Mit langlebigen Bänken und Liegen für Bahnhöfe, Parks und öffentliche Plätze ist die Aalener Marke weltweit erfolgreich. Was hinter den Exportschlagern steckt.
Stand: 14.08.2026, 10:00 Uhr
Von: Marisa Herzer

Mit langlebigen Bänken und Liegen für Bahnhöfe, Parks und öffentliche Plätze ist die Aalener Marke weltweit erfolgreich. Was hinter den Exportschlagern steckt.
Ellwangen. Wer auf der Landesgartenschau in Ellwangen auf einem der bunten Stühle Platz nimmt, sitzt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auf einem Produkt aus Aalen. Rund 300 Stühle sowie Hocker und Liegen der Marke Erlau sind auf dem Gelände im Einsatz. Die Möbel bestehen überwiegend aus pulverbeschichtetem Stahl – einem Werkstoff, den das Unternehmen seit Jahrzehnten für den öffentlichen Raum einsetzt. Für die Besucherinnen und Besucher sind sie vor allem Teil der Gestaltung. Für das Unternehmen sind sie ein weiteres Kapitel einer Geschichte, die weit über die Region hinausreicht.

Erlau ist eine Marke der Aalener RUD-Gruppe, die im vergangenen Jahr ihr 150-jähriges Bestehen feierte. Die Stadtmöbel stehen aber längst nicht mehr nur in Ostwürttemberg, sondern überall auf der Welt auf Bahnsteigen, öffentlichen Plätzen und in Parks – unter anderem in Nordeuropa und Nordamerika. Der Schwerpunkt des Geschäfts liegt allerdings weiterhin auf dem europäischen Markt.
Eine Bank, die 50 Jahre überdauertWie Erlau diese Position aufgebaut hat, lässt sich besonders eindrucksvoll im Münchner Olympiapark sehen. Für die Olympischen Spiele 1972 entwickelte das Unternehmen gemeinsam mit namhaften Architekten Sitzsysteme für die damals neu gestaltete Anlage. Aus 14 eingereichten Konzepten wurde der Erlau-Entwurf ausgewählt. Besonderer Wert lag auf Formgebung, Funktionalität und einer Gestaltung, die sich in die Gesamtanlage einfügt.
Mehr als 50 Jahre später stehen die Olympia-Sitzsysteme noch immer im Olympiapark. Nach Angaben von Erlau sind sie dort sogar im Ausstellungskatalog der Stadt München fest vorgeschrieben. Das Beispiel zeigt, worauf die Marke ihr Geschäft aufgebaut hat: Stadtmöbel sollen nicht für wenige Jahre funktionieren, sondern den öffentlichen Raum möglichst lange begleiten.

Für Kommunen, Verkehrsunternehmen und andere öffentliche Auftraggeber ist diese Eigenschaft wirtschaftlich relevant. Die Möbel sind dauerhaft Wind und Wetter ausgesetzt und werden täglich genutzt. Erlau setzt deshalb auf robuste Konstruktionen, modulare Bauweisen und Komponenten, die bei Bedarf einzeln ausgetauscht werden können. Immer wieder melden sich Kunden, die Ersatzteile für Jahrzehnte alte Möbel benötigen.
Auch beim Material spielt die lange Nutzungsdauer eine zentrale Rolle. Stahl ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Bestandteil der Produkte und tief in der Unternehmensgeschichte der RUD-Gruppe verankert. "Stahl wird nicht verbraucht, sondern verwendet", lautet einer der Slogans des Unternehmens. Stahl sei langlebig, wertbeständig und könne zu 99 Prozent recycelt und wieder zu einem neuen Produkt verarbeitet werden.
Die Rolle des Stahls in der MarkenstrategieDabei besteht nicht jedes Erlau-Produkt ausschließlich aus Stahl. Je nach Einsatz kommen auch Holz, Recyclingwerkstoffe oder CO₂-reduzierte Betonelemente zum Einsatz. Entscheidend sei vielmehr der grundsätzliche Ansatz, Produkte möglichst lange nutzbar zu machen. Wird ein einzelnes Bauteil beschädigt oder verschlissen, muss nicht zwangsläufig die komplette Anlage ersetzt werden.
Damit wird aus der Materialwahl ein Teil der Positionierung der Marke. Langlebige Produkte können für Auftraggeber einen wirtschaftlichen Vorteil bedeuten, weil sie über viele Jahre genutzt und bei Bedarf instandgesetzt werden können. Für Erlau ist Nachhaltigkeit damit nicht allein eine Frage neuer Materialien, sondern auch der Lebensdauer eines Produkts.
Von Aalen in die WeltDass dieses Konzept auch international gefragt ist, zeigen die Referenzen der Marke. Erlau-Produkte stehen unter anderem in Skandinavien und Kanada. Im Riverside Park in New York finden sich ebenso Sitzmöbel aus Aalen wie bei Metrolinx, dem Verkehrsbetrieb der kanadischen Provinz Ontario. Auch der Münchner Olympiapark zeigt, dass einzelne Projekte für Erlau über Jahrzehnte zu sichtbaren Referenzen werden können.

International aufgestellt zu sein bedeutet für das Unternehmen allerdings nicht, den heimischen Markt aus dem Blick zu verlieren. "Wir konzentrieren uns hauptsächlich auf den europäischen Markt", sagt Carolin Landgraf, Marketing Manager Product & Communication bei Erlau. Verzollung, Verschiffung und die aktuelle Weltmarktsituation machen Geschäfte außerhalb des europäischen Marktes zunehmend komplexer. Die internationale Präsenz bleibt dennoch ein wichtiger Teil der Marke.
Wenn die Bank zur Visitenkarte wirdStadtmöbel haben dabei einen Vorteil gegenüber vielen anderen Industrieprodukten: Sie sind öffentlich sichtbar. Eine Bank auf einem Bahnsteig, ein Sitzsystem in einem Park oder eine Liege auf einer Gartenschau wird täglich von zahlreichen Menschen genutzt. Für Erlau werden solche Projekte damit auch zu Referenzen, die Kommunen, Planer und Landschaftsarchitekten bei späteren Projekten sehen können.
Die Landesgartenschau in Ellwangen folgt genau diesem Prinzip. Mehr als drei Jahre vor der Eröffnung nahm Erlau Kontakt zu den Verantwortlichen auf. Gemeinsam mit Landschaftsarchitekten entstand ein Konzept für die verschiedenen Bereiche des Geländes. Die Farben der Möbel orientieren sich an der stilisierten Lilie im Logo der Gartenschau und wurden für die Produktion in passende RAL-Farbtöne übersetzt.
Ein regionales SchaufensterFür Reinhold Kaufmann, Key Account Manager bei Erlau, war die Beteiligung deshalb mehr als ein regionaler Auftrag. "Das ist fast schon verpflichtend, dass man hier Präsenz zeigt", sagt er. Erlau und die RUD-Gruppe seien seit Jahrzehnten eng mit Aalen und der Region verbunden.
Wenn die Besucherinnen und Besucher in Ellwangen heute auf einem der bunten Stühle Platz nehmen, sehen sie damit ein vergleichsweise kleines Beispiel für eine größere Entwicklung: Aus einem Aalener Hersteller von Stahlmöbeln ist eine Marke geworden, deren Produkte in öffentlichen Räumen weit über Deutschland hinaus zu finden sind. Ein Teil der Möbel wird nach der Landesgartenschau dauerhaft in Ellwangen bleiben, andere Stücke werden weiterverwendet oder verkauft. Auch damit setzt sich das Prinzip fort, das Erlau seit Jahrzehnten prägt: Stadtmöbel zu bauen, die nicht für eine Saison gedacht sind, sondern für viele Jahre.
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