Der Russin Angelina Melnikowa wird die Einreise zur Turn-EM kurzfristig verweigert, dann aber doch gewährt. Sie siegt trotzdem. Der Fall zeigt, wie schwer sich Sport und Politik in dieser Frage tun.
Sie hatte keinen Zweifel daran gelassen, dass ihr die Krone im europäischen Kunstturnen gebührt. Mit leicht vorgerecktem Kinn, selbstbewusst gehobenem Kopf und kerzengerade gestrecktem Rücken stand Angelina Melnikowa am Donnerstagnachmittag in der Mixed Zone der Arena von Zagreb.
Die Qualifikation der kontinentalen Titelkämpfe war noch nicht abgeschlossen, zwei von fünf Durchgängen standen noch aus. Doch der Triumph der 26 Jahre alten Russin im Mehrkampf galt in diesem Moment bereits als sicher.
Nur am Stufenbarren muss die im vergangenen Jahr auch auf der Weltbühne mit Gold dekorierte Sportlerin zuschauen, wenn an diesem Samstag die Medaillen an den Geräten vergeben werden. Eine Folge eines Experiments auf dem Wakeboard, bei dem sie sich die Hände wundgescheuert hatte. Melnikowa wollte sich dadurch von den schlechten Nachrichten ablenken.
Einen Tag vor dem geplanten Abflug nach Kroatien war Melnikowa am Sonntag mitgeteilt worden, dass ihr Antrag auf ein Visum abgelehnt worden war. Das galt auch für acht weitere Athleten und Betreuer der 65 Mitglieder zählenden Delegation ihres Landes.
Zwei weiteren Teilnehmerinnen blieb die Einreise vewehrtDer Zweck der Reise sei „ungültig“ oder nicht ausreichend nachgewiesen worden, die Bedingungen seien „unzulässig“, soll laut der russischen Nachrichtenagentur Tass als Grund dafür angegeben worden sein.
Melnikowa bezeichnete das in den sozialen Medien als „absurd“ und später auch als „lächerlich“. Man verhindere, dass die Besten miteinander konkurrierten.
Am Montag habe sie einen Anruf erhalten, sie solle packen und zum Flughafen kommen. Nach mehreren Telefonaten der beteiligten Turnverbände mit der kroatischen Regierung habe es doch noch nachträglich eine Einreisegenehmigung für drei Betroffene gegeben, darunter neben Melnikowa die nationale Meisterin Anna Kalmykowa, die Silber im Mehrkampf gewinnen sollte.
Zwei anderen Teammitgliedern, darunter der früheren Mehrkampf-Europameisterin Wiktoria Listunowa, blieb die Teilnahme an den Wettkämpfen verwehrt.
Nach zwölf Stunden Flug über Doha war Melnikowa am Dienstag um 7 Uhr morgens am Ziel eingetroffen. Vier Stunden später musste sie zum Podiumstraining antreten. Das sei „sehr hart“ gewesen, aber sie sei stolz und froh, überhaupt „performen“ zu können. Ihr Blick richte sich vor allem auf das Teamfinale am Sonntag, in das sie mit ihren jüngeren Kolleginnen als Beste der Qualifikation einzieht.

© imago/Schreyer/imago/Schreyer
Seit 2018 sei man als Mannschaft nicht mehr bei Europameisterschaften zusammen angetreten. Symbole ihres Landes, eine Hymne gar, würde es im Erfolgsfall aber ebenso wenig geben wie bei ihrer eigenen Ehrung am Donnerstagabend.
Obwohl der Weltturnverband Mitte Mai die Sanktionen gegen russische und belarussische Athleten aufgehoben hatte und die Europäische Turn-Union ihm auf diesem Weg gefolgt war, wurde diese Vorgabe auf Initiative des Deutschen Turner-Bundes (DTB) nach wochenlangen Verhandlungen noch einmal verändert.
Sport als Plattform für Putinsche Propaganda?Die Weltmeisterschaften in der Rhythmischen Sportgymnastik, die derzeit in Frankfurt laufen, sollten laut DTB-Präsident Alfons Hölz angesichts des Angriffskrieges gegen die Ukraine auf Wunsch der Bundesregierung nicht zur Plattform für Putinsche Propaganda werden.
Gleichzeitig sollten die Regeln des Turnweltverbandes eingehalten werden, nach denen allen Sportlern die Teilnahme an den Wettbewerben ermöglicht werden soll. Die Nichterteilung von Visa wie bei der Kunstturn-WM im Oktober in Jakarta, bei der der israelischen Delegation die Einreise verweigert worden war, sollte so vermieden werden.
Der Plan des DTB ging insofern auf, als sowohl bei der WM der Rhythmischen Sportgymnastik als auch in Zagreb Russen und Belarussen wieder unter neutraler Flagge starten müssen. Die Visa-Probleme ließen sich zumindest bei der Kunstturn-EM aber nicht verhindern.
Ein Auftritt Melnikowas in Deutschland hatte im Herbst für viel Aufsehen gesorgt. Das Team des TSV Tittmoning-Chemnitz hatte die Olympiadritte von Tokio für die Bundesliga verpflichtet. Das stieß auf viel Kritik, weil die Sportlerin sich im Mai 2022 mit einer Tasche mit dem Z-Symbol ablichten ließ, das als Propagandazeichen für den russischen Angriffskrieg gilt, und im Frühjahr 2025 bei kommunalen Vorwahlen für die Putin-nahe Partei „Einiges Russland“ kandidierte. Der Verein beließ es daraufhin bei einem Einsatz der umstrittenen Verpflichteten.
All diese Diskussionen sorgten nicht dafür, dass die Planer des europäischen Verbandes Sensibilität zeigten: In der EM-Qualifikation mussten die am Ende neuntplatzierten Ukrainerinnen im gleichen Durchgang wie die Russinnen antreten.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Turn-EM in Zagreb: Kein Visum: Russische Weltmeisterin geht vor EM wakeboarden | 0 | 14.28 | 14-08-2026 |
| 2 | Воронежская гимнастка Ангелина Мельникова рискует пропустить чемпионат Европы из-за проблем с визой | 0 | 10.93 | 07-08-2026 |
| 3 | Фетисов: тренеры и спортсмены РФ на ЧЕ не опустили руки в ситуации с Мельниковой | 0 | 8.62 | 14-08-2026 |
| 4 | Журова считает заявление Дерюгиной о Мельниковой отработкой повестки запрета россиян | 0 | 0 | 02-09-2025 |
| 5 | "Новый способ побеждать нас": Мельникова назвала причину недопуска на ЧЕ | 0 | 7.3 | 07-08-2026 |
| 6 | Гимнастка Мельникова прокомментировала отказ в выдаче виз для участия в ЧЕ | 0 | 7.35 | 07-08-2026 |
| 7 | «Была проделана большая работа»: Мельникова получила визу и поедет на ЧЕ в Хорватию | 0 | 8.62 | 10-08-2026 |
| 8 | Гимнастов допустили к наградам // Лидеры сборной России все-таки поедут на континентальное первенство в Хорватии | 0 | 9.8 | 10-08-2026 |
| 9 | Мельникова и еще шестеро гимнастов сборной России не получили визы на ЧЕ | 0 | 6.73 | 07-08-2026 |