Ungefährdet gewinnt der Slowene zum fünften Mal das wichtigste Radrennen der Welt – und beinahe auch noch die Schlussetappe in Paris. Ob seiner Dominanz wird bereits Unmut laut. Geht’s noch?
Tadej Pogacar blickte sich immer wieder um, sprach mit seinen Teamkollegen Isaac del Toro und spannte sich schließlich vor den jungen Mexikaner. Die Lokomotive Pogacar zog seinen Schützling auf der Königsetappe der Tour de France am Samstag bis ins Ziel, auf den letzten Metern umarmten sich die beiden Radprofis und strahlten um die Wette.
Es ist ein Bild, das so gar nicht zum Image des Kannibalen aus Slowenien passen will. Dabei hatte er sich schon auf der zweiten Etappe riesig über den Tagessieg von del Toro gefreut und den Mann im Weißen Trikot später schon bei der ersten richtigen Bergankunft in den Alpen nach Kräften unterstützt.
In all diesen Fällen hätte Pogacar vermutlich mit Leichtigkeit selbst den Etappensieg erringen können. Er tat es nicht und begnügte sich so mit der trotzdem beeindruckenden Zahl von fünf Tageserfolgen bei dieser Frankreich-Rundfahrt. Wobei er am Sonntag in Paris beim Etappensieg von Mathieu van der Poel bis kurz vor dem Zielstrich auf den Champs Elysees sogar noch auf einen sechsten Erfolg hoffen durfte.
Pogacar durfte sich all das leisten, weil ihm seine Konkurrenten in diesem Jahr frühzeitig abhandengekommen waren. Zunächst konnten Jonas Vingegaard und Co. bei den explosiven Antritten des Weltmeisters nicht mithalten, dann stürzte erst der Däne und später auch Deutschlands Hoffnungsträger Florian Lipowitz folgenschwer.
Und so feierte der Slowene nun bereits seinen fünften Gesamtsieg beim wichtigsten Radrennen der Welt in einer Deutlichkeit, die bei einigen Fans und Experten bereits ein genervtes Raunen hervorgerufen hat.
Langweilig sei es, wenn ein Fahrer alles und jeden in Grund und Boden fährt. Pogacar ist in seiner eigenen Liga unterwegs und greift sämtliche Rekorde bei der Tour de France an – und nicht nur da. Dabei ist er immer noch erst 27 Jahre alt.
Natürlich gab es schon spannendere Tour-Ausgaben als die diesjährige, aber den Dominator dafür zu kritisieren, dass er dominiert, ist einigermaßen seltsam. Pogacar fährt Rennen, um zu gewinnen – das hat er immer wieder betont. Und dabei fehlen ihm nun nicht mehr viele Siege, um alles abgeräumt zu haben, was es im Radsport abzuräumen gibt.
Tadej Pogacar ist der beste Fahrer seiner Generation und – sofern er wirklich sauber ist – vielleicht sogar der beste, den dieser Sport jemals gesehen hat. Mit dem erneuten Sieg bei der Tour de France hat er diesen Status weiter zementiert. Wenn man ihn dafür nicht gleich bewundern will, sollte man ihn zumindest respektieren – und sich Kritik daran sparen, dass er einfach nur besser ist als alle anderen.
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