Max Colombie sorgte mit seinem Projekt „Oscar and the Wolf“ für musikalische Abwechslung beim Elektro-Festival Tomorrowland in Belgien.
„Oscar and the Wolf“ gehört in Belgien seit Jahren zu den großen Stars. Beim Festival Tomorrowland in Boom legte das Musik-Projekt einen umjubelten Auftritt hin. Im Interview spricht Sänger Max Colombie über neue Musik, den Druck als Künstler und über Konzerte und Fans in Deutschland.
Du hast mit deiner Version des R.E.M.-Songs „Losing My Religion“ für große Aufmerksamkeit gesorgt und es gibt viele positive Reaktionen. Warum hast du dich für dieses Lied entschieden und eine neue Version davon kreiert?
Für meinen Auftritt bei Tomorrowland im letzten Jahr habe ich ruhige, eher melancholische Lieder von mir in Club-Musik verwandelt. Dazu haben wir noch ein Lied gesucht, das mich selbst berührt und sich wie ein Schlaflied aus meiner Kindheit anfühlt. Bei „Losing My Religion“ hat es sofort Klick gemacht. Wir haben es innerhalb eines Tages für meinen Auftritt umgewandelt und es war großartig. Dabei merkte ich, dass ich es auch liebe, diesen Song selbst zu singen. Also versuchte ich es ohne die Originalstimme von R.E.M. und das hörte sich so gut an, dass wir etwas Eigenes daraus gemacht haben.
Manche Künstler haben zu viel Respekt, um so einen Klassiker neu zu interpretieren. Warum hast du dich getraut?
Darüber habe ich gar nicht groß nachgedacht. Das Original von R.E.M. ist natürlich perfekt. Aber meine Version ist etwas Eigenes. Ich finde, Musik muss sich immer wandeln und darf auch verändert werden. Ich weiß schon, dass es da diese Einstellung gibt: „Rühr bloß keinen Klassiker an.“ Letztendlich mache ich einfach das, was sich für mich natürlich und gut anfühlt.

Max Colombie schwärmt von der Atmosphäre bei einem Konzert in Köln.© PRESSEBILD | Tomorrowland
Welche Emotionen und Gefühle möchtest du mit deiner Musik bei deinem Publikum wecken?
Wenn ich Musik schreibe, dann entsteht sie aus dem Wunsch heraus, eine Realität zu erreichen, die so eigentlich gar nicht existiert. Es ist wie eine Sehnsucht nach einem Leben, das es zwar nicht gibt, von dem ich aber spüre, dass es irgendwo doch existiert. Wir leben in einer Realität der Gegensätze – Licht und Dunkelheit, Plus und Minus in der Mathematik – und oft fühle ich mich zu diesen Polen hingezogen. Musik schreibe ich am liebsten genau in der Mitte. Dort habe ich das Gefühl, eine Verbindung zu dieser Sehnsucht nach etwas herstellen zu können, das nicht greifbar ist. Wer es doch schaffen will, muss einen eigenen Weg dorthin finden.
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Wie gehst du mit dem Druck als Künstler in der Musikszene um? Vor zwei Jahren hast du eine große Wandlung durchgemacht und diese auf deinem Album „Taste“ verarbeitet…
Ich betrachte diesen Druck eher als Geschenk denn als Last. Früher hatte ich das Gefühl, mein Leben würde quasi an mir vorbeiziehen – als würden andere es für mich leben, indem sie mir vorschrieben, wohin ich gehen oder was ich tun musste. Doch dann begriff ich, dass eigentlich ich selbst die Kontrolle darüber habe, was ich tun möchte. Das war für mich ein entscheidender Moment der Erkenntnis. Ich habe verstanden, dass ich niemanden brauche, der mir einredet, ich sei ohne ihn nichts wert. Genau das habe ich gelernt: Ich kann auch aus eigener Kraft etwas erreichen – natürlich unterstützt durch mein fantastisches Team.
Was ist dir heute im Leben wichtig und macht dich glücklich?
Von guten Menschen umgeben zu sein, macht mich glücklich. Ich betrachte meine Karriere sozusagen wie ein Boot: Damit es vom Startpunkt zu einer Art Utopie gelangt, muss man Menschen um sich haben, denen man wirklich vertrauen kann. Man braucht einen sehr guten Navigator, einen hervorragenden Koch und Leute, die sich um das Boot kümmern – also jemanden, der sofort zur Stelle ist, wenn etwas kaputtgeht. Das ist es, was mich glücklich macht.
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Du warst vor zwei Jahren auf Deutschlandtournee und hast hier vier Konzerte gegeben – darunter eines in Köln. Welche Erinnerungen hast du daran?
Ich erinnere mich an die großartige Atmosphäre und die Energie des Publikums in Köln. Ich glaube, dort habe ich bei einem meiner Konzerte sogar den am besten gekleideten Fan aller Zeiten gesehen. Dieses Engagement und diese Leidenschaft haben mich wirklich beeindruckt, ebenso wie die Emotionen, die an jenem Abend im Raum lagen. Und vor der Show habe ich das beste Gochujang-Hähnchen meines Lebens gegessen. Es war also in vielerlei Hinsicht ein unvergesslicher Abend. Und ich erinnere mich an ein Treffen mit Fans – die waren echt cool. Da habe ich mich richtig wohlgefühlt.
Du bist ein großer Star in Belgien – wie schwer ist es für einen Künstler, auch international Erfolg zu haben und etwa den Sprung auf die großen Bühnen in Deutschland zu schaffen?
Für manche ist es einfach, für andere nicht. Es wäre nicht gut, zu sagen: „Lasst uns Deutschland erobern!“ Ich lasse die Dinge lieber einfach auf mich zukommen und freue mich, wenn sich Gelegenheiten für Konzerte ergeben.
Dann könnte es künftig weitere Konzerte von „Oscar And The Wolf“ in Deutschland geben?
Ich würde unheimlich gerne in der Konzerthalle UFO in Berlin auftreten. Diese Location sieht unglaublich cool aus. Das ist auf jeden Fall eines meiner Ziele.
Das erlebten die Stars beim Festival Tomorrowland in Belgien
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