Der WDR dreht in diesen Wochen in Dortmund eine sechsteilige Ruhrpott-Serie. Warum ein Schalker darin bei der Suche nach einem Schatz die BVB-Hymne singen muss.
Eine Reihenhaussiedlung im Dortmunder Stadtteil Kirchhörde. Keine Wolke am Himmel, das Thermometer ist bis zum Nachmittag auf über 30 Grad geklettert. „Meiden Sie körperliche Anstrengungen“, heißt es in der Wettervorhersage. Was einen Mann namens Ruben im Garten des letzten Hauses auf der linken Seite nicht davon abhält, zu graben. Zwischen Laube und Terrasse ist das Loch im Rasen schon so tief, dass eine lange Aluleiter komplett darin verschwunden ist. Hat ja auch niemand behauptet, dass es einfach ist, einen Schatz zu finden.
Zum Glück ruft jemand „Cut“ und sagt: „Danke, ist im Kasten. Kurze Pause“ und aus Ruben wird kurzfristig wieder der Schauspieler Johannes Kienast, der nun aus dem Loch klettert, sich den Schweiß von der Stirn wischt und an einem schattigen Plätzchen zur Wasserflasche greift. Doch die Pause ist kurz, der Drehtag dicht getaktet. Was nicht viel ist für eine sechsteilige Reihe. „Onkel Ruben und das Loch im Garten“ heißt sie, und wen man auch fragt hier am Set, der sagt irgendwann: „Endlich mal wieder eine Serie aus dem Ruhrgebiet.“
Und dann noch eine, die hochkarätig besetzt ist. Vor der Kamera stehen neben Kienast unter anderem Leonard Lansink („Wilsberg“), Lucas Gregorowicz („Oderbruch“), Josefine Preuß („Türkisch für Anfänger“), Purnima Grätz („Die Schule der magischen Tiere“), Axel Stein („Wo ist Wanda?“) und Minh-Khai Phan Thi („Wunderschöner“).
Familienabenteuer mit viel RuhrgebietsatmosphäreIm Mittelpunkt der Geschichte steht der kleinkriminelle Onkel Ruben, der nach langer Zeit überraschend bei seiner Familie auftaucht. Er behauptet, brisante Informationen über die dunklen Geschäfte eines früheren Bergbaukonzerns zu haben. Seine Spur führt tief unter die Erde, wo sich angeblich ein Schatz von unermesslichem Wert verbirgt. Während die 15-jährige Mia den Geschichten ihres Onkels fasziniert lauscht, möchte ihr Vater Martin den ungebetenen Gast möglichst schnell wieder loswerden. Doch als Rubens Gegner immer bedrohlicher werden, bleibt der Familie nichts anderes übrig, als sich gemeinsam auf das Abenteuer einzulassen.

Noch ist kein Loch im Garten. Johannes Kienast, Minh-Khai Phan Thi, Purnima Grätz, Leonard Lansink und Lucas Gregorowicz drehen zusammen.© WDR/ Maximilian Groß | WDR/ Maximilian Groß
Der WDR verspricht ein „Familienabenteuer mit viel Ruhrgebietsatmosphäre“ und kündigt eine „abenteuerliche Schatzsuche unter Tage“ an. „Ruben ist ein Filou. Er ist spitzbübisch. Was er tut, ist meistens gut gemeint – verursacht aber auch Probleme. Da kann ich mich gut reinfühlen“, sagt Kienast.
Lansink beschreibt die neue Serie als echte Ruhrgebietskomödie – allerdings mit Zwischentönen. „Komisch, aber auch ein wenig traurig“, fasst er zusammen. Schon beim Lesen der Drehbücher habe ihn das Projekt überzeugt. „Liebe auf den ersten Blick“ sei das gewesen, sagt der Schauspieler. „Man hat den Film praktisch schon vor Augen.“ Und da der Autor selbst Regie führt, habe er sich natürlich alle seine Einfälle schon ins Drehbuch hereingeschrieben. „Deshalb konnten wir sie beim Lesen relativ gut nachvollziehen .“
Viele Schauspieler der Serie stammen aus dem RevierAuch Phan Thi haben die Drehbücher „sofort überzeugt“. Genau wie die Besetzung. Außerdem habe sie noch einen ganz persönlichen Grund gehabt, sich auf den Dreh zu freuen: „Ich bin ja BVB-Fan.“ Mit Dortmund verbindet die Schauspielerin bislang deshalb vor allem den Signal Iduna Park. „Ich kenne Dortmund tatsächlich nur von den Spielen.“ Wann immer es möglich ist, fährt sie ins Stadion. Dieses Mal aber hat sie Pech gehabt: „Die Dreharbeiten haben ausgerechnet am letzten Bundesliga-Spieltag begonnen.“
Doch es gibt ja mehr in der Reviermetropole als das Stadion. „Auf jeden Fall“, bestätigt die 52-Jährige und erzählt von einer Liste mit Dingen, die sie sich unbedingt mal ansehen möchte. „Aber die Drehtage waren so lang, dass ich nichts davon geschafft habe.“
Auf einen Ruhrgebietsdialekt verzichtete die Schauspielerin bewusst. „Das musst du schon richtig können“, sagt sie. Einzelne Begriffe wie „Oppa“ habe sie übernommen, den Rest überlasse sie lieber Kollegen wie Lucas Gregorowicz, dem die Sprache deutlich natürlicher über die Lippen gehe. Kein Wunder, der Mann stammt schließlich aus Bochum. „Ich kann zu meiner Mutter auf ’ne Suppe nach Feierabend. Oder bei meinem alten Bäcker Brötchen holen, morgens vor der Arbeit. Das ist schon ein Heimspiel. Das macht schon besonders Spaß.“

Spielt die Mutter: Minh-Khai Phan-Thi vor dem Haus der Familie© © WDR / Maximilian Groß | © WDR / Maximilian Groß
Anfang des Monats hat das Ensemble das Trainingsbergwerk in Recklinghausen kennengelernt. Regisseur Marvin Litwak will nämlich wann immer möglich an echten Ruhrgebietsorten drehen – auch wenn das herausfordernd ist. Im Bergwerk sei es schon besonders gewesen. „Die Luft ist anders, die Wege sind lang, alles ist dunkel und steinig. Aber das ist es auf jeden Fall wert“, sagt Litwak.
Das finden die Darsteller, die „unter Tage“ dabei waren, auch. „Ich habe wirklich ganz, ganz großen Respekt vor den Menschen, die dort gearbeitet haben“, sagt Phan Thi. Schon nach kurzer Zeit sei ihr bewusst geworden, wie hart es im Bergwerk gewesen sein muss. „Man bekommt so eine krasse Demut.“
Dreharbeiten bei bis zu 38 Grad im SchattenAber nicht nur die Kulisse verlangt dem Ensemble einiges ab. „Wir haben schon einiges an Action in der Serie“, erklärt die Schauspielerin. Und bei bis zu 38 Grad im Schatten können längere Laufszenen mit immer neuen Wiederholungen „schon echt auf die Pumpe gehen“. „Sommerdrehs sind zwar schön, körperlich aber äußerst fordernd.“ Lansink, der an diesem Drehtag in Kutte und Polyester-Trainingshose im Garten sitzt, will da nicht widersprechen. „Man friert nicht.“

Leonard Lansink in prächtiger Dortmund-Kutte© © WDR / Maximilian Groß | © WDR / Maximilian Groß
Aber das ist nicht mal die größte Herausforderung für den 70-Jährigen, wie Kollege Johannes Kienast augenzwinkernd anmerkt. Da wäre ja auch noch die schwarz-gelbe Umgebung, in der die TV-Familie lebt. Gläser, Fahnen, Wimpel, Poster – in der ganzen Fernsehwohnung hängen die Farben des BVB Borussia Dortmund. Selbst auf „Oppas“ Kutte, die Lansink fast ständig trägt, prangen Sticker mit Aufschriften wie „Die Macht der Südtribüne“. Was für einen überzeugten Anhänger von Schalke 04, wie Lansink einer ist, nicht einfach ist. Und dann musste er auch noch die BVB-Hymne „You’ll Never Walk Alone” lernen. „Das ging mir echt schwer über die Lippen.“ Aber natürlich hat er die Herausforderung angenommen und geschafft. Ein Schalker, der einen Borussen spielt? Lansink lächelt. „Das ist echte Schauspielerei.“
„Onkel Ruben und das Loch im Garten“ wird noch bis Ende Juli in Dortmund, Hagen und Recklinghausen gedreht. Der WDR will die sechs Folgen rund um den Jahreswechsel zeigen.
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