Die Jahresteuerung in den USA liegt bei 3,4 Prozent. Klammert man die Benzinpreise aus, sieht das Bild zwar besser aus. Trotzdem bleibt innerhalb der amerikanischen Notenbank der Druck für eine Zinserhöhung gross.
Die Jahresteuerung in den USA liegt bei 3,4 Prozent. Klammert man die Benzinpreise aus, sieht das Bild zwar besser aus. Trotzdem bleibt innerhalb der amerikanischen Notenbank der Druck für eine Zinserhöhung gross.

Elizabeth Frantz / Reuters
Die Preise in den USA steigen weiter an. Wie ein Bericht des amerikanischen Bureau of Labor Statistics zeigt, hat der Konsumentenpreisindex (CPI) im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 3,4 Prozent zugelegt.
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Dieser Wert liegt leicht unter den erwarteten 3,5 Prozent und der im Juni gemessenen Jahresteuerung von ebenfalls 3,5 Prozent. Klammert man die volatilen Preise für Nahrungsmittel und Energieträger aus, sind es sogar nur 2,5 Prozent.
Druck auf Warsh nimmt abFür die amerikanische Notenbank Fed und ihren Chef Kevin Warsh bringen die neuen Zahlen ein bisschen Entlastung: Der Druck, den Leitzins schon im September zu erhöhen, nimmt ab. An den Terminmärkten hat man umgehend auf die neuen Zahlen reagiert. Die Chance auf eine Zinserhöhung im September sehen Marktteilnehmer noch bei 36 Prozent – in den vergangenen Tagen waren es 50 Prozent und mehr.

Mark Schiefelbein / AP
Das bedeutet aber nicht, dass der Kampf gegen die Teuerung in den USA bereits gewonnen wäre. Die Inflation liegt immer noch deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent, den das Fed ausgegeben hat.
Zwar knüpft das Fed sein Ziel an einen anderen Preisindex namens PCE (Personal Consumption Expenditures). Dieser wies zuletzt aber sogar 3,7 Prozent Inflation und 3,3 Prozent Kerninflation aus. Ein Hauptunterschied besteht darin, dass der CPI Wohnkosten stärker gewichtet, während der PCE-Index auch die Gesundheitskosten berücksichtigt, welche die Krankenversicherer zahlen. Weil die Mieten und Hauspreise in letzter Zeit nur wenig anstiegen, weist der CPI daher für einmal die niedrigere Teuerung aus. Die Trends in den beiden Messreihen stimmen aber im Grossen und Ganzen überein.
Die amerikanischen Konsumenten profitierten im Juli davon, dass die Benzinpreise fielen, als Iran und die USA die gegenseitige Blockade der Strasse von Hormuz kurzzeitig aufhoben. Seit die Kriegsparteien die sporadischen Kampfhandlungen und die Blockade wieder aufgenommen haben, verteuert sich der Treibstoff an den Zapfsäulen aber wieder. Im Durchschnitt liegt der Preis noch immer knapp über der psychologisch wichtigen Marke von 4 Dollar pro Gallone (das entspricht 3,785 Litern). Noch teurer ist Diesel, was wiederum die Preise für Nahrungsmittel und Transportdienstleistungen hoch hält.
Entlastung bringt, dass Autoversicherungen weniger kosten als vor einem Jahr, nachdem die Anbieter ihre Preise seit der Pandemie um mehr als 50 Prozent erhöht hatten. Dieser Anstieg schmerzte die Amerikaner sehr, weil sie ihm nicht ausweichen konnten. Wird Rindfleisch teurer, können sie stattdessen mehr Poulet kaufen. Jeder Autofahrer muss jedoch eine Motorfahrzeugversicherung abschliessen.
Wer gesundheitsbewusst lebt, kann sich zudem über stark fallende Salatpreise freuen (–16,4 Prozent gegenüber dem Vormonat). Der Grund dafür ist allerdings unappetitlich: Tausende Amerikaner erkrankten, weil sie verunreinigten Eisbergsalat eines Herstellers gegessen hatten, der auch mehrere Fast-Food-Ketten beliefert. Mindestens zwei Personen sind sogar an den Folgen der Erkrankung gestorben. Viele Konsumenten machen daher einen Bogen um frischen Salat, und die Händler müssen ihre Ware mit Preissenkungen loswerden.
Diese Beispiele zeigen, dass sich Inflation nie nur auf eine Ursache wie etwa den Iran-Krieg reduzieren lässt. Umso wichtiger bleibt es für das Fed, den grossen Trend im Blick zu behalten; und dieser Trend ist wenig erfreulich. Wie auch der Fed-Chef Warsh nicht müde wird zu betonen, liegt die Inflation in den USA bereits seit mehr als fünf Jahren über dem 2-Prozent-Ziel.
Unklarheit am ArbeitsmarktBereits vergangene Woche waren in den USA indes all jene im Aufwind, die sich für eine lockerere Geldpolitik starkmachen, weil auch der amerikanische Arbeitsmarkt unerwartete Schwächen zeigt. Die Wirtschaft hat im Juli überraschend 23 000 Arbeitsplätze verloren.
Die Genauigkeit dieser Daten ist aus einer Reihe von Gründen nicht über alle Zweifel erhaben; regelmässig werden Werte der Vormonate nachträglich korrigiert. Wegen der unter Trump stark fallenden Nettozuwanderung und der Alterung der Bevölkerung ist es möglich, dass der Arbeitsmarkt im Gleichgewicht bleibt, auch wenn die Unternehmen kaum neue Jobs schaffen. Die Arbeitslosenquote verharrt denn auch weiterhin auf niedrigen 4,1 Prozent.
Ohnehin dauert es noch einen guten Monat, bis das Fed den nächsten Leitzinsentscheid fällt. Die Aufgabe für Warsh bleibt herausfordernd. Während er selbst die Öffentlichkeit nur zurückhaltend über seine Ansichten und Pläne informiert, halten seine Kollegen an der Fed-Spitze damit nicht hinter dem Berg. Beth Hammack, die Präsidentin der Federal Reserve Bank in Cleveland, hat am Montag in einem Interview mit «Yahoo Finance» einmal mehr für eine rasche Zinserhöhung plädiert. Sie sehe «keine Spannung» zwischen den beiden Zielen der Notenbank: Die Inflation sei seit über fünf Jahren zu hoch, die Arbeitslosenquote signalisiere Vollbeschäftigung.
Hammack ist mit dieser Sichtweise nicht allein. Sie war eine von drei Fed-Vertretern, die bereits im Juli für eine Zinserhöhung gestimmt hatten. Auch andere Vertreter haben angedeutet, sich auf eine Erhöhung vorzubereiten, falls die Inflation nicht fällt. Für den Entscheid im September bleiben daher beide Szenarien denkbar.