Mobilfunkkunden erwarten überall Netz. Was aber, wenn dazu ein Sender in die Einsamkeit gestellt werden muss, wo es keinen Strom gibt? Die Lösung: Selbst machen.
Die Telekom hat jetzt den ersten autarken Mobilfunkstandort in Bayern eingeschaltet. Genauer zwischen Mittenwald und dem sterreichischen Scharnitz beim Parkplatz Brunnsteinhtte.
Der graue Schleuderbetonmast ist gerade einmal 20 Meter hoch und fgt sich nach Ansicht des Unternehmens "farblich harmonisch" in die grauen Felsen des Wettersteingebirges ein, das sich massig im Hintergrund erhebt.
Das Grau des Betonturms passt farblich zum Gebirge
Foto: Deutsche Telekom
Dennoch lehnte die Kommune den Standort erst einmal ab, "um das vertraute Bild der Landschaft zu bewahren". Die Telekom blieb gelassen: "Nichts besonders in Oberbayern. Sieben der zehn grten Funklcher in Deutschland sind hier."
Die Hrde Stromanschluss
Die Politik mchte unberhrte Natur: Sendetrme sind hnlich wichtig wie Stromleitungen.
Foto: Deutsche Telekom
Zurck zum Standort: Was den Standort besonders macht, ist etwas anderes er kommt ohne Stromanbindung aus.
Dirk Schrder ist bei der Telekom fr das Projekt verantwortlich. Er erzhlt: „Bezglich der Stromanbindung standen wir vor dem Problem sehr hoher Kosten.“
Dabei liegt der Ort in direkter Linie kaum zwei Kilometer vom Ortseingang Mittenwald entfernt. Zahlreiche Varianten wurden geprft: Schlielich gibt es eine Bahnstrecke und berlandleitungen in unmittelbarer Nhe, selbst eine Versorgung aus sterreich wurde geprft. Und so wundert es nicht, dass der Rohbau fr den Mast schon seit 2022 steht.
"Die vorhandenen Stromleitungen sind leider nicht fr unsere Belange ausgelegt", berichtete Schrder. Ein regulrer Stromanschluss htte hier 300.000 bis 400.000 Euro gekostet. Aus diesem Grund fiel die Entscheidung, an diesem Standort ein Pilotprojekt zu starten. Die Mobilfunkstation wird nun vllig autark betrieben.
So funktioniert die unabhngige Energieversorgung
Hinter dem Telekom Sendemast ist die Htte fr Solar-Stromversorgung, LPG-Flssiggas-Tank und Notstromaggregat.
Foto: Deutsche Telekom
Neben dem Mast wurde ein Unterstand gebaut, an drei Seiten von Wnden umschlossen. Davor ruht ein schwerer, grner Tank fr Flssiggas. Unter dem Dach steht der Generator, der im Notfall mit LPG-Gas (Liquefied Petroleum Gas = Flssiggas) betrieben wird. Auf der gegenberliegenden Seite sind in zwei groen Schrnken die Mobilfunktechnik, die Batterien und die Wechselrichter untergebracht.
Das Dach ist mit Photovoltaikmodulen bedeckt. Auch an der Rckwand der Konstruktion sind Solarmodule im 90-Grad-Winkel montiert. „Diese Bauweise soll verhindern, dass die Anlage im Winter einschneit, und den Stromertrag in den sonnenarmen Monaten gezielt anheben, erklrt Schrder. “Wir mssen beobachten, wie gut das an dieser Stelle funktioniert.
Was passiert bei schlechtem Wetter?Die gewonnene Sonnenenergie wird in den Batterien gespeichert. Die gesamte Technik luft auf 48 Volt und wird im Normalbetrieb direkt aus den Batterien gespeist. Die aktuelle Anlage ist auf eine Leistung von 2,5 Kilowatt dimensioniert. Dies reicht fr den laufenden Betrieb dieses Standorts aus und bietet gengend Puffer, um Lastspitzen sicher abzufangen.
Fllt die Batteriespannung bei schlechtem Wetter unter einen festgelegten Prozentsatz, schaltet sich automatisch ein Backup-Generator mit Flssiggas ein. Er ldt die Speicher in maximal fnf Stunden wieder auf. Eine vollstndig geladene Batterie kann den Standort zwei bis drei Tage lang autark versorgen, sodass der Generator selbst im Winter nicht dauerhaft in Betrieb sein sollte so das Ziel.
Eine Premiere fr alle Beteiligten
Der autarke Sendestandort versorgt die Bahnstrecke und die Bundesstrae.
Foto: Deutsche Telekom
Dass dieser Standort technisches Neuland bedeutet, zeigte sich beim Vor-Ort-Termin. Am Bau waren vier Firmen, nmlich Telekom, Delta (Energiesysteme), ISS (Gebudemanagement) und PASM (Stromversorgung fr ITK-Projekte) beteiligt. Die Ablufe fr diesen Standort mussten genau geklrt werden. Welche Firma ist fr was zustndig? Wie luft die bergabe bei Problemfllen?
Die Telekom sammelt mit diesem Projekt wichtige Erfahrungen fr die Zukunft. Die genauen Ergebnisse flieen in die Entwicklung kommender Standorte ein. Nach dem Winter wird man erste belastbare Erkenntnisse haben, ob das Konzept trgt. Um den Aufbau in Zukunft weiter zu vereinfachen, arbeitet das Unternehmen zudem an standardisierten Containerlsungen, die ohne aufwendige Fundamente auskommen, wie die Konstruktion bei Mittenwald.
Zum Einsatz knnten solche autarken Standorte in Zukunft beispielsweise entlang der Autobahnen kommen. Auch hier wrden fr die Stromanbindung zum Teil extrem hohe Kosten entstehen.
Alternative Windkraft?Perspektivisch zieht die Telekom auch die Nutzung von Windkraft in Betracht, wie sie bereits an einem Pilotstandort in der Nhe von Chemnitz erprobt wird. Die Genehmigungsverfahren fr Windrder erhhen aber die Komplexitt fr solche Standorte zustzlich.
Im Einklang mit der Umgebung: Infrastruktur trifft Landschaft
Solarzellen hochkant, damit der Schnee im Winter nicht liegen bleibt.
Foto: Deutsche Telekom
Die „Bewahrung des Landschaftsbildes“ ist fr die Telekom ein wichtiges Thema. Doch der Mobilfunkstandort der Telekom stehe keineswegs in einer "unberhrten Natur", betont man dort. Zu beiden Seiten erstrecken sich Flchen, die landwirtschaftlich genutzt werden. Der Standort selbst gehrt zu einem bestehenden Parkplatz. Nicht weit entfernt laufen berlandleitungen auf Masten, die mehr als doppelt so hoch sind wie der Mobilfunkstandort.
Die Telekom betont, dass die Anlage kein Selbstzweck ist, sondern zur Versorgung der Regionalbahnstrecke an dieser Stelle dient, die parallel zur viel befahrenen B2 verluft.
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