Das Pingusson-Gebäude entzweit die Saarbrücker. Manche Passanten fordern in einer SZ-Umfrage, das Geld lieber in Bildung und Klimaschutz zu stecken. Doch es gibt auch einen Kompromissvorschlag.
Saarbrücken · Das Pingusson-Gebäude entzweit die Saarbrücker. Manche Passanten fordern in einer SZ-Umfrage, das Geld lieber in Bildung und Klimaschutz zu stecken. Doch es gibt auch einen Kompromissvorschlag.
Es war einst die französische Botschaft im Saargebiet und zuletzt unser Kultusministerium, das Pingusson-Gebäude. Es steht seit Jahren leer und polarisiert die Menschen im Saarland. Die einen sehen es als Denkmal und wollen es unbedingt sanieren und erhalten, andere wollen es am liebsten abreißen (wir berichteten mehrfach). Jetzt haben wir Passanten in Saarbrücken zum Thema befragt.
Passantin schlägt Kompromiss bei Pingussonbau in Saarbrücken vor
Kerstin Fleck ist 53 Jahre alt und wohnt in Saarbrücken: „Ich fände es schade, das Gebäude komplett abzureißen. Es liegt schön und es hat auch eine schöne Halle. Man muss die Kosten abwägen, es wäre wahrscheinlich günstiger, es abzureißen. Man muss aber auch überlegen, von was man profitieren kann. Der Garten und die Halle des Gebäudes wären natürlich schöne Orte für Ausstellungen, Lesungen oder Konzerte.“ Sie könnte sich daher den Kompromiss vorstellen: den Abriss des Verwaltungstrakts und den Erhalt von Park und Repräsentationsräumen.
Die 37-jährige Saarbrückerin Franzcesca Kappelmeier sagte: „Ich habe gar nichts von der Debatte mitbekommen. Ich bin Lehrerin und arbeite im Inklusionsbereich, dort fehlt es an allen Enden. Ich weiß nicht, ob die Renovierungen die Stadt in ein besseres Licht rücken und dadurch etwas Nachhaltiges für die Stadt getan wird. Ich bin dafür, dass man Geld sinnvoll investiert, zum Beispiel in die Schulen, für die Stadtverschönerung oder auch in den Klimaschutz. Beispielsweise fehlt es überall an Sprachförderlehrkräften. Insgesamt ist es schwierig, dass man im Saarland keine Sonderpädagogik studieren kann und wir deshalb zu wenige Fachkräfte haben. Das ist nicht gut für die Inklusion.“
Passant: „Investitionen in Kindergärten oder Schulen sind viel wichtiger“
Dirk Lehberger ist nur zu Besuch in Saarbrücken. Der 59-Jährige sagte: „Ich bin in Sulzbach aufgewachsen und besuche jetzt Familie in der Region. Ich fühle mich sehr heimatverbunden mit Saarbrücken. Ich finde, dass man es bei dem jetzigen Gebäude des Ministeriums belassen könnte. Die Kosten für den Umbau oder die Sanierung des Pingusson-Gebäudes sind eindeutig zu hoch. Investitionen in Kindergärten oder Schulen sind viel wichtiger.“
Karin Staab ist Rentnerin, wohnt in Saarbrücken und hat eine klare Meinung: „Ich finde, man sollte den Anbau des Gebäudes erhalten und den Rest wegsprengen. Die Gebäudestruktur ist für heutige Büros gar nicht mehr aktuell und ich halte auch die Kosten für einen Umbau für viel zu hoch. Es ist einfach nicht zeitgemäß, es zu renovieren.“ Einen besonderen Wert als Denkmal kann sie nicht erkennen.
„Saarbrücken kann sich das gar nicht leisten“
Die 77-jährige Gisela Roglin meinte: „Ich halte den Umbau für nicht gerechtfertigt. Ich verfolge die Debatte schon länger und gehe davon aus, dass die Kosten nochmals steigen werden. Das Gebäude ist von innen sehr schön, aber die Fassade gefällt mir nicht. Die Kosten dafür sind viel zu hoch und Saarbrücken kann sich das gar nicht leisten. Da kann man nur den Kopf schütteln.“ Sie verstehe nicht, dass man angesichts der knappen Kassen in ein solches Objekt investieren wolle.
Die 32 Jahre alte Kathrin Happe wohnt in Berlin. Sie sei das erste Mal hier im Saarland und erzählte Folgendes zu der Thematik: „Als Land kann man natürlich immer überlegen, in was investiert wird und was priorisiert wird. Wenn man in Gebäude investiert, sollte man schauen, dass sie mit dem heutigen und zukünftigen Wetter klarkommen und sie für die Zukunft ausstatten. Hierbei sollte der Blick nach vorne gerichtet und überlegt werden, wie ein Gebäude Menschen nutzen kann.“ Dies müsse man unbedingt positiv beantworten können, wenn man Millionen in ein Bürogebäude stecken wolle. (sil/ian)