Der Ölpreis erklärt die Spritpreise an den Tankstellen nur noch zum Teil. Vor allem Diesel verteuert sich, obwohl Rohöl billiger wird.
Stand: 14.08.2026, 09:55 Uhr
Von: Bettina Menzel
Der Ölpreis erklärt die Spritpreise an den Tankstellen nur noch zum Teil. Vor allem Diesel verteuert sich, obwohl Rohöl billiger wird.
Berlin – Für einen Liter Diesel mussten Autofahrer Anfang Juni laut ADAC-Statistik im bundesweiten Schnitt 1,883 Euro bezahlen. Mitte August waren es 2,200 Euro. „Die Ölkonzerne machen sich die Taschen voll, während viele Familien jeden Euro dreimal umdrehen müssen“, kommentierte Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge im Gespräch mit der Bild. „Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die Regierung zusieht, wie die Menschen in Deutschland abgezockt werden.“ Dabei sind die Ursachen für die Teuerung komplex. Eine Rolle spielen Raffinerien im Nahen Osten, Russland und der Rhein.

Besonders auffällig im August: Obwohl für Diesel in Deutschland weniger Steuern fällig werden, ist der Kraftstoff teurer als Benzin. Ein Blick auf die Entwicklung der Rohölsorte Brent zeigt einen aktuellen Preis von etwa 88 US-Dollar (etwa 76 Euro). Das ist weniger als noch im Juli – doch an der Tankstelle macht sich das nicht bemerkbar. Einer der Gründe: Der Tankrabatt in Höhe von 17 Cent pro Liter lief Ende Juni aus. Ein Teil davon wurde bereits im Juni eingepreist, doch auch im Juli zogen die Kraftstoffpreise nochmal deutlich an.
Dieselangebot sank im Juni auf weniger als die Hälfte des VorjahresEntscheidend für den Preis an der Zapfsäule ist nicht der Rohölpreis, sondern das fertig raffinierte Produkt. Im Iran-Krieg wurden zuletzt auch Raffinerien im Nahen Osten zur Zielscheibe. Der Ölmarktbericht der Internationalen Energieagentur (IEA) von Juli 2026 zeigt, dass die derzeitige Produktion deutlich unter dem Vorjahresniveau liegt – im Juni war es weniger als die Hälfte im Vergleich zu 2025. „Die Exportraffinerien im Nahen Osten sind noch nicht wieder in Betrieb, die russischen Raffinerien sind aufgrund von Angriffen in ihrer Produktion eingeschränkt, und die Raffinerien in Asien arbeiten weiterhin mit reduzierter Kapazität“, schreiben die IEA-Experten.
Der Kreml ordnete zuletzt zudem einen Exportstopp von Diesel an, um den heimischen Bedarf zu decken, wie etwa die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Obwohl Deutschland selbst keinen Diesel aus Russland bezieht, macht sich das auch hierzulande bemerkbar. Denn auf dem Weltmarkt bedeutet das schlicht ein geringeres Angebot. Gleichzeitig erholt sich die weltweite Ölnachfrage. Die Folge: Der Preis steigt. „Die Diskrepanz zwischen scheinbar gut versorgten Rohölmärkten und knappen Produktmärkten führte Anfang Juli zu einem Anstieg der Margen und Raffineriemargen auf Vierjahreshoch“, so die IEA-Analyse weiter.
Niedrige Rheinpegel verteuern den Diesel – Klimawandel verschärft die angespannte VersorgungslageIndirekt ist auch der menschengemachte Klimawandel ein Teil der Rechnung: Wegen der extrem niedrigen Pegelstände im Rhein können die Tankschiffe auf diesem wichtigen Transportweg nur eingeschränkt beladen werden und die Logistikkosten steigen. Gleichzeitig bleibt auch die Lage im Nahen Osten angespannt: Die 60-tägige Waffenruhe zwischen den USA und Iran endet Mitte August, die Straße von Hormus ist weiter faktisch blockiert und ein Ende des Krieges ist nicht in Sicht. „Der Dieselmarkt ist derzeit am angespanntesten“, sagte Amrita Sen, Gründerin des Marktforschungsunternehmens Energy Aspects, gegenüber Bloomberg TV. Rund ein Fünftel des weltweiten Dieseltransports läuft über den Seeweg, wie Axios berichtet.
Wann könnte sich der Preis an der Tankstelle also erholen? Aus Sicht mancher Experten erst dann, wenn der Iran-Krieg und der Ukraine-Krieg enden. „Die ukrainische Drohnenproduktion hat exponentiell zugenommen, wobei die russische Energieinfrastruktur ein Hauptziel darstellt“, kommentiert der Experte Robert Yawger, Analyst bei Mizuho Securities. „Solange es keine bedeutenden Durchbrüche im Friedensprozess in beiden Konflikten gibt, werden große Mengen Dieselkraftstoff stillgelegt bleiben“, so Yawger über die dominierenden Konflikte der Gegenwart. (Quelle: Bild, dpa, Welt, ADAC, Tagesschau, IEA, Reuters, Axios, Bloomberg TV) (bme)
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