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Relikt der Kämpfe um „Brücke von Remagen“: Das steckt hinter dem Kriegswrack am Unkeler Rheinufer

Дата публикации: 12-08-2026 15:33:00




Das extreme Niedrigwasser des Rheins legt bei Unkel ein elf Meter langes Wrack frei. Es stammt aus den Kämpfen um die „Brücke von Remagen“ 1945. Ein ehemaliger Stadtarchivar hat es schon als Kind gesehen und weiß um die Hintergründe.



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Relikt der Kämpfe um „Brücke von Remagen“ Das steckt hinter dem Kriegswrack am Unkeler Rheinufer

Unkel/Remagen · Das extreme Niedrigwasser des Rheins legt bei Unkel ein elf Meter langes Wrack frei. Es stammt aus den Kämpfen um die „Brücke von Remagen“ 1945. Ein ehemaliger Stadtarchivar hat es schon als Kind gesehen und weiß um die Hintergründe.

So weit wie noch nie ragen die Überreste des amerikanischen Landungsboots bei Unkel aus dem Rhein. Nach den Kämpfen um die „Brücke von Remagen“ ließen die US-Streitkräfte das elf Meter lange Schiff zurück.

So weit wie noch nie ragen die Überreste des amerikanischen Landungsboots bei Unkel aus dem Rhein. Nach den Kämpfen um die „Brücke von Remagen“ ließen die US-Streitkräfte das elf Meter lange Schiff zurück.

Foto: Frank Homann

Von Weitem betrachtet, mutet das Fundstück, welches der Rhein jetzt auf der Höhe der Unkeler Rheinpromenade preisgibt, so an, als würden die Rippenknochen eines langen, schlanken Dinosauriers aus dem Boden ragen. Tatsächlich gibt das rekordverdächtige Niedrigwasser des Rheinstroms momentan aber Relikte der Kämpfe um die Ludendorffbrücke, die den Rhein zwischen Erpel und Remagen überspannte und auch „Brücke von Remagen“ genannt wurde, preis. Wie Rudolf Vollmer, profunder Kenner der Geschichte und früherer Unkeler Stadtarchivar, im Gespräch mit dem General-Anzeiger schildert, handelt es sich um die Überreste eines elf Meter langen Landungsbootes der US-Navy.

Auch eine Rose liegt am Unkeler Rheinufer.

Auch eine Rose liegt am Unkeler Rheinufer.

Foto: Frank Homann

Dass diese schnellen und wendigen sogenannten Higgins-Boote, von den Amerikanern Landing Craft, Vehicle, Personnel (LCVP) genannt, im März 1945 rund um Unkel auf dem Rhein im Einsatz waren, hatte einen guten Grund: die nur einige Hundert Meter entfernte Ludendorffbrücke. „Diese Boote haben die US-Streitkräfte etwa für eine Art Fährbetrieb genutzt“, berichtet Vollmer. Dass eines dieser LCVP jetzt fast in ganzer Länge vom Unkeler Rheinufer aus zu sehen ist, komme wahrlich nicht oft vor, schildert der 86-Jährige. „Es ist ganz selten, dass dieses Boot bei Niedrigwasser vollständig zu sehen ist“, weiß Vollmer, der 25 Jahre ehrenamtlich Stadtarchivar von Unkel war. „So weit, in ganzer Länge, ist es noch nie herausgekommen wie bei diesem Niedrigwasser“, erinnert er sich.

Neben dem Wrack des amerikanischen Landungsbootes sind wegen des Niedrigwassers noch weitere kuriose Gegenstände am Unkeler Rheinufer aufgetaucht.

Neben dem Wrack des amerikanischen Landungsbootes sind wegen des Niedrigwassers noch weitere kuriose Gegenstände am Unkeler Rheinufer aufgetaucht.

Foto: Frank Homann

Als Vollmer noch ein Kind war, so berichtet er im GA-Gespräch, habe das von den amerikanischen Streitkräften zurückgelassene Boot noch an anderer Stelle, nämlich auf Höhe des Gefängnisturms, gelegen. „Ich habe es als Kind noch gesehen. Es besteht aus besonders festem Holz.“ Auf der Rückseite verfügte es über einen heckseitigen Außenbordmotor, am Bug gab es eine Klappe, die sich öffnete, sobald das Transportschiffchen angelegt hatte.

Amerikanische Streitkräfte erobern „Brücke von Remagen“

Am 11. März 1945 um 8.30 Uhr ließen die Amerikaner auf linksrheinischer Seite, etwa an der Stelle, wo der Unkelbach zwischen Remagen und Oberwinter in den Rhein mündet, die Boote zu Wasser, wie der amerikanische Marinehistoriker Vincent P. O’Hara im April 2015 schrieb. Schon seit dem Spätsommer 1944 hatten sich die US-Truppen mit der Frage beschäftigt, wie es möglich sein würde, den Rheinstrom zu überqueren, um „Deutschlands letzte große Verteidigungslinie zu durchbrechen“, wie O’Hara schildert.

Nach der Landung in der Normandie im Juni 1944 beschäftigten sich laut O’Hara mehrere Truppengattungen mit der Problematik, dass die sich zurückziehenden deutschen Soldaten die Rheinbrücken zerstören würden, um den Vormarsch der Alliierten auf diese Weise zum Stillstand zu bringen.

Die Lösung gestaltete sich recht aufwendig, wie der Berkeley-Absolvent schreibt: Schwere Lastwagen transportierten ab März 1945 Landungsboote und entsprechende Kräne durch zumeist sehr enge Straßen in Nordfrankreich, Belgien und Deutschland in Richtung „Brücke von Remagen“ sowie weitere strategische Ziele. Die Zeit drängte, da deutsche Artillerie, Kampfschwimmer und mehrere Luftwaffenflugzeuge versuchten, die Ludendorffbrücke zu zerstören. Am 7. März 1945 war den amerikanischen Soldaten in Remagen – für Freund und Feind gleichermaßen überraschend – die noch intakte Rheinbrücke in die Hände gefallen.

Zehn Tage später, am 17. März 1945, stürzte die aus rund 4800 Tonnen Stahl gebaute, 325 Meter lange Ludendorffbrücke zwischen Remagen und Erpel in den Rhein. Ihr Fall riss 32 US-Soldaten in den Tod, zuvor allerdings hatten die Alliierten 18 Regimenter samt Material über die Brücke auf die rechte Rheinseite übergesetzt. Ihre Eroberung durch amerikanische Truppenverbände im März 1945 soll nach der Meinung vieler Historiker den Zweiten Weltkrieg um Wochen verkürzt haben. Einige Geschichtswissenschaftler vermuten sogar, dass dies Deutschland womöglich vor Atombomben bewahrt hat, die die Amerikaner am 6. und 9. August 1945 über den japanischen Städten Hiroshima und Nagasaki abwarfen.

Um darauf vorbereitet zu sein, dass den Nazis die Zerstörung der strategisch wichtigen Rheinquerung gelingt, setzten die Amerikaner parallel bei Unkel die Landungsboote ein. Wie weitere Quellen berichten, gelang es den US-Streitkräften mithilfe der LCVPs und weiterer Boote, innerhalb von zehn Tagen dort 14.000 Soldaten und 400 Fahrzeuge von West- auf das Ostufer des Rheins zu transportieren. Wie O’Hara schildert, dauerte der Transfer hin und zurück lediglich sieben Minuten. Dies sei, so der Militärhistoriker, „schneller und effizienter“ gewesen, „als die Truppen über eine Fußgängerbrücke marschieren“ zu lassen. Später waren die jetzt bei Unkel aus dem Wasser aufgetauchten Boote auch bei Boppard, Oberwesel, Oppenheim und Mainz im Einsatz gewesen, wie O’Hara erklärt „die wahrscheinlich aufwendigste Flussquerung der Geschichte“.

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