Mit dem B10 Design Pro Max bringt Leapmotor ein Elektro-SUV mit 218 PS für unter 34.000 Euro. Was kann der China-Stromer mit Stellantis-Genen im Alltag? Ein Alltagstest.
Mit dem B10 Design Pro Max bringt Leapmotor ein Elektro-SUV mit 218 PS für unter 34.000 Euro. Was kann der China-Stromer mit Stellantis-Genen im Alltag? Ein Alltagstest.
Der europäische Elektromarkt ist umkämpft. Die eigentliche Revolution spielt sich aber gerade in den Preislisten ab. Während etablierte Hersteller Mühe haben, die 40.000-Euro-Marke zu knacken, rollt mit dem Leapmotor B10 ein Kompakt-SUV an, das in der voll ausgestatteten Topversion „Design Pro Max“ für 33.900 Euro in den Schauräumen steht. Dahinter steckt kein namenloses Start-up, sondern ein Joint Venture mit dem Autoriesen Stellantis, der Vertrieb und Service in Europa absichert. Wir haben den Neuling mit 160 kW (218 PS) und der großen 67,1-kWh-Batterie im Alltag unter die Lupe genommen.
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Mit 4,51 Metern Länge und 1,65 Metern Höhe ordnet sich der B10 im Segment der kompakten Crossover ein. Das Design gibt sich betont zurückhaltend: glatte Flächen, bündig versenkte Türgriffe, eine durchgehende LED-Lichtleiste vorn und hinten. Das wirkt modern, wenn auch etwas beliebig.
Erstaunlich großzügig ist dagegen der Innenraum. Dank des langen Radstands genießen die Fondpassagiere eine Kniefreiheit, die man eher aus der nächsthöheren Klasse kennt. Die Sitze sind mit veganem Kunstleder in Oekotex-Qualität bezogen, bieten soliden Langstreckenkomfort und lassen sich in der Pro-Max-Linie heizen und belüften. Etwas nüchterner fällt das Kofferraumvolumen aus: 410 bis 1.300 Liter hinter der serienmäßig elektrisch öffnenden Heckklappe sind für ein SUV dieser Größe Mittelmaß. Die Rückbank lässt sich asymmetrisch umlegen, die Lehnenneigung mechanisch anpassen.
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Wer im B10 Platz nimmt, blickt auf eine radikal aufgeräumte Armaturentafel im Tesla-Stil. Physische Tasten sucht man fast vergeblich. Das Herzstück ist ein 14,6 Zoll großes Infotainment-Display mit scharfer 2,5K-Auflösung. Die Menüführung ist logisch, das System reagiert ohne spürbare Verzögerungen. Für die wichtigsten Fahrdaten steht dem Fahrer ein 8,8-Zoll-Display hinter dem beheizbaren Lenkrad zur Verfügung.
Smartphone-Integration via Apple CarPlay und Android Auto läuft kabellos, dazu gibt es eine induktive Ladeschale. Das serienmäßige Soundsystem beschallt den Innenraum mit zwölf Lautsprechern druckvoll und klar. Ein Wermutstropfen bleibt: Die Außenspiegel und Luftausströmer lassen sich nur über Untermenüs im Touchscreen verstellen – das lenkt ab und verlangt Eingewöhnung.
Auch die Fensterheber-Schalter bereiten bei starker Sonneneinstrahlung Probleme, da sie sich extrem stark erhitzen. Und eine Sache nervt kolossal im B10: Er hat keinen Autoschlüssel, sondern nur eine Scheckkarte mit NFC-Chip. Die muss man zum Öffnen und Schließen des Wagens an den Außenspiegel halten und dann noch auf die Mittelkonsole legen (und das bei jedem Start erneut). Die Karte wird aber nicht immer sofort erkannt, mitunter fummelt man 30 Sekunden lang herum. Alternativ kann man einen Start per Passworteingabe wählen. Beides ist völlig unsinnig und zeitraubend. Dazu kommt: Am Kofferraum gibt es keinen NFC-Leser, man kann ihn also erst öffnen, wenn man das Auto geöffnet hat. Zwar ist auch Öffnen und Schließen des Wagens per App möglich; aber wenn alle anderen Autohersteller es hinbekommen, ihr Auto mit einem Schlüssel auszuliefern, sollte Leapmotor das auch können.
Angetrieben wird der B10 von einer permanenterregten Synchronmaschine an der Hinterachse. Die 160 kW (218 PS) reichen für einen Sprint von null auf 100 km/h in rund acht Sekunden – kein Sportwagenwert, aber für den Alltag und den Überholvorgang auf der Autobahn ausreichend. Bei 170 km/h ist elektronisch Schluss.
Der CATL-Akku arbeitet mit Lithium-Eisenphosphat-Chemie (LFP) und bringt 67,1 kWh netto mit. Leapmotor nennt 434 Kilometer WLTP-Reichweite. Im gemischten Alltagsbetrieb pendelt sich der Verbrauch bei rund 17 kWh auf 100 Kilometern ein, was 350 bis 370 Kilometer Praxisreichweite ergibt. Bei einer Testfahrt wurden sogar 13,5 kWh erreicht. Am DC-Schnelllader lädt der B10 mit bis zu 168 kW, der Akku braucht damit knapp 30 Minuten von 30 auf 80 Prozent. In der Praxis erreichte der Wagen sogar einen Peak von 173 kW Ladeleistung, der aber schnell wieder abfiel. Der dreiphasige AC-Lader an Bord leistet die üblichen 11 kW. Bei der Suche nach Ladestationen kann man im Navi einstellen, ob das System die Daten von GoingElectric oder Open Charge Map übernehmen soll
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Der B10 rollt ausgewogen und komfortbetont ab, schaukelt sich bei Lastwechseln allerdings spürbar auf. Kleinere Asphaltschäden und Querfugen filtert die Federung sauber weg, größere lassen das Fahrwerk rappeln. Der Heckantrieb sorgt für eine neutrale Kurvenlage und eine antriebseinflussfreie Lenkung.
Die Lenkung arbeitet leichtgängig, könnte um die Mittellage aber mehr Rückmeldung geben. Die Rekuperation lässt sich über das Infotainment stufenweise bis zum echten One-Pedal-Drive hochschrauben – das macht das Fahren im Stadtverkehr entspannt. Das Geräuschniveau bleibt auch bei Autobahnrichtgeschwindigkeit angenehm niedrig.
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Hier liegt die eigentliche Stärke des B10 Design Pro Max. Für 33.900 Euro liefert Leapmotor ein Fahrzeug, das bei europäischen Premiummarken eine lange Aufpreisliste nach sich ziehen würde. Panorama-Glasdach mit elektrischem Sonnenschutzrollo, 360-Grad-Kamera, Sitzbelüftung, Wärmepumpe für den Winterbetrieb und elektrische Heckklappe sind ab Werk dabei.
Ebenfalls serienmäßig ist das „LEAP Pilot“-Paket: Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Warner und adaptiver Tempomat, der sich unkompliziert per Lenkstockhebel aktivieren lässt und zuverlässig arbeitet.
Der Leapmotor B10 Design Pro Max ist ein pragmatisches, ehrliches Elektroauto. Er erfindet das Rad nicht neu, leistet sich aber auch keine groben Schwächen, mal abgesehen von der nervigen Zugangskarten-Fummelei. Wer über das knappe Kofferraumvolumen und die Touchscreen-lastige Bedienung hinwegsehen kann, bekommt ein geräumiges, komfortables und voll ausgestattetes Kompakt-SUV zu einem Preis, der die Konkurrenz in Europa unter Druck setzt. Und dank des Stellantis-Vertriebsnetzes im Hintergrund ist auch das Thema Service kein Wagnis mehr.
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Plus und Minus
Plus:
Minus:
Leapmotor B10 160kW (218PS) Design Pro Max
Antrieb: Permanenterregter Synchronmotor, Hinterachse
Leistung: 160 kW (218 PS)
Getriebe: Automatik (Eingang-Übersetzung)
Batterietyp: Lithium-Eisenphosphat (LFP) von CATL
Batteriekapazität: 67,1 kWh (netto)
Ladeleistung AC / DC: 11 kW / bis zu 168 kW
Reichweite (WLTP kombiniert): 434 km
Stromverbrauch (WLTP kombiniert): 17,3 kWh / 100 km
Beschleunigung 0-100 km/h: ca. 8,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 170 km/h (elektronisch abgeriegelt)
CO2-Emissionen / -Klasse: 0 g/km / A
Länge / Breite / Höhe: 4510 mm / 1885 mm (ohne Spiegel), 2110 mm (mit Spiegel) / 1650 mm
Leergewicht: 1845 kg
Kofferraumvolumen: 410 bis 1300 Liter
Basispreis (Design Pro Max): 33.900 Euro
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