Die Seiji-Kimoto-Schule soll im Herbst bezugsfertig sein. Wir werfen vorab einen exklusiven Blick hinter die Kulissen in der Neunkircher Stadtmitte.
Exklusiv | Neunkirchen · Die Seiji-Kimoto-Schule soll im Herbst bezugsfertig sein. Wir werfen vorab einen exklusiven Blick hinter die Kulissen in der Neunkircher Stadtmitte.
In zartem Grau kommt die neue Gemeinschaftsschule Stadtmitte, die Seiji-Kimoto-Schule heißen wird, daher. Sie soll ein Ort der Begegnung und des Austauschs sein. Die Verblendung in Klinker-Art ist noch nicht ganz fertig.
Foto: Stefan LautenschlägerWir sind mitten im Hochsommer, und am kommenden Montag, 10. August, beginnt im Saarland das neue Schuljahr. Da fragen sich viele Eltern, ob ihre Kinder in überhitzten Klassenzimmern lernen müssen.
Nun, Klimaanlagen hat der Landkreis, der für die weiterführenden Schulen verantwortlich ist, in den Sommerferien nicht eingebaut. Allerdings wurde die unterrichtsfreie Zeit genutzt, um mehrere Schulstandorte zu modernisieren und energetisch zu ertüchtigen. Insgesamt 2.377.000 Euro, von denen 2.150.000 Euro gefördert werden, stehen hierfür für die Gymnasien in Ottweiler, Illingen, Am Steinwald und Am Krebsberg zur Verfügung. An den beiden Neunkircher Gymnasien sollen unter anderem neue Fenster mit Isolierglas sowie außen liegende Textil-Rollos die einstrahlende Sonnenwärme reduzieren. Auch in der Gemeinschaftsschule Spiesen-Elversberg, wo das Lehrerzimmer saniert und in der Förderschule, wo die Spülstraße erneuert wurde, hat sich in den Ferien etwas getan.
Kimoto als Namensgeber
Das größte Bauprojekt, das Bauamtsleiter Thorsten Mischo und sein Stellvertreter Nico Fries federführend betreuen, ist jedoch die neue Gemeinschaftsschule Neunkirchen-Stadtmitte, die in Erinnerung an den japanisch-deutschen Künstler Seiji Kimoto dessen Namen tragen wird. Für 33,5 Millionen ist an der Stelle der ehemaligen Lutherschule und der Stadtbibliothek, die beide abgerissen wurden, ein Innenstadt-prägendes Gebäude entstanden.
In den vergangenen Wochen wurde an der Baustelle mit Hochdruck gearbeitet, um den noch im Januar anvisierten Einzug zum Schuljahr 2026/27 hinzubekommen. Dieses Ziel wurde knapp verfehlt. Wie Landrat Sören Meng bei einem Baustellentermin der Saarbrücker Zeitung sagte, sei nun der 19. Oktober, der erste Schultag nach den Herbstferien, als Eröffnungstermin fest eingeplant. Schulleiter Michael Klepper, das Lehrerteam und die Schüler werden den Umzug von Wiebelskirchen in die Stadtmitte vermutlich mit großer Vorfreude entgegensehen. Erwartet sie doch eine Bildungsstätte, die durch ihre offene, helle Architektur überzeugt und auch inhaltlich modernen Ansprüchen genügen soll.
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Draußen Backofen, innen schön kühl
Der erste Eindruck beim Betreten des Gebäudes durch den Haupteingang: In der neuen, rund 550 Quadratmeter großen Mensa, die als multifunktionaler Veranstaltungsraum genutzt werden kann und quasi das Entrée der Schule bildet, ist es herrlich kühl. Obwohl draußen eine Gluthitze herrscht und das ausgeklügelte Be- und Entlüftungssystem natürlich noch nicht in Betrieb ist. Die großzügigen Fenster, die sich durchs ganze Haus ziehen und das offene Konzept unterstreichen, sind nur fürs Licht zuständig. Ob die Sonnenschutzverglasung und Außenrollos die Innentemperatur im Sommer in den Klassenräumen zufriedenstellend senken, wird man dann nächstes Jahr spüren. Auf jeden Fall sollte die Energierechnung des Kreises gesenkt werden, denn es wurde nach dem Standard KfW 40 klimafreundlich und nachhaltig gebaut.
Landrat Sören Meng (rechts) und Nico Fries vom Kreisbauamt bei der Baustellenbesichtigung.
Foto: Stefan LautenschlägerStarre Strukturen gehören Vergangenheit an
Die Seiji-Kimoto-Schule hat mit der alten „Flurschule“ in der Lutherstraße nichts mehr gemein. Auf jeder der beiden Etagen gibt es drei sogenannte Cluster. Dies ist eine offene Lernlandschaft mit vier Klassen à je 29 Schüler, ein flexibles Raumangebot (eine sogenannte Ermöglichungsfläche), einen Teamraum für Lehrer sowie geschlechtsneutrale Toilettenanlagen im Sinne der Gleichberechtigung aller Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte. Es handelt sich dabei um Einzeltoiletten, man erhofft sich dadurch auch einen pfleglicheren Umgang. „Es geht hier viel um Akzeptanz“, betont Projektleiter Nico Fries. Nach dem Motto: „Das ist meine Schule, da passe ich drauf auf.“
„Urban Forest“ geplant
Die neue Sporthalle, deren Schwingboden aus Holz gerade verlegt wird, befindet sich auf Kellerebene und erhält ihr Licht durch die Fenster, die zum Flur hin liegen beziehungsweise zwei Oberlichte. Diese „gucken“ aus dem Schulhof heraus. Hier sollen neben mehreren Hochbeeten auch ein Schulgarten und eine Streuobstwiese entstehen. Der sogenannte „Urban Forest“ erweitert durch die Pflanzung von insgesamt 52 Bäumen den bereits bestehenden Vogelpark und lässt diesen lungenartig in den Schulhof fließen. Basketballkörbe und Teqball (gewölbte Tischtennisplatte) sollen zur Bewegung einladen.
Neue Schule steht auf der alten
An die ehemalige Lutherschule erinnern die Reste der alten Steinmauer an der Böschung hoch zur Vogelstraße. „Im Grunde steht die neue Schule auf der alten“, sagt Landrat Meng, denn der Schotter war gebrochen worden und verstärkte den Untergrund. An den 2022 verstorbenen Künstler Seiji Kimoto wird übrigens nicht nur der Schriftzug an dem zartgrauen Schulgebäude erinnern. Im Lichthof wird auch eine vergrößerte Reproduktion eines seiner Kunstwerke aufgestellt. (cim)