Als Investmentbankerin glaubte sie, ihr Job sei für den Burnout verantwortlich. Erst nach der Kündigung verstand sie, weshalb die Erschöpfung sie überallhin begleitete.
Alice Kim
Alice Kim verließ nach sechs Jahren im Investmentbanking und Private Equity ihren Job – ausgebrannt und erschöpft.
Während ihrer Auszeit entdeckte sie das Surfen – und trieb sich auch dabei fast bis zum Burnout.
Sie erkannte, dass nicht ihr Job, sondern ihre eigene Denkweise den Burnout immer wieder auslöste.
Dieser „As told to“-Artikel basiert auf einem Gespräch mit Alice Kim, einer freien Mitarbeiterin aus Südkalifornien. Der Text wurde aus Gründen der Länge und Verständlichkeit bearbeitet.
Ich glaube, dass ich während der gesamten sechs Jahre, die ich im Investmentbanking und Private Equity gearbeitet habe, ausgebrannt war. In der ersten Hälfte meiner Karriere war ich gerade mit dem Studium fertig und hatte das Gefühl, unerschöpflich zu sein und mich mit genug Durchhaltevermögen durch alles durchbeißen zu können. Doch der Burnout hat sich mit der Zeit immer weiter aufgebaut.
Ich wechselte mehrfach die Position und landete schließlich in einem Job, den ich zuvor als Traumjob betrachtet hatte, weil er eine bessere Work-Life-Balance versprach. Trotzdem war ich so erschöpft, dass ich selbst die einfachsten Aufgaben nicht erledigen konnte. Da wusste ich, dass sich etwas ändern musste.
Ich kündigte und dachte, ich würde nur ein paar Monate brauchen, um mich zu erholen. Ich lag völlig falsch.
Ich erlebte viele Höhen und Tiefen. Immer wieder hatte ich das Gefühl, mich vom Burnout zu erholen, nur damit die Erschöpfung zurückkehrte. Auf die harte Tour lernte ich, dass nicht mein Job für meinen Burnout verantwortlich war. Es war meine Denkweise, die mich in einem Kreislauf aus Erschöpfung festhielt.
Nach 18 Monaten bin ich bereit, wieder zu arbeiten. Aber ich wähle einen anderen Weg.
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Ich war in diese Branche gegangen, weil sie angesehen war, gut bezahlte und mir für meine Zukunft viele Möglichkeiten eröffnen würde. Es gab durchaus Dinge, die mir Spaß machten, etwa die Menschen, mit denen ich arbeitete, und – so banal es auch klingt – das Erstellen von Excel-Modellen. Aber die Arbeit war enorm.
80 Stunden oder mehr pro Woche in einem Umfeld mit hohem Druck zu arbeiten, fühlte sich wie eine Garantie für den Burnout an. Als Perfektionistin legte ich mir diesen Anspruch außerdem immer wieder selbst auf. Ich kam mit fünf Stunden Schlaf aus, starrte den ganzen Tag auf Bildschirme und trank Unmengen an Koffein, um durchzuhalten.
Wenn es meine Zeit zuließ, versuchte ich Sport zu treiben. Doch bei der Menge an Arbeit konnte ich keine gesunden Gewohnheiten dauerhaft aufrechterhalten. Dazu kam der ständige Stress, der mich unglaublich ungeduldig und gereizt machte.
Mein Burnout äußerte sich vor allem in einem ständigen Gefühl der Beklemmung. Es fühlte sich an, als würde ich in Zement feststecken und es nicht schaffen, irgendetwas zu tun oder mich zu motivieren. Das war für mich besonders schwer, weil ich mich immer als extrem fleißigen Menschen gesehen hatte. Wenn mir plötzlich die Willenskraft fehlte, mich durchzubeißen, fühlte es sich an, als hätte ich mich selbst verloren.
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Die Entscheidung zu gehen entwickelte sich zunächst langsam und fiel dann plötzlich. Auf einer kurzfristig geplanten Reise, für die ich Urlaub genommen hatte, entdeckte ich eher zufällig das Surfen – und verliebte mich sofort darin. Danach wollte ich so oft wie möglich zum Surfen verreisen und erkannte dabei, wie abgeschottet ich in meiner Finanzwelt gelebt hatte.
Mein Wunsch nach einer beruflichen Auszeit wurde immer stärker. Und je größer mein Burnout wurde, desto ernsthafter dachte ich darüber nach. Dann stieß ich auf eine Surfreise zu einem Ort, den ich unbedingt einmal besuchen wollte. Ich nahm das als Zeichen des Universums, meine Kündigung einzureichen.
Am nächsten Tag buchte ich die Reise und begann, meinen Ausstieg zu planen. Als ich meinen Job verließ, hatte ich zunächst genau vier Monate für meine Reisen eingeplant. Danach wollte ich zurückkommen und nach einer ähnlichen Position in einer verwandten Branche suchen.
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Sobald meine Reise begann, wusste ich, dass vier Monate nicht reichen würden. Ich fühlte mich glücklich und hatte wirklich das Gefühl, dass ich länger brauchen würde, um mich von meinem Burnout zu erholen und wieder bereit für die Arbeit zu sein.
Etwa sechs Monate nach Beginn meiner Auszeit nahm ich einen freiberuflichen Auftrag an und fühlte mich sofort wieder ausgebrannt. Ich glaube, ein Teil des Grundes dafür war, dass ich wieder arbeitete. Ich fühlte mich zur Arbeit hingezogen, weil ich produktiv sein musste, um mich wertvoll zu fühlen.
Ich war in meinem neuen Job wieder ausgebrannt. Später erkannte ich jedoch, dass mein grundlegendes Glaubenssystem mich dazu brachte, mich auf eine Weise zu verhalten, die den Burnout begünstigte. Meine Denkweise hatte sich nicht verändert, nur weil ich eine Weile Pause gemacht hatte.
Da ich meinen Job in der Unternehmenswelt nicht mehr als Ventil für meinen Perfektionismus hatte, übertrug ich ihn außerdem auf das Surfen. Ich begann, mich dabei so sehr unter Druck zu setzen und so hohe Ansprüche an mich zu stellen, dass ich auch vom Surfen beinahe ausgebrannt war.
Mir wurde klar, dass meine destruktiven Verhaltensmuster der Grund dafür waren, dass der Burnout mir überallhin folgte – unabhängig davon, ob ich einen Job hatte oder nicht.
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Ich musste die Überzeugung hinterfragen, dass mein Wert von meiner Arbeit abhängt, und mir nach und nach eingestehen, wie unrealistisch diese Vorstellung war. Solange ich an diesen Gedanken festhielt, würde auch der Burnout bleiben.
Ich habe diese Gedanken noch immer nicht vollständig abgelegt. Aber jeden Tag komme ich ein Prozent weiter. Meine Zeit in der Unternehmenswelt war zwar nicht perfekt, aber ich bin dankbar, dass sie mir die finanziellen Möglichkeiten gegeben hat, meine Reisen fortzusetzen und gleichzeitig meine freiberufliche Arbeit aufzubauen.
Anfang 2025 habe ich die Vorstellung, in die Unternehmenswelt zurückzukehren, praktisch aufgegeben – es sei denn, ich gerate irgendwann wirklich in eine verzweifelte Lage. Mein neues Ziel ist es, mir eine sogenannte Portfolio-Karriere aufzubauen, die zu meiner Persönlichkeit passt, mir Freiheit ermöglicht und meine berufliche Erfahrung nutzt.
Derzeit arbeite ich freiberuflich im Bereich strategische Finanzplanung und baue nebenbei meine Social-Media-Kanäle auf.
Ich weiß, dass ich viel verlange, wenn ich von verschiedenen Zeitzonen aus arbeiten möchte. Aber genau das ist mein Ziel. Dafür gehe ich Kompromisse ein, etwa indem ich zu ungewöhnlichen Zeiten arbeite, um mich mit den US-Arbeitszeiten zu überschneiden. Für mich ist es das wert.
Lest den Originalartikel auf Business Insider US.
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