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Lauterbach kritisiert „Gemurkse“ – und will sich von Merz nicht erpressen lassen

Дата публикации: 12-08-2026 02:48:24

In der ersten „Maischberger“-Sendung nach der Sommerpause ging es zur Rentenreform heiß her. CDU-Mann Tilman Kuban gibt darin Karl Lauterbach Kontra.

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Der Rücktritt von Jens Spahn, die verkorkste Kabinettsumbildung und der Widerstand diverser Ministerpräsidenten gegen die Abschaffung der „Rente mit 63“. Moderatorin Sandra Maischberger hatte am Dienstagabend in der ARD nach ihrer Rückkehr aus der Sommerpause so einiges aufzuarbeiten. Immer wieder gut für Aufmerksamkeit ist Karl Lauterbach (SPD), der frühere Gesundheitsminister, der frei weg von der Leber spricht.

„Ich kenne Carsten Linnemann gut und schätze ihn“, sagte Lauterbach über seinen Nach-Nachfolger. Dass der noch 2025 eingeräumt hatte, auf dem Posten des Gesundheitsministers „wahrscheinlich nicht erfolgreich“ zu sein, das störte Lauterbach wenig. Er habe auch einmal im Rechtsausschuss des Bundestages gesessen, sei da „total überfordert“ gewesen und habe gedacht, Justizminister könne er „nie“ werden. Schwamm drüber.

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„Maischberger“: Lauterbach rügt „Gemurkse“ in der Regierung

Lauterbachs Lob für Linnemann kontrastierte scharf mit seiner Bewertung der Bundesregierung und im Speziellen mit der Einschätzung der geplanten Rentenreform. Die niedrigen Popularitätsraten für Kanzler Friedrich Merz (CDU) und die Tatsache, dass der in seiner bisherigen Politikerlaufbahn noch nie regiert habe, waren zuvor schon angesprochen worden. 

Lauterbach bemerkte nun, dass in der Bundesregierung einige offenbar „mit ihrem Job überfordert“ seien. Es gebe da zwar eine inhaltliche Debatte, wichtig aber sei es auch, „klar zu kommunizieren, gut zu erklären“ und „souverän bei den Menschen rüberzukommen.“ Stattdessen gebe es da ein „Gemurkse“, mit dem alle unzufrieden seien.

Lauterbach distanziert sich von Rentenreform

Inhaltlich ging Lauterbach auf Gegenkurs zur im Ministerium seiner Parteifreundin Bärbel Bas geplanten Rentenreform, die auch auf die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren („Rente mit 63“) abzielt. Mehrere Ministerpräsidenten von CDU und SPD haben ihre Kritik an diesem Vorschlag geäußert und auch Lauterbach kritisierte ihn als „sozial unausgewogen“. Diese Änderung werde Menschen betreffen, die im Durchschnitt 50 Jahre in die Rente eingezahlt hätten, meinte Lauterbach.

Er berief sich damit auf die Tatsache, dass es die „Rente mit 63“ wegen des erhöhten Renteneintrittsalters eigentlich gar nicht mehr gibt und der Jahrgang 1964 und jünger erst mit 65 Jahren abschlagsfrei in Rente gehen kann.

Die Frage von Maischberger, ob er da einen mühsam gefundenen Kompromiss wieder platzen lassen wolle, wies Lauterbach entrüstet zurück. „Wozu gibt es denn einen Bundestag?“, fragte Lauterbach. 80 Prozent der Bevölkerung seien gegen die Abschaffung der Frühverrentung. Wenn die Bundesregierung einen Vorschlag mache, heiße das nicht, dass der Bundestag den unterschreiben müsse. Er lasse sich nicht „erpressen“ mit dem Argument, wenn das Parlament die Zustimmung verweigere, dann scheitere die Regierung.

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CDU-Mann Kuban droht mit Gegenwehr

Beim CDU-Bundestagsabgeordneten Tilman Kuban – dem Ex-Junge-Unions-Vorsitzenden – löste Lauterbach da heftigen Widerspruch aus. Er warnte davor, den auf Basis der Rentenkommission gefundenen Kompromiss „kaputt zu machen“. Wenn er das tue, dann öffne er die „Büchse der Pandora“. So gebe es bei den jüngeren Unionsabgeordneten Stimmen, die meinten, man könne die geplante Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung schon früher als 2031 machen.

Und im Wirtschaftsflügel der Union meinten einige, die Mini-Jobs müssten wegen der Gastronomie komplett erhalten bleiben. Die Rentenreform drohe „zerfleddert“ zu werden. Für die körperlich hart arbeitende Bevölkerung – Dachdecker, Pflegepersonal – werde es im übrigen eine soziale Schutzrente geben, die abschlagsfreien Rentenbezug früher ermöglicht.

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Kuban zur Glaubwürdigkeit: „Das ist jetzt vergossene Milch“

Tilman Kuban war allerdings besonders wegen Fragen zur Union gefragt in dieser Sendung: Zum Fall von Ex-Fraktionschef Jens Spahn, der wegen einer Leihmutterschaft in der USA zurückgetreten ist, meinte er, dass er dem eingetretenen „Shitstorm“ in der Sache auch unterschätzt habe. Eine „schnelle Ansprache“, so Kuban, hätte Spahn vielleicht helfen können.

Zur Glaubwürdigkeit von Politikern befragt, meinte er, dass man das, was man sagt, auch tun sollte. „Aber das ist jetzt vergossene Milch.“ Die verzögerte Kabinettsumbildung mit der Entlassung von Verkehrsminister Patrick Schnieder, für die der Kanzler zunächst keinen Ersatz hatte, bezeichnete Kuban als „wirklich schlecht gemacht“. Schnieder habe in der Fraktion großen Rückhalt gehabt, aber Merz habe ja mittlerweile Fehler eingeräumt.

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Hallervorden-Auftritt sei „deplatziert“

Zur umstrittenen Einladung des Komikers Didi Hallervorden durch den CDU-Ministerpräsidenten Sven Schulze auf eine Wahlkampfveranstaltung in Sachsen-Anhalt bemerkte Kuban, dass der Auftritt „deplatziert“ gewesen sei und Hallervorden „Unfug“ erzählt habe. Der Komiker hatte bemerkt, dass Kanzler Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius mit ihrer Kriegstüchtigkeit „zur Hölle fahren sollten“.

Wie er seinen Wahlkampf gestalte, das müsse Schulze aber selbst entscheiden, meinte Kuban. So ging die Sendung zu Ende – mit zwei an ihrer Partei etwas hadernden Politikern: eine Einstimmung auf die Herbstsaison der politischen Talkrunden im öffentlichen Fernsehen.

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