E-Autos haben einen höheren Wertverlust als Verbrenner. Das ändert sich zwar schon, aber nur langsam.
E-Autos sind im Betrieb viel günstiger als Verbrenner. Doch die Rechnung geht noch nicht auf, wenn man den Wertverlust berücksichtigt. Hier sind Stromer im Nachteil , wobei sich die Situation langsam verbessert.
Was das in Zahlen bedeutet, hat die Gebrauchtwagen-Plattform „AutoUncle“ jetzt in einer Marktanalyse ermittelt:
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Mads Noergaard, Marktanalyst bei AutoUncle, vermutet folgende Gründe, warum zumindest derzeit noch so hohe Wertverluste verzeichnet werden: „E-Autos des Jahrgangs 2022 waren im Schnitt die teureren Autos, und teure Autos geben prozentual mehr nach. Für die Benziner untereinander trifft das auch zu: unter 25.000 Euro gaben sie 28 Prozent nach, über 70.000 Euro 41 Prozent. Über den ganzen Benziner-Korb sind das 13 Prozentpunkte. Die 17 Prozentpunkte Abstand zum E-Auto erklärt das nicht. Sortiert man beide Gruppen nach ihrem Preis von 2022, liegen die E-Autos in jeder der fünf Preisklassen 11 bis 16 Prozentpunkte unter den Benzinern“, so Noergaard.
Paradoxerweise ist gerade einer der größten Vorteile neuer E-Autos auch ein wichtiger Faktor beim Wertverlust: Die schnellen technischen Verbesserungen. Michael Gerstner vom Analyseunternehmen Bähr & Fess Forecasts, das zusammen mit FOCUS online seit 2010 alljährlich die „Restwertriesen“ kürt, erklärt das Problem. „Seit die Forschung und Entwicklung im Elektroautobereich vor einigen Jahren stark forciert wurden, gibt es große technische Verbesserungen im Bereich Akku, Effizienz und Ladegeschwindigkeit. Der heute aktuelle Stand der Elektroautos kann schon nach ein oder zwei Jahren veraltet sein. Dieser Umstand wirkt sich negativ auf die Restwerte gebrauchter Elektroautos aus“, so Gerstner.
Selbst der aktuelle Push für E-Autos und die nachlassende Attraktivität neuer Verbrenner wegen hoher Spritpreise werden das nicht sofort ändern. „Nach meiner Einschätzung werden E-Autos auch weiterhin etwas schneller nachgeben als Benziner. Die Technik entwickelt sich schlicht so schnell, dass ein vier Jahre altes E-Auto an etwas deutlich Besserem gemessen wird, und das drückt den Angebotspreis“, sagt Mads Noergaard von AutoUncle.
Gleichzeitig schrumpft das Angebot neuer Benzin- und Dieselmodelle in den Angebotspaletten der Hersteller so schnell, dass gute Gebrauchte in diesen Segmenten weiter begehrt sind. Das trifft vor allem auf sparsame Modelle zu. Selbst bei Horror-Spritpreisen von 2,20 Euro oder mehr pro Liter Benzin ist der Durchschnittsfahrer mit dem gebrauchten Verbrenner in der Gesamtkostenrechnung nicht unbedingt schlechter bedient als mit dem neuen E-Auto. Zumal die meisten Einstiegs-Stromer zwischen 25.000 und 30.000 Euro lediglich Kleinwagen oder Kompaktautos mit geringen Reichweiten und schlechten Platzverhältnissen sind, die kaum das Familienauto ersetzen können.
Schuld hat aber auch die deutsche Politik, die den Wertverlust von E-Autos durch die neue Kaufprämie weiter begünstigt hat. Denn diese Art der Marktverzerrung, bei der neue Autos künstlich verbilligt werden, schadet natürlich dem Werterhalt älterer Modelle. Händler und Marktexperten hatten immer wieder darauf hingewiesen, die Bundesregierung ignorierte jedoch alle Warnungen. Ohne Kaufprämien wären die aktuellen Wachstumsraten bei der Emobilität vielleicht etwas kleiner, die Preisstabilität würde sich aber schneller einstellen.
Besitzer von E-Autos sehen immerhin Licht am Ende des Tunnels. Der aktuelle Elektro-Gebrauchtwagenmarkt ist bei günstigen Modellen leergefegt, während teure Stromer noch reichlich zu haben sind. Langfristig wird die gestiegene Nachfrage nach Elektrofahrzeugen für eine Normalisierung der Restwerte sorgen. „Der Preiskrieg, den Tesla im Januar 2023 losgetreten hat, löste eine Lawine von Preissenkungen aus. Dass sich das im selben Ausmaß wiederholt, glaube ich nicht, es sei denn, wir erleben einen echten technologischen Quantensprung bei der Reichweite oder beim autonomen Fahren“, so Mads Noergaard.
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Sind E-Autos trotz Wertverlust die bessere Wahl?
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