Wie lange bleibt DSL noch? Eine neue Marktanalyse nennt einen möglichen Wendepunkt, aber keinen festen Abschalttermin.
Kupferkabel gelten weiterhin als wichtige Grundlage vieler Internetanschlüsse in Deutschland.
Foto: COMPUTER BILD (KI generiert)
Wie lange bleibt DSL noch? Eine neue Marktanalyse nennt einen möglichen Wendepunkt, aber keinen festen Abschalttermin.
Für viele Haushalte ist der Internetanschluss längst so selbstverständlich wie der Strom aus der Steckdose: Router an, WLAN da, fertig. Ob dahinter noch Kupfer oder schon Glasfaser steckt, wird oft erst wichtig, wenn Videotelefonate ruckeln oder Downloads lange dauern. Genau vor diesem Hintergrund hatte die Bundesregierung 2022 ihre
Gigabitstrategievorgestellt: Bis 2025 sollte die Hälfte und bis 2030 sollen alle Haushalte in Deutschland mit Glasfaser versorgt sein. Zugleich besteht seitdem die Sorge, dass damit das
Ende aller DSL-Anschlüsse bevorsteht. So einfach ist es aber nicht: Eine neue
Marktanalyse des Branchenverbands VATMzeigt, wie wichtig DSL weiterhin ist, und nennt einen möglichen Zeitpunkt für den Abschied von der Kupferleitung.
Wie weit dieser Abschied noch entfernt ist, zeigt der Blick auf die aktuellen Anschlusszahlen. Nach der Prognose bleibt DSL Ende 2026 klar die meistgenutzte Breitbandtechnik im Festnetz. Von 38,1 Millionen aktiven Breitbandanschlüssen entfallen 21,8 Millionen auf DSL. Das entspricht 57,2 Prozent. Glasfaseranschlüsse bis ins Gebäude oder bis in die Wohnung kommen auf 7,8 Millionen aktive Anschlüsse und damit auf 20,5 Prozent. Kabelanschlüsse liegen mit 8,5 Millionen bei 22,3 Prozent. Der Abstand zwischen Kupfer und Glasfaser bleibt damit trotz Ausbau groß.
Getragen wird der Glasfaserfortschritt vor allem von den Telekom-Wettbewerbern. Nach der VATM-Analyse entfallen von den 12,5 Millionen tatsächlich angeschlossenen Glasfaseranschlüssen 69,6 Prozent auf andere Anbieter. Auch bei den aktiv genutzten Glasfaseranschlüssen liegen sie mit 65,4 Prozent vorn. Ihre Take-up-Rate, also der Anteil der erreichbaren Anschlüsse, die aktiv genutzt werden, beträgt 30,2 Prozent, bei der Telekom sind es 17,9 Prozent. Der Grund: "Die Telekom muss nicht so viel Gas geben, weil sie auch mit Kunden verdient, die nicht auf Glasfaser wechseln [...]", so Andreas Walter – Geschäftsführer der Unternehmensberatung Dialog Consult, die die Marktanalyse im Auftrag des VATM erstellt hat – gegenüber Teltarif.
Trotz des stärkeren Glasfaseranteils der Wettbewerber bleibt der Abstand zu DSL groß. Laut VATM sollen Ende 2026 rund 32 Millionen Haushalte und kleinere Unternehmen mit Glasfaser erreichbar sein. Tatsächlich angeschlossen sind aber nur 12,5 Millionen, aktiv genutzt werden 7,8 Millionen. Insgesamt liegt die Take-up-Rate damit bei 24,4 Prozent. Das zeigt: Der Ausbau kommt zwar voran, führt aber nicht automatisch zu einem schnellen Wechsel der Kundinnen und Kunden. Zwischen Ausbau und Nutzung klafft also eine deutliche Lücke.
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Auch COMPUTER BILD-Experte Christian Just sieht die entscheidende Frage deshalb weniger im Ausbauziel selbst, sondern vielmehr darin, ob genügend Nutzerinnen und Nutzer einen Vorteil im Umstieg erkennen. Seine Einschätzung zur möglichen Abschaltung: "Die Abschaltung bis 2030 wird schwierig, da zumindest bislang die meisten Haushalte mit dem aktuellen DSL-Tempo zufrieden sind – zumindest solange mehr Glasfasertempo auch mehr kostet." Damit wird klar: Für das Ende von DSL reicht es nicht, Glasfaser theoretisch verfügbar zu machen. Entscheidend ist, dass sie in den Haushalten ankommt und gebucht wird.
Daraus folgt: Ein bundesweiter Stichtag für die DSL-Abschaltung ist aus der Analyse derzeit nicht abzuleiten. Stattdessen spricht die Prognose eher für einen Übergang in Etappen. Unter günstigen Voraussetzungen könnte Glasfaser laut VATM erst ab 2031 DSL als meistgenutzte Anschlusstechnologie ablösen. Das wäre aber nur ein Wendepunkt im Markt und keine automatische Abschaltung aller bestehenden DSL-Anschlüsse. Kommt der Wechsel langsamer voran, könnte DSL 2031 sogar weiterhin vor Glasfaser liegen. Für eine tatsächliche Abschaltung müsste der Ausbau daher stärker auf buchbare Anschlüsse und aktive Kundengewinnung ausgerichtet werden.
Solange dieser Wechsel nicht deutlich weiter fortgeschritten ist, bleibt die Abschaltung eine Zukunftsfrage. Ernsthaft infrage käme sie erst, wenn DSL nur noch von einer klaren Minderheit genutzt wird und überall verlässliche Alternativen bereitstehen. Davon ist Deutschland noch weit entfernt. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: Ein sofortiges Aus steht nicht bevor. Wer heute per DSL surft, muss nicht damit rechnen, von einem Tag auf den anderen offline zu sein. Ein konkretes Datum für die endgültige Abschaltung lässt sich derzeit nicht nennen.
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