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Deutschland hat nur ein Löschflugzeug – und Hubschrauber haben einen Nachteil

Дата публикации: 14-08-2026 14:39:52

Bei jedem größeren Waldbrand sind sie im Einsatz: Löschflugzeuge. In Deutschland gibt es nur ein einziges. Das hat einen Grund.

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Wenn Wälder brennen, gehen Bilder um die Welt. Feuerwalzen, die sich durch die Vegetation fressen. Rauchsäulen, die in den Himmel steigen. Flugzeuge, die sich vom Himmel herab auf die Flammen stürzen. Löschflugzeuge sind wichtige Werkzeuge im Kampf gegen Waldbrände und Vegetationsbrände. Sie haben einen naheliegenden Vorteil: Aus der Luft können sie große Mengen Wasser oder feuerhemmende Mittel gezielt über Bränden abwerfen, erreichen auch unzugängliche Orte zuverlässig.

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Die Tanks der ikonischen gelb-roten Canadair CL-415 zum Beispiel fassen 6000 Liter. Die Maschinen können Löschwasser innerhalb weniger Sekunden aus nahegelegenen Seen im Tiefflug aufnehmen und schnell zum Einsatzort bringen. In Europa betreiben Frankreich, Italien und Spanien ihre eigenen Canadair-Flotten.

Die EU hat für rund 600 Millionen Euro zwölf neuere Maschinen für die RescEU-Flotte bestellt, die bis Anfang der 2030er Jahre ausgeliefert werden sollen. Sie sollen die Mitgliedsländer beim Kampf gegen Waldbrände unterstützen, und werden vor allem im Mittelmeerraum stationiert sein. Und was ist mit Deutschland?

Flächenbrand im Harz

Deutschlands einziges Löschflugzeug im Einsatz bei einem Flächenbrand im Harz.© Matthias Bein/dpa | Matthias Bein

Warum hat Deutschland nur ein Löschflugzeug?

Die Bundesrepublik verfügt nicht über eigene Löschflugzeuge, wie das etwa in Frankreich der Fall ist. Das liegt einerseits daran, dass Brandbekämpfung Sache der Städte und Kommunen ist. Sie sind für die Aufstellung und Ausstattung ihrer Feuerwehren verantwortlich, die Bundesländer geben Zuschüsse – und Löschflugzeuge sind teuer. Eine Canadair schlägt mit rund 50 Millionen Euro pro Stück zu Buche, dazu kommen Kosten für den Betrieb, Ersatzteile und die Pilotinnen und Piloten. Astronomische Summen, die jeden Kämmerer um den Schlaf bringen würden. Selbst die teuersten Spezialfahrzeuge einer Feuerwehr kosten nur einen Bruchteil.

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So war es am Ende eine Geldfrage, die die Stationierung von zwei wesentlich kleineren Löschflugzeugen der RescEU-Flotte in Deutschland beendete. Die Flieger waren 2023 und 2024 in Braunschweig stationiert, dann zog sich der Bund aus der Finanzierung zurück. Das zuständige Land Niedersachsen wollte alleine nicht zahlen, auch, weil die beiden Flieger im Schnitt nur einmal pro Jahr abhoben und sonst nur im Auslandseinsatz waren. Hubschrauber seien die bessere Wahl, hieß es damals aus dem Innenministerium in Hannover.

Damit bleibt die „Hexe 1“ weiterhin das einzige Löschflugzeug in Deutschland. Der Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt hat den Flieger vom Typ PZL M 18 „Dromader“ bei einem polnischen Unternehmen gechartert. Rund 2000 Liter transportiert das Propellerflugzeug, kann in zwei Minuten über einen Feuerwehrschlauch betankt werden und drei Stunden in der Luft bleiben.

Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse schwört auf die Hexe und ihre Erstschlagfähigkeit. „Ein Brand wird gemeldet, das Flugzeug kann aus der Bereitschaft sofort abheben und das Feuer bekämpfen oder zumindest die Ausbreitung eingrenzen“, sagt Lohse unserer Redaktion. Das verschaffe den Bodenkräften Zeit, ins Einsatzgebiet zu kommen. Die Erfahrungen mit dem Flugzeug seien „durchweg positiv“. Auch, weil die Ehrenamtlichen der Freiwilligen Feuerwehren so weniger Freizeit aufbringen müssten.

Harzer Löschflugzeug hebt ab nach Frankreich

Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse vom Landkreis Harz (l.) steht am Flugplatz Ballenstedt vor der Hexe 1. © Matthias Bein/dpa | Matthias Bein

Keine Löschflugzeuge für den Bund

Bislang beabsichtigt die Bundesregierung nicht, eigene Löschflugzeuge anzuschaffen. Die Beschaffung sei nicht vorgesehen, hieß es im Oktober 2025 in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage aus der AfD-Fraktion. Die Bekämpfung von Wald- und Vegetationsbränden sei Ländersache, über das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) leiste der Bund Unterstützung, „etwa durch Lagebilder, überregionale Zusammenarbeit und die Einbindung in das EU-Katastrophenschutzverfahren“. Über dieses könne „bei Bedarf auf EU-rescEU-Löschflugzeuge zugegriffen werden“.

Außerdem unterstütze man im Rahmen der Amtshilfe mit Hubschraubern der Bundeswehr und der Bundespolizei. Städte und Gemeinden können bei Bedarf solche Hubschrauber anfordern, die Länderpolizeien verfügen über zusätzliche Maschinen. Insgesamt komme Deutschland so auf mehr als 70 geeignete Hubschrauber, sagt Waldbrandexperte Ulrich Cimolino. Diese werden mit einem Löschwasserbehälter, Fassungsvermögen 5000 Liter, ausgestattet. Ähnlich wie die Canadair-Maschinen, können die Tanks im Schwebeflug über offenen Gewässern befüllt werden.

Waldbrand im Hürtgenwald

Ein Helikopter hat Wasser in einem Löschwasser-Außenlastbehälter zum Einsatz beim Waldbrand im Hürtgenwald aufgenommen. Zusätzlich unterstützen auch Hubschrauber der Bundeswehr (hinten) die Löscharbeiten. © Federico Gambarini/dpa | Federico Gambarini

Hubschrauber haben einen Nachteil

In der Praxis haben Lösungen wie die „Hexe 1“ aber einen Vorteil gegenüber den Hubschraubern des Bundes und der Länder. „Sie steht nur für uns in Bereitschaft“, sagt Kreisbrandmeister Lohse. Die Maschinen der Bundeswehr oder der Polizei hätten andere Aufgaben, etwa bei der Verbrechensbekämpfung oder Verkehrsüberwachung. „Im Zweifelsfall sind sie nicht so schnell oder gar nicht verfügbar.“

Dazu kämen lange bürokratische Anforderungswege und zusätzliche Kosten. „Eine Flugstunde mit einer CH-53 der Bundeswehr kostet einen mittleren fünfstelligen Betrag, den ein politisch Verantwortlicher freigeben muss“, gibt Lohse zu bedenken. Alles Faktoren, die Zeit fressen. „Das widerspricht unserer Herangehensweise, einen Waldbrand möglichst schnell zu löschen.“ Dafür benötigen Feuerwehren Maschinen in Bereitschaft. Zwar könnten Hubschrauber helfen und seien in ausreichender Zahl vorhanden. „Aber wir bekommen sie nicht schnell genug in die Luft.“

Waldbrand im Harz

Das Löschflugzeug Hexe 1 wirft über einem Wald bei Benneckenstein Wasser ab. © Matthias Bein/dpa | Matthias Bein

Zeit ist bei jeder Brandbekämpfung eine entscheidende Ressource, auch bei Waldbränden. Bei schnell laufenden Bränden könne man aus der Luft mit feuerhemmenden Mitteln die Ausbreitung verzögern und das Feuer an möglichst bereits vorhandenen Stopplinien aufhalten, sagt Cimolino. Aber: „Das Feuer selbst wird immer am Boden gelöscht!“ Hier spielt Deutschland in die Karten, dass die Wälder anders als in Frankreich oder anderen Mittelmeeranrainern gut erschlossen sind. Die vielen Feuerwehren im Land kommen so tendenziell schneller an Waldbrände heran und können früher löschen.

Schwieriger wird das, wenn munitionsverseuchte Gebiete in Brand geraten, wie gerade im Hürtgenwald. Hier benötigt die Feuerwehr geschützte oder gepanzerte Fahrzeuge. Aus der Luft lassen sich die Feuer in solchen Gebieten oft nicht bekämpfen – das Risiko ist wegen der Gefahr von explodierenden Granaten für Piloten und Maschinen zu hoch.

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Alte Bundeswehrmaschine könnte helfen

Abhilfe könnte ausgerechnet eine ausgemusterte Bundeswehrmaschine schaffen: die C-160D Transall. Das niedersächsische Unternehmen Aeronautical Services GmbH (TAS) arbeitet derzeit daran, zwei der Transportflugzeuge für den Einsatz zur Waldbrandbekämpfung flottzumachen.

Dafür wird ein Tank mit 14.000 Litern Fassungsvermögen in den Laderaum der Transall montiert. Abseits der A400M kann kein anderes Flugzeug in Europa so viel Löschmittel transportieren. Vorbild ist Australien, wo drei der betagten Flieger bei einer zivilen Firma untergekommen sind. Gerade laufen erste Zulassungstests mit umgerüsteten Transalls.

Die C-160 verfügt über eine „Superkraft“, wie TAS-Geschäftsführerin Maren Reese der Fachzeitschrift „Flugrevue“ sagte. Die Flieger sind teilweise gepanzert. „Damit können wir mit der C-160D auch Brände in munitionsbelasteten Gebieten löschen.“ Erste Tests seien für das Jahr 2027 anvisiert.

mit Material von dpa

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