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NS-Aufarbeitung | Reinhard Strecker: Unnachgiebig gegen die Verbrecher

Дата публикации: 12-08-2026 14:28:50

Reinhard Strecker wurde zeitlebens für seine Recherchen zu ungesühnten Nazi-Verbrechen angefeindet. Erst spät erfuhr er Anerkennung.

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Reinhard Strecker verstarb am 2. August 2026.

Reinhard Strecker verstarb am 2. August 2026.

Foto: wikimedia/Matthias Burchard

»Die Freie Universität trauert um Reinhard Strecker, der am 2. August 2026 im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorben ist.« So würdigt die FU in einem Nachruf einen Pionier der NS-Aufarbeitung. Es ist eine späte Würdigung. Denn 1960 durfte die Ausstellung »Ungesühnte Nazi-Justiz« auf Druck des Berliner Senats nicht in den Räumen der FU gezeigt werden. Immerhin wurde ihm von der Hochschule im Juni 2026, also zwei Monate vor seinem Tod, die goldene Ehrennadel verliehen und damit auch anerkannt, dass die Entscheidung von 1960 »aus heutiger Sicht falsch war«.

Reinhard Strecker war schon in jungen Jahren klar, dass er sich mit dem Verschweigen der Nazi-Verbrechen in der Adenauer-Ära nicht abfinden wollte. Zunächst entschied er Anfang der 50er Jahre, Deutschland den Rücken zu kehren und sich in Frankreich eine neue Existenz aufzubauen. Doch schließlich beugte sich Strecker den elterlichen Wünschen und kehrte nach Deutschland zurück. Anpassen wollte er sich allerdings nicht, wie er sich noch 2019 in einem Interview mit der Deutschen Welle erinnerte: »Wenn ich in Deutschland bleiben sollte, musste sich das Land ändern. Dass man mit den alten Verbrechern die Demokratie aufbauen konnte, hielt ich für idiotisch.«

An der Freien Universität, an der Strecker Sprachwissenschaften studierte, fand er Gleichgesinnte. Er wurde Mitglied der damaligen SPD-Studierendenorganisation Sozialistischer Studentenbund (SDS). Nur wenige Jahre später trennte sich die Partei von ihren rebellischer werdenden Student*innen. Strecker hatte sich zum Ziel gesetzt, die Kontinuitäten hoher Nazis in den Institutionen in der Bundesrepublik und in Westberlin öffentlich zu machen. Angeregt dazu hatten ihn auch Broschüren und Bücher, die damals in der DDR herausgegeben wurden. Doch Strecker war kein Anhänger des DDR-Systems und hatte sich sogar als Fluchthelfer betätigt. Trotzdem konnte er in der DDR die Dokumente sichten, die auch Grundlage für die Broschüren waren. Er kam zu dem Schluss, dass sie in einigen Punkten propagandistisch übertrieben, aber zum größten Teil korrekt waren.

Mit Deutschland blieb Strecker zeitlebens unversöhnt.

Doch allein, dass Strecker in die DDR reiste und die Dokumente studierte, trug ihm im antikommunistischen Klima der frühen 60er Jahre den Vorwurf ein, ein Handlanger der SED-Führung zu sein. Deshalb wurde auch seine Ausstellung »Ungesühnte Nazi-Verbrechen« bald angefeindet. Die SPD, die Strecker anfangs noch unterstützte, distanzierte sich. Die Ausstellung durfte nicht in öffentlichen Gebäuden und Universitäten gezeigt werden. In Westberlin wurde die Galerie Springer unter Druck gesetzt, weil sie die Ausstellung zeigte. Doch sie beugte sich nicht. Je mehr die Ausstellung von konservativen Politiker*innen und Medien angegriffen wurde, desto größer wurde das Interesse im In- und Ausland an ihren Inhalten. Strecker initiierte ein überparteiliches Komitee, dem auch der damalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Westberlin Heinz Galiniski und der Schriftsteller Wolf-Dieter Schnurre angehörten.

2011 führten Gottfried Oy und Christoph Schneider ein langes Interview mit Strecker, das in dem im Dampfboot-Verlag erschienenen Buch »Die Schärfe der Konkretion« veröffentlicht wurde. Dort machte er auch erstmals öffentlich, dass er von einem FU-Hochschullehrer im vollbesetzten Audimax wegen der Ausstellung ins Zuchthaus gewünscht wurde. »Dokumente aus dem Ausland zu besorgen, um Deutsche ins Gefängnis zu bringen, ist wirklich das Letzte an nationaler Verkommenheit«, habe der rechte Professor getönt.

Auch wenn Strecker 2025 sogar das Bundesverdienstkreuz erhalten hat, so blieb er bis zum Schluss unversöhnt mit Deutschland. »Nach all der Diffamierung und der Hetze gegen ihn, für die sich nie jemand entschuldigt hat, wird daraus wohl auch nichts mehr werden«, schrieb der Journalist Michael Sontheimer 2019 im Spiegel.

Der Antifaschismus war Strecker noch im hohen Alter ein wichtiges Anliegen. So war er persönlich in Slonsk anwesend, als 2015 in der westpolnischen Kleinstadt ein Gedenkort für das ehemalige NS-Konzentrationslager Sonnenburg eröffnet wurde. Weil es vom nahen Bahnhof aus Transportschwierigkeiten gab, trampte Strecker nach Slonsk und war so als Erster vor Ort.

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