Die Inflationsrate in Deutschland steigt im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 2,8 Prozent. Das ist ein kräftiger Zuwachs. Im Juni betrug der Wert nur 2,3 Prozent. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich erklärt die Wirtschaftswissenschaftlerin Lena Tonzer, warum die Preise - nicht nur gefühlt - noch stärker gestiegen sind.
Die Energiepreise lassen uns die Teuerung besonders spüren, weil sie um die acht Prozent gestiegen seien, sagt die Expertin. Das ist fast dreimal so viel wie die Inflation insgesamt. Ein Großteil der Preisexplosion bei Energie ist auf die höheren Ausgaben für Benzin und Diesel zurückzuführen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind die Spritpreise deutlich gestiegen. Das hat vor allem zwei Gründe: Öl bleibt wegen des anhaltenden Iran-Kriegs teuer und der staatliche Tankrabatt endete am 30. Juni.
RLP Steigende Spritpreise erwartet Kein Tankrabatt mehr ab heute: Was Autofahrer beachten müssen Steigende Energiepreise betreffen gesamte VolkswirtschaftGestiegene Kosten für Energie würden sukzessive auf die Verbraucher abgewälzt, erläutert die Wissenschaftlerin. "Das heißt: je energieintensiver die Produktion ist, desto wahrscheinlicher werden die Unternehmen die gestiegenen Energiepreise, wenn es ihnen möglich ist, an die Kundinnen und Kunden weitergeben." Auch Nahrungsmittel seien betroffen, weil infolge des Iran-Kriegs Kunstdünger teurer geworden ist. "Preisanpassungen" in der Landwirtschaft seien die Folge. Die Bauern würden versuchen, ihre gestiegenen Kosten wieder hereinzuholen.
Je nachdem, wo die Energiepreise - die am Anfang der Kette stehen - sich weiter auswirken, wird man steigende Preise erwarten können.
Als Konsequenz der allgemeinen Teuerung würden Gewerkschaften um höhere Löhne kämpfen und man sieht, "dass am Ende der Kette die Preise bei den Dienstleistungen ebenfalls steigen".
Was die EZB gegen die Inflation tun kann und was nichtIn der Eurozone ist die Europäische Zentralbank (EZB) für stabile Preise verantwortlich. Ziel ist eine Inflation von zwei Prozent. Doch nicht immer würden geldpolitische Maßnahmen der EZB sofort wirken, sagt Wirtschaftswissenschaftlerin Lena Tonzer. In einem solchen Fall sei die Politik gefordert und könne diejenigen unterstützen, die stärker von den steigenden Preisen betroffen sind.
Für den "Energiepreisschock", der innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal auftritt, seien allerdings auch "strukturelle Faktoren" verantwortlich - wie zum Beispiel "Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern". Deshalb sollte die Politik in Betracht ziehen, den Ausbau erneuerbarer Energien stärker zu fördern, "um weniger von diesen außerhalb unserer Kontrolle liegenden Energiepreisschocks betroffen zu sein".
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