Der ungewöhnlich niedrige Wasserstand in Italiens Flüssen sorgte in Rom für ein besonderes Bild. Das steckt hinter dem Fund.
Wo normalerweise das Wasser des Tiber über die Geschichte Roms hinwegfließt, sind derzeit Spuren einer fast 2000 Jahre alten Vergangenheit zu sehen: Wegen des außergewöhnlich niedrigen Wasserstands sind in Rom nahe dem Vatikan die Überreste einer antiken Brücke wieder aufgetaucht. Zwischen den Wellen zeichnen sich die Reste der Pfeiler des Pons Neronianus, der sogenannten Nero-Brücke, ab.

Das Bauwerk soll vermutlich im 1. Jahrhundert nach Christus während der Herrschaft Kaiser Neros errichtet worden sein. Die noch sichtbaren Überreste befinden sich unweit der heutigen Engelsburg. Die Brücke hatte einst eine wichtige Funktion für den Verkehr im antiken Rom. Über sie führte die Via Triumphalis über den Tiber.
Die Straße verband das Marsfeld auf der östlichen Flussseite mit dem Gebiet des heutigen Vatikans, dem damaligen Ager Vaticanus, und führte weiter in Richtung der antiken Stadt Veji. Auf der vatikanischen Seite des Flusses befanden sich zur Zeit Neros bedeutende kaiserliche Besitzungen.
Historiker weisen allerdings darauf hin, dass die genaue Datierung und Baugeschichte des Bauwerks nicht in allen Einzelheiten geklärt sind. Der aktuelle besonders niedrige Wasserstand macht die Überreste zu einem Blickfang für Passanten und Geschichtsinteressierte. Von der ursprünglichen Brücke ist heute nur noch wenig erhalten. Im 19. Jahrhundert wurden die verbliebenen Pfeiler teilweise beseitigt.
Rom: Nero-Brücken-Abbau komplexer als gedachtZiel war es, den Tiber für die Schifffahrt besser nutzbar zu machen. Weitere Spuren kamen bei Bauarbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts ans Licht. Während der Errichtung der heutigen Ponte Vittorio Emanuele II. stießen Arbeiter auf eiserne Pfähle und massive Holzbalken, die noch tief im Flussbett steckten. Die Konstruktion zeigte, wie aufwendig die antike Brücke im Untergrund verankert worden war.
Ein besonders großer Eichenbalken soll sich dabei als derart tief und fest im Boden verankert erwiesen haben, dass er nicht herausgezogen werden konnte. Schließlich musste er abgesägt werden. Wann die Nero-Brücke endgültig verschwand, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Vermutlich wurde die Brücke während der Gotenkriege im 6. Jahrhundert zerstört oder sie verfiel in dieser Zeit. Danach verlor die alte Verbindung über den Tiber ihre Bedeutung.
Die Geschichte der Brücke hätte allerdings beinahe eine Fortsetzung bekommen. Jahrhunderte später gab es unter Papst Julius II. della Rovere Pläne, an derselben Stelle einen neuen Übergang über den Tiber zu errichten. Aus dem Projekt wurde jedoch nichts. Die Pläne blieben unausgeführt – und so erinnert heute vorwiegend das historische Flussbett an die einstige Verbindung.
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