Der 1981 gegründete Zweibrücker Verlag schließt nach 45 Jahren.
Zweibrücken · Der 1981 gegründete Zweibrücker Verlag schließt nach 45 Jahren.
Am Samstag haben sich Wolfgang Ohler (links) und Michael Dillinger vor Freundinnen und Freunden ihres Echo-Verlags nach 45 Jahren Tätigkeit als Verleger verabschiedet.
Foto: Rainer UlmEs ist das letzte Kapitel: Zu einer kleinen Abschiedsparty unter dem Titel „Endspiel“ hatte der Zweibrücker Echo-Verlag für diesen Samstag ins Mannlichhaus in der Herzogstraße eingeladen. Das „Endspiel“ wurde aus gegebenem Anlass auch etwas zum Trauerspiel. Denn der Verlag schließt, wie es in der Einladung hieß, „nach 45 wundervollen Jahren“ Ende 2026 seine Pforten. Womit auch die beiden Verleger Michael Dillinger und Wolfgang Ohler aufhören. Sich ganz aus der Öffentlichkeit zurückziehen wollen sie aber nicht.
„Wir werden also keine Bücher mehr, aber natürlich weiterhin Veranstaltungen machen“, stellte Dillinger gleich in seiner Begrüßungsrede beschwichtigend in Aussicht. Mit „Veranstaltungen“ meint der 76-Jährige unter anderem die Lesung im Herbst, auf der er sein im vergangenen Jahr im Echo-Verlag erschienenes jüngstes Buch vorstellen will. Es trägt den zum Ende des Verlags passenden Titel „Finale, Geschichten aus fünf Jahrzehnten“. Das Aus begründete Dillinger unter anderem damit, dass die Zweibrücker Druckerei Conrad und Bothner, mit der die Verleger viele Jahre zusammengearbeitet haben, Ende 2024 nach einer mehr als 500 Jahre langen Firmengeschichte ihre Maschinen abgeschaltet hatte.
„Eigentlich ist die Druckerei schuld daran, dass wir heute Schluss machen“, sagte dann auch der 83-jährige Ohler mit einem Augenzwinkern. Um dann eine Laudatio zu verlesen. Gehalten wurde „das Hohelied auf den Echo-Verlag“ (Ohler) vor einem Vierteljahrhundert von Werner von Blon zum 20. Jahrestag des Verlags. Von Blon, der von 1980 bis 1993 Oberbürgermeister Zweibrückens war, war am 8. Februar 2009 kurz nach seinem 80. Geburtstag an den Folgen eines Verkehrsunfalls gestorben.
In seiner launigen Lobrede von damals erinnerte von Blon daran, dass die Verlags-Idee bei der Ernte von Äpfeln geboren worden sei: „Ich wage die Behauptung, dass es auf der ganzen Welt keinen einzigen Verlag gibt, der in einem Garten bei der Apfel-Ernte auf die Welt kam.“ Bei der Birnen-Ernte wäre das niemals möglich gewesen, behauptete von Blon. Und er erinnerte daran, dass die Verleger ihren Verlag gründeten, um eigentlich nur eine Kulturzeitschrift herausgegeben zu können, das „Zweibrücker Echo“. Es sollte quartalsweise erscheinen, schaffte es aber nur sechs Mal. 1982 wurde das „Zweibrücker Echo“ eingestellt. Von Blon hoffte in seiner Laudatio, dass sein Grußwort, das er für die fünfte Ausgabe der Zeitschrift geschrieben hatte, nicht die Ursache dafür gewesen sei.
Dillinger versicherte dann aber, dass das Grußwort von Blons nichts mit dem Ende der Kulturzeitschrift zu tun hatte. Vielmehr konzentrierte sich der Verlag dann auf das Herausgeben von Büchern, beginnend mit dem Roman „Das Auge der Amsel“ von Ohler. Ohler war es auch, der 1996 die Verlegerstelle des Verlagsmitgründers Wilfried Hub übernahm, nachdem Hub in die damals noch „neuen Bundesländer“ übergesiedelt war. In diesem Zusammenhang merkte von Blon in seiner Laudatio von 2001 an, dass sich Honorarverhandlungen beim Echo-Verlag zwischen Verleger und Autoren unkompliziert gestalteten. Denn dort fänden Honorarverhandlungen „sozusagen als Selbstgespräche statt“.
In der Tat haben die meisten der mehr als 80 Bücher und zwei Hörbücher, die der Echo-Verlag in 45 Jahren herausgegeben hat, die Verleger Dillinger und Ohler selbst verfasst. Allein Ohler, der sowohl in der Hochsprache als auch im Pfälzer Dialekt schreibt, brachte es auf 13 Titel. Die beiden Hörbücher entstanden auf der Grundlage von zwei seiner Bücher. Ohlers Romane „Auge der Amsel“ von 1990 und „Magermilch und Rock’n’Roll“ von 1997 erreichten sogar Zweitauflagen. 2021 erschien im Echo-Verlag Ohlers vorerst letzter Band mit dem Titel „Ruhe sanft, Mr. Marlowe! – Mein großes Krimi-Lesebuch“.
Das 2001 herausgegebene Büchlein „Geschichten aus dem blauen Hut“ ist ein Gemeinschaftswerk von Ohler und Dillinger. Es enthält unter anderem einen fiktiven Briefwechsel zwischen einem Papst, den Dillinger erfunden hatte, und Ohlers protestantischer Großmutter Friedel. Sie war, wie Ohler die Partygäste am Samstag wissen ließ, nicht Saarländerin und vor allem eine „fantastische Märchenerzählerin“, von der er wohl „den Spaß am Geschichtenerzählen geerbt“ habe. In besagter Korrespondenz bittet die ältere Dame den Heiligen Vater namens Zinnoker III. darum, ihr bei der Lösung eines Kreuzworträtsels zu helfen. Diesen skurrilen Briefwechsel gaben Dillinger und Ohler am Samstag in verteilten Rollen zum Besten. Was die Gäste des „Endspiels“ im Mannlichhaus am Samstag immer wieder schmunzeln ließ oder gar zum Lachen brachte.
Der Echo-Verlag war nie auf wirtschaftlichen Erfolg oder gar auf Gewinn aus, unterstrich Ohler gegenüber unserer Zeitung. „Wir wollten unsere Familien nicht in den Ruin treiben. Ein paarmal hatten wir das fast geschafft“, gibt Ohler schmunzelnd zu. Hintergrund: Der Echo Verlag firmiert als Gesellschaft des bürgerlichen Rechts (GbR), bei der die Gesellschafter, in diesem Fall also Dillinger und Ohler, mit ihren Privatvermögen haften. Ohler war bis zu seiner Pensionierung Vorsitzender Richter am Pfälzischen Oberlandesgericht (OLG) in Zweibrücken und zuletzt Vizepräsident und Pressesprecher des OLG.
Dillinger ist gebürtiger Heidelberger und lebt seit 1978 in Zweibrücken. Er war bis 2014 Lehrer für Deutsch und Geschichte am örtlichen Hofenfels-Gymnasium. Neben seiner pädagogischen Tätigkeit arbeitete der inzwischen pensionierte Oberstudienrat als regionaler Autor, Lyriker und Verleger des Echo-Verlags, dessen Mitbegründer er war. Dort erschien 2025 sein besagtes letztes Werk „Finale, Geschichten aus fünf Jahrzehnten“, das er in diesem Herbst in Zweibrücken vorstellen will. Und so hat das bald verstummende Echo bald doch noch einen Widerhall. Und er wird vermutlich nicht der letzte sein.
Korrektur In der Online-Fassung der Veranstaltungs-Ankündigung haben wir im Bildtext eine Skulptur erwähnt, die auf dem Foto hinter Wolfgang Ohler und Michael Dillinger zu sehen war. Und dabei die Formulierung „Erinnerungs-Statue an Wilfried Hub“ im archivierten Bildtext von 2021 so missverstanden, dass der Verlags-Mitbegründer Hub verstorben sei. Tatsächlich aber lebt Hub. Er hatte den Verlag infolge eines Umzugs verlassen. Wir bitten das zu entschuldigen. lf
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