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Hingucker und ihre Geschichten: Drei Tonnen Marmor und zehn Jahre Streit

Дата публикации: 15-08-2026 12:11:00




Bildhauer Hans-Jürgen Hiby und die ganz persönliche Geschichte hinter den „Spielenden Fingern“



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Hingucker und ihre Geschichten Drei Tonnen Marmor und zehn Jahre Streit

Arrenberg · Bildhauer Hans-Jürgen Hiby und die ganz persönliche Geschichte hinter den „Spielenden Fingern“

Seit 2011 steht die Skulptur „Spielende Finger“ an der Simonsstraße.

Foto: Andreas Fischer

Eigentlich hätte diese Skulptur etwas ganz anderes verdient als Zentrum einer jahrelangen Diskussion zu sein. Eine Diskussion, deren wesentlicher Satz offenbar „Man werde sich bald wieder melden“ schien – und von Seiten der Stadt kam. „Spielende Finger“ heißt die Skulptur, um die es geht. Geschaffen im Jahr 1981 von Hans-Jürgen Hiby, Bildhauer und Kunstlehrer aus Wuppertal.

Ausgehend von einem Wettbewerb des Wuppertaler Tiefbauamtes unter dem Titel „Verschönerung von Stadtplätzen“, wurde die Skulptur im Juli 1981 auf dem Gutenbergplatz am Arrenberg enthüllt. Sie besteht aus griechischem Marmor und schlug mit etwa 44 000 D-Mark zu Buche. Material, Fundament, Honorar. Kein Wunder bei einer Größe von 225 Zentimetern und einem Gewicht von drei Tonnen. Zwei Finger umspielen hierbei eine Kugel. Eine leichte Geste, verewigt in schwerem Gestein.

Über die Oberfläche streichen
und in die Löcher greifen

Viel Persönlichkeit steckt in der Arbeit, erklärt Hans-Jürgen Hiby nun im Gespräch mit der WZ: „Mein Sohn hat sich vor vielen Jahren aus Versehen in der Werkstatt den kleinen Finger abgesägt, als er mit einer Kreissäge hantierte.“ Der Finger wurde im Krankenhaus wieder angenäht, doch seitdem taucht er in Hibys Werken immer wieder auf – ob aus Bronze oder Ahorn, ob in „Variable II“, „Widerstand“ oder dem „Trassen-Tramp“.

Gleichzeitig schafft er damit eine Ebene, die auch den Betrachter anregt: Man möchte die Oberflächen immer wieder berühren, das glatte, polierte Holz, die Unterschiede zwischen Esche, Kastanie und Buchsbaum. Man möchte in die Löcher greifen, die Hand halten. Und das ist dem 85-Jährigen auch recht: „Anfassen erwünscht“, sagt er. In der Werkphilosophie auf seiner Webseite beschreibt er den Effekt genauer: „Es ist von besonderem haptischem Reiz, konfrontiert er uns doch mit unserer unbewussten inneren Erlebniswelt, die in einer Zeit des Rationalismus, der Technisierung und des Erlebnisses aus zweiter Hand per Video und Mausklick immer mehr verschüttet zu werden droht.“

Allerdings – und hier kommt die Geschichte wieder zum Anfang – schließt die Haptik nicht den Vandalismus ein. 200 Skulpturen schuf der Wuppertaler im Laufe seines Lebens, doch keine wurde so krass verunstaltet wie die „Spielenden Finger“ am Gutenbergplatz nahe der Schwebebahnstation Pestalozzistraße. 1984 gab es die ersten Schmierereien, schon ab dem Jahr 2000 wurde über eine Umsetzung diskutiert – an einen Standort, der besseren Schutz gegen Vandalismus bieten sollte. Vielleicht vor dem Schauspielhaus? Oder im Zooviertel?

Fast zehn Jahre setzte er sich dafür ein, widerstand den Hinhalte-Taktiken derjenigen, die entweder verantwortlich waren oder sich nicht verantwortlich fühlten, um Entscheidungen zu treffen. Hiby machte die Prokrastination der Stadt so wütend, dass er eine Chronologie zusammenstellte, die über 40 Daten auflistet: Gespräche mit dem Grünflächenamt, dem Kulturamt, wechselnden Oberbürgermeistern, dem Von der Heydt-Museum, der Bezirksvertretung. Die Folge: Im Jahr 2006 musste die Skulptur einen Farbanschlag verkraften, bei dem Unbekannte das gesamte Kunstwerk mit roter Farbe übergossen hatten. Graffiti noch obendrauf. Eine Düsseldorfer Firma wurde eingeschaltet, die versuchte, die Verunstaltungen mit Trockeneis zu entfernen. Kosten: rund 2000 Euro. Schließlich schliff Hiby die Skulptur selbst von Hand ab.

Doch es reichte ihm: 2007 schrieb er: „Da wird der Bezirksvertretung Elberfeld-West vom Tiefbauamt der Stadt eine Skulptur zur Verschönerung eines Stadtplatzes zur Verfügung gestellt und man sollte meinen, damit läge auch die Pflege in den Händen des Bezirks Elberfeld-West. Aber weit gefehlt. Mindestens seit 1984 gammelt die Skulptur vor sich hin und wird in zunehmendem Maße bis zum Höhepunkt 2006, dem totalen Rotanstrich, immer mehr verschandelt.“ Man zeigte Verständnis. Nächste Sitzung. Erst im Jahr 2011 hatte der Streit ein Ende – und die Spielenden Hände kamen auf den Hof der ehemaligen Hauptschule an der Simonsstraße. Dort stehen sie bis heute, begleitet vom Biergarten des Restaurants Simons36.

Hans-Jürgen Hiby konzentriert sich inzwischen mehr auf die Malerei. Die Finger sind taub, Karpaltunnelsyndrom. Von der Arbeit mit der Motorsäge hat man ihm abgeraten. Bis zur stadtweiten Kunstaktion „Woga“ in der Auflage von 2022 öffneten er und seine Frau den Skulpturengarten in Nächstebreck. Bis zu 600 Gäste kamen vorbei, aber nun ist ihnen das zu viel. Das Paar feiert in Kürze die Diamantene Hochzeit.

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