Der Jazzschlagzeuger Tilo Weber und das Pulse-Streichquartett traten beim Asphalt-Festival im unterirdischen Raum des Düsseldorfer KIT auf.
Schlagzeuger Tilo Weber und das Pulse-Quartett beim Asphalt-Festival.
Foto: Nana Franck/Asphalt-FestivalDüsseldorf · Der Jazzschlagzeuger Tilo Weber und das Pulse-Streichquartett traten beim Asphalt-Festival im unterirdischen Raum des Düsseldorfer KIT auf.
Zum dritten Mal erwies sich der unterirdische Raum des KIT als guter Ort für kleine, kammermusikalische Besetzungen. Nach dem Arditti-Streichquartett mit einer Sängerin und nach dem Jazzpianisten Vadim Neselovskyi mit dem Ysaÿe-Streichtrio trat nun beim Asphalt-Festival der Jazz-Schlagzeuger Tilo Weber mit dem Pulse-Streichquartett auf. Ein Nachteil des Raumes ist allerdings das Rauschen der Klimaanlage, die leise Passagen zu übertönen droht.
Leise zu spielen ist Tilo Webers Spezialität. Nachdem das Streichquartett geradezu aggressiv begonnen hatte, strich Weber zunächst mit zartem Jazzbesen über das Becken. Er nahm dann zwar noch weitere, auch hölzerne Schlägel aus seinem Leinenbeutel, dennoch blieb er mit seinen Gerätschaften dem Piano-Bereich treu. Das Quartett stimmte in diese Klangzone ein, spielte sozusagen mit nur einem Bogenhaar, machte schabende Geräusche nah am Steg oder flötete hohe Flageoletts. Erst allmählich schälte sich ein Rhythmus aus dem Geschehen, der sich dem Jazz zuordnen ließ. Auch er wurde in Tilo Webers schwerelosen Kompositionen mehr angedeutet als ausformuliert.
Die geschriebenen Noten gaben den Rahmen vor, der von vielen Wiederholungen gekennzeichnet war. Sie ließen jedem der fünf Protagonisten viel Raum zum Improvisieren, teilweise auch gleichzeitig. Es entstand ein Schwebezustand, den Weber mit seinen Soli stets noch etwas länger aufrechterhalten wollte. Zeitliche Ökonomie schien bei ihm keine Rolle zu spielen. Webers Kompositionen basieren stets auf einem Intervall oder einem musikalischen Motiv, aus dem er spannungsvolle Dissonanzen und ihre konsonante Entspannung entwickelt. Seine Musik atmet ruhig.
Die Streicher entfalteten bisweilen aber auch massive Klangwucht. Als dem Cellisten dabei eine Saite riss, konnte er sie ohne Hektik ersetzen, während die anderen das taten, was Jazzer immer machen: nämlich improvisieren.
Das Pulse-Quartett spielte auch eine Nummer ohne Schlagzeug, „Contritus“ von Caleb Burhans, das sich zu einer Meditation entwickelte. Danach ein ausgedehntes und geradezu andächtiges Solo des Schlagzeugers auf einem ostasiatischen Stabspiel und auf handelsüblichen Metallschüsseln, deren klangliche Qualitäten erforscht wurden.
Der Schlussteil des Konzerts verhauchte schließlich mit zartesten Tönen von Spieluhren, die Weber auf Trommelfelle gelegt hatte. Diese Ruhe konnte man nach 90 Minuten beseelt mit auf den Heimweg nehmen.
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