Rote Decken, ein Treffen mit dem König von Tibet und Leguane beim Hausbesuch: Der Architekt Gisbert Pöppler teilt im Fragebogen Anekdoten und Design-Vorlieben.
Die von dem Berliner Architekten und Innendesigner Gisbert Pöppler gestalteten Räume fühlen sich vertraut und wohnlich an, sind aber gleichzeitig charakterstark und unvorhersehbar. Seine Arbeit ist eine fortwährende Konversation zwischen Alt und Neu, zwischen Tradition und Modernität.
Pöppler versteht es etwa, die historische Substanz eines Altbaus – eine aufwendige Stuckdecke oder einen geschnitzten Kamin – nicht nur zu bewahren, sondern in einem neuen Kontext zu inszenieren.
Seit 2004 bietet das Büro von Pöppler Designs für Geschäfts- und Privatkunden.
© Gisbert Pöppler
1999 gründete der am California College of Arts and Crafts in San Francisco und an der TU Berlin studierte Architekt das Büro Prinz-Pöppler. 2004 folgte sein eigenes Büro, das bis heute als „Full-Service-Studio“ Projekte von der Architektur über die Innenraumgestaltung bis hin zur Möblierung begleitet. Weil der Markt für seine Entwürfe oft nicht das Passende bot, kreiert Pöppler außerdem seit 2006 eigene, maßgefertigte Stücke.
Dass er auch historische Ikonen zu würdigen weiß, bewies er vergangenes Jahr mit seiner stilvollen Neuinterpretation der „Halle“-Vase anlässlich des 100-jährigen Bauhaus-Jubiläums.
Herr Pöppler, wo kaufen Sie am liebsten ein?
Möbel in Paris, in der Galerie Signé in Saint-Germain-des-Prés. Die Möbel dort korrespondieren auf eine besondere Weise mit unserer Arbeit.
Kleidung kaufe ich am liebsten auf Reisen. Dann habe ich Zeit und den Kopf frei, um in Ruhe zu schauen und etwas zu entdecken.
Bei Lebensmitteln liebe ich große Supermärkte. Ich bin immer wieder überrascht, was es dort alles zu entdecken gibt. Wenn ich etwas Besonderes suche, gehe ich gerne in die Marheineke-Markthalle in Kreuzberg. Dass Rogacki geschlossen hat, ist für mich ein wirklich großer Verlust.
Wie würden Sie Ihren Einrichtungsstil beschreiben, und wo halten Sie sich am liebsten in Ihrem Zuhause auf?
Meinen Einrichtungsstil würde ich als „gewachsen“ beschreiben. In meiner Wohnung probiere ich gerne Dinge aus und stelle immer wieder neue Möbelstücke, Farben und Materialien zusammen. Es darf sich verändern und weiterentwickeln.
Gerade habe ich mehrere Zimmerdecken rot gestrichen, während die Wände in unterschiedlichen Hellblautönen gehalten sind. Im Erkerzimmer habe ich einen kanarienvogelgelben Teppichboden verlegt. Dazu steht dort gerade ein neues dreiteiliges Sofa zur Probe – ein Entwurf von uns, den wir in einer kleinen Manufaktur haben anfertigen lassen.
Welches Buch hat Sie in letzter Zeit bewegt? Welches haben Sie zuletzt angefangen und wieder weggelegt? Was liegt ganz oben auf dem Zu-lesen-Stapel?
Mein All-time-Lieblingsbuch ist „Fast so alt wie das Jahrhundert“ von Julius Posener. Die Autobiografie des Architekturkritikers hat mich mit Mitte 20 so sehr fasziniert, dass ich beschloss, ihn in seiner Villa in Zehlendorf zu besuchen.
Die Adresse stand im Telefonbuch. Seine Haushälterin öffnete. Im Wohnzimmer auf der Fensterbank dösten vier träge Leguane, fraßen sich durch Berge von grünem Salat. Posener selbst lag krank im Bett. Trotzdem hat er mich empfangen. Die Begegnung werde ich nicht vergessen – auch in 100 Jahren nicht.
Welcher Film oder welche Serie hat Sie am meisten beeindruckt und warum?
Ich bin kein großer Cineast. Dafür höre ich sehr gerne Podcasts. Besonders mochte ich Dan Rubinsteins Gespräch mit Jörg und Maria Koch, die das Berliner Modemagazin 032c gegründet haben, aus dem später auch die Fashionbrand geworden ist.
Wonach gehen Sie beim Ankleiden morgens? Routine, Stimmung oder Plan? Wie entscheiden Sie, was Sie kombinieren?
Ich würde gerne immer einfach das Gleiche anziehen. Lederschuhe, blaue Hose, weißes Hemd, fertig. Neuerdings mag ich schwarze Hemden – schade nur, dass sie nach ein paarmal Waschen ihre Farbe verlieren.
Sie sind bei Freunden eingeladen. Was bringen Sie als besonderes Gastgeschenk mit?
Blumen oder was Gutes zu trinken, manchmal auch Artischockenpaste von Denns.
Was steht auf Ihrem eigenen Wunschzettel ganz oben?
Besondere Zutaten für die Küche, die man sich selbst nur selten leistet.
Was war Ihr letzter Fehlkauf?
Schuhe von Lemaire, die ich in Paris gekauft habe – schick, aber leider zu klein.
Welche Ausstellung haben Sie zuletzt gesehen? Welches Kunstwerk oder welcher Künstler fasziniert Sie?
Das Noguchi-Museum in New York. Toller Künstler, tolles Museum, toller Ausflug – da kann man mit der Fähre von Manhattan aus über den East River hinfahren.
Was hören Sie in der U-Bahn oder im Auto? Podcast oder Musik? Was genau?
Deutschlandfunk Kultur.
Was ist Ihre Lieblingsapp?
Flora Incognita – mit der kann man jeden Strauch, jede Pflanze und jeden Baum, der hier wächst, mit ein paar Klicks bestimmen. Faszinierend, wie gut das funktioniert.
Welche Reise war Ihre schönste und warum? Berge oder Meer? Hotel? Ferienwohnung? Oder lieber Camping?
Besonders gerne denke ich an meine Reise nach Kathmandu, wo unsere Kaschmirdecken von Hand gewebt werden. Von der kleinen Produktion am Stadtrand sind wir weiter hoch in den Himalaja gereist. Mit einem Jeep und einem alten Helikopter am Fuß des Mount Everest unterwegs zu sein, war ziemlich abenteuerlich. Die Luft wurde dünn, dafür war der Blick umso atemberaubender.
Einer unserer Reisegefährten war der ehemalige König von Tibet, bei dem wir abends sogar zu Hause eingeladen waren. Das war eine außergewöhnliche Begegnung – extrem interessant und inspirierend.
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