren, wo das Batteriepaket im Unterboden etwas an zusätzlicher Energie aufnehmen kann. Dass das Muskelpaket maximal mit elf kW laden kann, stört indes kaum – viele Ladesäulen liefern noch deutlich darunter. Doch wer will mit dem BMW M5 PHEV Touring schon elektrisch und damit geräuschlos fahren – gerade hier in den USA, wo ein V8-Verbrenner nach wie vor über alles geht?

Von Stefan Grundhoff

Das Original zu diesem Beitrag "Family Office" stammt von AutoTest&Technik.

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