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Tesla vs. IG Metall in Grünheide: Wie der Machtkampf eskaliert

Дата публикации: 24-06-2026 10:40:11

Üble Nachrede, Vertrauensbruch, Wahlbeeinflussung - Tesla und IG Metall überziehen sich gegenseitig mit Vorwürfen. Inzwischen auch vor Gericht. Dabei geht es längst um mehr als nur die Arbeitsverhältnisse im Grünheider Werk.


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Tesla vs. IG Metall Der Machtkampf in Grünheide eskaliert

Tesla Gigafactory, Grünheide in Brandenburg. (Quelle:picture alliance/Jochen Eckel)
Tesla Gigafactory, Grünheide in Brandenburg. (Quelle:picture alliance/Jochen Eckel)
  • US-Autobauer Tesla und Gewerkschaft IG Metall streiten seit Monaten
  • Großer Konfliktpunkt: Betriebratswahl im März
  • Inzwischen wird auch vor Gericht verhandelt

Von Philip Barnstorf

Ein kleines bisschen Hoffnung gab es am Montag vergangener Woche noch: Die Richterin hatte die IG Metall und Tesla zum sogenannten Gütetermin ins Arbeitsgericht in Frankfurt (Oder) geladen. Zuvor hatte die Gewerkschaft die Betriebsratswahl bei Tesla wegen vermeintlicher Wahlbeeinflussung durch den E-Autobauer angefochten. Nun sollten beide Seiten versuchen, sich gütlich zu einigen. Dann bliebe ihnen ein langwieriges Verfahren erspart. Aber nach nicht mal einer halben Stunde war klar: IG Metall und Tesla können sich nicht einigen, so dass es zum Verfahren kommen wird.

Deutschlands mitgliederstärkste Industriegewerkschaft und der größte private Arbeitgeber in Berlin und Brandenburg treffen nicht zum ersten Mal juristisch aufeinander. Schon in der Vergangenheit hatte es Verfahren gegeben und auch aktuell laufen mehrere Ermittlungen parallel. Dabei geht es nicht nur um üble Nachrede und Vertrauensbruch: Tesla-Chef Elon Musk lehnt nach eigener Aussage die "Idee von Gewerkschaften" ab und will sie in seinen Werken möglichst klein halten. Eine Praxis, die in den USA üblicher ist als hierzulande. Die IG Metall dagegen, traditionell stark vertreten in der deutschen Autoindustrie, dürfte einen Präzedenzfall verhindern wollen, in dem ein Arbeitgeber vormacht, wie man Gewerkschaften klein hält.

Der Konflikt eskaliert

Ein Fanal in diesem Machtkampf ist die vergangene Betriebsratswahl im März dieses Jahres. Die Liste der IG Metall hatte dabei nicht die von der Gewerkschaft angestrebte Mehrheit, sondern nur etwa 30 Prozent der Stimmen gewonnen. Aber die Gewerkschafter zweifeln an der Rechtmäßigkeit der Wahl und haben sie deshalb angefochten. Ihrer Meinung nach hat Tesla als Arbeitgeber versucht, die Wahl auf eine Weise zu beeinflussen, die das Betriebsverfassungsgesetz verbietet. Darin heißt es, niemand dürfe die Wahl "durch Androhung von Nachteilen oder Gewährung von Vorteilen beeinflussen".

Wenige Tage vor dem Urnengang hatte Elon Musk - angesprochen auf die Zukunft des Grünheider Werks - von "Organisationen von außerhalb" gesprochen. Würden diese an Macht gewinnen, werde das Werk wahrscheinlich nicht ausgebaut. Laut IG Metall meinte er damit die Gewerkschaft. Und sie erhebt noch weitere Vorwürfe: Bis kurz vor der Wahl hätten Vorgesetzte Mitarbeitern immer wieder gesagt, dass bei einem Wahlsieg der IG Metall nicht mehr in das Werk investiert werde. Damit seien den Angestellten Nachteile angedroht worden, so das Argument der Gewerkschaft.

Ein Verfahren mit Signalwirkung

Gegenüber dem rbb hat sich Tesla bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der Anwalt des Unternehmens sagte beim Gütetermin, dass kein Druck auf einzelne Beschäftigte ausgeübt worden sei. Außerdem müsse sich die Werksleitung bei einer Wahl nicht neutral verhalten. In der Tat sind keine Fälle bekannt, in denen Angestellten konkrete persönliche Nachteile, wie etwa eine Kündigung, angedroht wurden. Nach Meinung von Experten könnte Tesla außerdem argumentieren, dass gewerkschaftskritische Äußerungen von leitenden Angestellten von der Meinungsfreiheit gedeckt seien.

Wer recht hat, wird das Gericht voraussichtlich im April 2027 entscheiden. Aber: Wenn die unterlegene Partei dann Beschwerde beim nächsthöheren Gericht einlegt, könnte sich das Verfahren noch länger ziehen - womöglich bis zur nächsten Betriebsratswahl in vier Jahren. Dann wäre eine Wiederholung der letzten Wahl hinfällig, selbst wenn die IG Metall mit ihrer Anfechtung Erfolg haben sollte. Aber Jannes Bogert von der IG Metall stellt klar: "Wenn das Verhalten Teslas Schule macht, dann ist die Demokratie, die betriebliche Mitbestimmung in Gefahr." Man schulde es den Beschäftigten - nicht nur bei Tesla - das nicht hinzunehmen. Weiter hieß es von der Gewerkschaft, es gehe darum, gerichtlich feststellen zu lassen, dass Teslas Verhalten rechtswidrig sei.

Warum beide Seiten kämpfen

Aber neben rechtlicher Klarheit dürfte es der IG Metall auch um etwas anderes gehen. In den deutschen Werken, etwa von VW, Mercedes oder Ford, sind meist 70 oder mehr Prozent der Angestellten gewerkschaftlich organisiert. “Das auch bei Tesla zu schaffen, ist für die Gewerkschaften eine Prestigefrage”, sagt Hagen Lesch vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln (IW).

Und was ist Teslas Motivation? "Wir sind ohne Gewerkschaft sehr viel schneller, unbürokratischer, flexibler", sagte Tesla-Werksleiter Thierig kurz vor der letzten Betriebsratswahl. Was er damit genau meint, dazu äußerte sich Tesla auf Nachfrage nicht. Aber Hagen Lesch vom IW hat eine Vermutung: "Die IG Metall setzt normalerweise Fix-Löhne mit vielen Extras wie Weihnachtsgeld oder Gewinnbeteiligungen durch. Bei Tesla gibt es hingegen neben dem Fix-Lohn Kapitalbeteiligungen mit Aktien." Solche variablen Vergütungsmodelle seien etwa auch bei Start-ups verbreitet. "Darauf lassen sich Gewerkschaften noch nicht ein. Dadurch wird es schwer, bei Unternehmen wie Tesla einen Fuß in die Tür zu kriegen", so Hagen Lesch.

Neue Vorwürfe kurz vor der Wahl

Die Fronten sind also verhärtet. Und das nicht nur beim Gütetermin zur Wahlanfechtung: Im Februar dieses Jahres, wenige Wochen vor der Betriebsratswahl, wurde die Polizei ins Tesla-Werk gerufen. Beamte rückten an und nahmen den Laptop eines IG Metall-Mitglieds in Verwahrung. Was war passiert? Der Gewerkschafter habe eine Betriebsratssitzung heimlich aufgezeichnet und sei dabei erwischt worden, schrieb Werksleiter André Thierig noch am selben Tag in einer Mitteilung an die Belegschaft. Man habe deshalb Anzeige erstattet wegen der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes. Die IG Metall besteht dagegen darauf, dass ihr Vertreter die Sitzung nicht aufgezeichnet habe, und hat ihrerseits Werksleiter Thierig wegen übler Nachrede angezeigt.

Die Polizei hat den Laptop inzwischen untersucht. Im Ergebnis der Untersuchungen hätten sich "keine Anhaltspunkte für aufgezeichnete und/oder gespeicherte Aufnahmen auf dem Notebook" ergeben, wie die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) dem rbb auf Anfrage mitteilte. Die Gewerkschaft hält es für wahrscheinlich, dass Tesla die Sache stattdessen eingefädelt habe, um die IG Metall kurz vor der Wahl schlecht aussehen zu lassen. Tesla äußert sich zu diesem Vorwurf nicht. Denkbar scheint auch ein Missverständnis. Wegen eines technischen Fehlers habe eventuell das Mikrofon-Lämpchen am Laptop geleuchtet, obwohl das Gerät nicht aufzeichnete, hieß es am Rande des Gütetermins.

Klar ist dagegen: Der Machtkampf zwischen IG Metall und Tesla dürfte noch lange weitergehen.

Sendung: Antenne Brandenburg vom rbb, 23.06.2026, 16:30 Uhr
Audio: Antenne Brandenburg vom rbb, 23.06.2026, Philip Barnstorf

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