Während die EU 2035 alle neuen Benziner, Diesel und Hybride verbietet, zeigen die USA, wie stark die Emobilität von Subventionen abhängt
Während die EU 2035 alle neuen Benziner, Diesel und Hybride verbietet und schon jetzt stark verteuert, weht in den USA seit Donald Trump ein anderer Wind. Es zeigt sich, wie stark die Emobilität von Subventionen abhängt
Elon Musk drehte die Automobilwelt auf den Kopf und machte mit Tesla das Elektroauto nicht nur hoffähig, sondern zu einer Antriebsquelle der Zukunft. Doch gerade in den Vereinigten Staaten tut sich die Elektroantrieb aktuell schwerer denn je. In den vergangenen Monaten gab es vom amerikanischen Automarkt nicht viele positive Schlagzeilen, wenn es um Elektromodelle ging. Die großen Heimspieler General Motors, Ford und auch Stellantis ruderten bei den geplanten Elektromodellen für die kommenden Jahre mächtig zurück. Wer die deutschen CEOs Ola Källenius oder Milan Nedeljcovic bei ihren jüngsten Auftritten zum Thema US-Markt befragte, stieß auf eine große Zurückhaltung was die zukünftigen Elektroanteile angeht.
Diese scheint mehr als berechtigt, denn wer in den US-Bundesstaaten unterwegs ist, sieht zwar eine steigende Zahl von Elektromodellen, doch wirklich groß ist die Zahl der neuen E-Autos nicht. Nach wie vor wird der Elektromarkt vom Heimspieler Tesla bestimmt und gerade die Modelle aus Europa tun sich auf dem zweitgrößten Automarkt der Welt unverändert schwer.
Während auf dem deutschen Automarkt mittlerweile mehr als jedes vierte Neufahrzeug (ca. 28 Prozent in 2026) ein Elektroauto ist und auch in Europa mehr als 22 Prozent aller Neuzulassungen rein elektrisch angetrieben werden, waren es im gleichen Zeitraum 2026 in den USA gerade einmal 5,8 Prozent. Der Anteil ist im Vergleich zur zweiten Jahreshälfte 2026 trotz neuer Modelle sogar spürbar gesunken, denn bisweilen war 2025 jedes zehnte Neufahrzeug zwischen Los Angeles und New York ein Elektromodell.
Ein Grund dafür: Die US-Verkehrspolitik funktioniert ganz anders und deutlich weniger ideologisch als die in Deutschland oder der EU. Die EU verbietet ab 2035 alle neuen Verbrenner inklusive Hybridautos. Deutschland hat mit die höchsten Spritpreise Europas, was zwar aktuell auch an der Iran-Krise, strukturell aber an den immer höheren CO2-Strafsteuern liegt, die Autofahrer beim Tanken bezahlen müssen. Subventioniert werden nur noch E-Autos, wobei dort die Steuergelder auch noch vor allem chinesischen Marken zugute kommen. Ganz anders die USA: Das Verbrenner-Verbot hat die US-Regierung beerdigt und die Klima-Lobby, die die Mobilität immer weiter verteuern will, wurde weitgehend entmachtet. Subventionen fürs E-Auto fließen zumindest auf Bundesebene nicht mehr.
Trotzdem ist das E-Auto auch in den USA oft ein lohnendes Unterfangen, rein finanziell gesehen: Die Strompreise sind viel niedriger als etwa in Deutschland. Die anhaltende Kaufzurückhaltung liegt weniger an der Angebotspalette, denn nahezu jeder Hersteller hat in den USA längst Fahrzeuge mit E-Antrieb im Portfolio. Dominiert wird der amerikanische Elektromarkt von Tesla, denn das in die Jahre gekommene Model Y hat landesweit einen Verkaufsanteil von mehr als 34 Prozent. Zugegeben sieht es mit Ladeinfrastruktur gerade abseits der Küstenregionen von Pazifik sowie Atlantik unverändert schwierig aus und gerade in den US-Flächenstaaten gibt es abseits der großen Interstates nur wenige Ladesäulen und insbesondere nur wenige Hypercharger mit Ladetempi über 150 kW. Die großen Ladeparks werden von Tesla mit seinen Superchargern dominiert, wo auch immer mehr Fremdmarken nachtanken können, doch der große Gegenspieler Electrify America kommt mit dem Aufbau von Hochgeschwindigkeitsladern abseits einiger Einkaufszentren kaum nach.
Das größere Problem ist jedoch das Kauf- und Freizeitverhalten der Amerikaner. Auch wenn US-Präsident Donald Trump zuletzt den Bau von kleineren Fahrzeugen in Aussicht stellte, wie sie eben die Europäer so lieben, so sieht die Marktnachfrage ganz anders aus. Wenn schon elektrifiziert, dann sind es meist Hybridmodelle, die sich in den Vereinigten Staaten marken- wie segmentübergreifend einer anhaltend großen Nachfrage erfreuen. Gerade die asiatischen Hersteller Toyota, Honda, Nissan, aber auch Hyundai und Kia verkaufen ihre Fahrzeuge zumeist mit einem Hybridantrieb.
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Bestseller sind trotz spürbarer Rückgänge jedoch die großen Full-Size-Pick-Ups, denn an einem Ford F-150 (Platz 1 mit 357.000 Fahrzeugen) und einem Chevrolet Silverado (276.000 Fahrzeuge) kommt niemand vorbei. Nach dem Toyota-Bestseller RAV4 als aktuell meistverkauftes Fahrzeug weltweit liegen der Ram Pick Up (207.000 Fahrzeuge) auf Platz vier und der GMC Sierra als Edelversion des Chevrolet Silverado (170.000 Fahrzeuge) auf Platz sechs der Zulassungsstatistik.
Erst auf Platz sieben folgt mit dem Tesla Model Y und rund 163.000 Neuzulassungen in den ersten sechs Monaten 2026 das erste Elektroauto. Die Amerikaner lieben ihre großen Pick Ups, die hier nur Trucks genannt werden. Der Bestseller Ford F-150 war bereits als Elektromodell Lightning auf Markt – wurde nach anfänglichen Verkaufserfolgen jedoch wieder vom Markt genommen und von einer Hybridversion ersetzt. Der Silverado EV steht im Vergleich zu seinen Brüdern mit V6- und V8-Benzinern wie Blei in den Schauräumen der Händler und die fest eingeplante Elektroversion des Ram wurde von einer Version mit Range Extender ersetzt. Bisher ohne nennenswerten Erfolg.
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Die Nachfrage nach kleineren Fahrzeugen ist seit je her kleiner denn je und die Amerikaner wollen auf ihre großen Pick Ups und Geländewagen, bei denen sie keinen Gedanken an die Reichweite oder eine entsprechende Ladeinfrastruktur verschwenden müssen, nicht verzichten. Das Freitzeitverhalten mit Camping, Booten, Jet Ski und Quads bedingt oftmals einen Anhängerbetrieb oder zumindest eine große Ladefläche. Da tun sich die Elektroversionen nicht allein in Sachen Nutzlast, sondern gerade bei der Reichweite deutlich schwerer als Verbrenner. Auch wenn die Benzinpreise in den USA für eine Gallone Super durch die jüngsten weltweiten Krisen von 2,50 auf bisweilen über sechs Dollar je Gallone (ca. 3,80 Liter) gestiegen sind und der Strom in den Vereinigten Staaten zu Hause wie auch unterwegs günstiger als in Europa ist, sorgt das nicht für ein geändertes Nutzungsverhalten. Daran dürfte sich in den kommenden Jahren kaum etwas ändern und so sollte sich die Nachfrage nach Elektroautos auch mittelfristig kaum über die 20-Prozent-Marke bewegen.
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Von Stefan Grundhoff
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