Eine schöne Zusammenfassung, vielen Dank :)
Ich bin seit Oktober 2023 dabei, meine Daten zu bekommen und nun endlich auch zu löschen.
Ich habe ein ewig nicht genutztes Amazon-Konto und der freundliche Anbieter wies mich bei meiner Datenanfrage in mehreren E-Mails daraufhin, dass ich mich doch einfach anmelden könne, um an meine Daten zu gelangen.
Da man dazu jedoch die neuen AGB und Datenschutzrichtlinien akzeptieren muss, habe ich dies verweigert.
Mit die Daten per E-Mail zu schicken, sei jedoch nicht sicher, da man ja nicht wisse, wer die E-Mail geschickt hat, ich solle mich anmelden.
Meinen Hinweis, dass ich mein Passwort und Zugang genau über diese E-Mail zurücksetzten kann, wurde geflissentlich in mehreren E-Mails ignoriert.
Letztendlich habe ich mich an den Landesdatenschutzbeauftragten n Bayern gewandt, das ging dan weiter nach Luxemburg und tada nach 6 Monaten E-Mail Verkehr dauerte es auf Behördlichen Druck nur wenige Wochen bis ich meine Daten bekam. Dies dann auf einem 32GB USB Stick.
[Gruselig, wass auch nach zehn Jahren der nicht Nutzung noch gespeichert wurde - einfach alles, einschlißlich alter Kontodaten, deren Löschung ich schon vor Jahren verlangte]
Zum Thema Konto- und Datenlöschung. Da bin ich jetzt seit drei Monaten dran. Das Konto ist angeblich gelöscht, jedoch werden "nach gesetzlichen Richtlinien" Daten aufbewahrt, welche das sind erfahre ich nicht.
Infos über Käufe müssen 10 Jahre aufbewahrt werden mein letzte Kauf bei Amazon war 2014 - wem fällt etwas auf.
Die Aufforderung auch Drittanbieter über den Löschungswunsch zu unterrichten, wird auch bei jeder E-Mail wieder geflissentlich ignoriert.
Jetzt haben sie noch eine Woche frist, dann werde ich mich wieder an die Datenschutzbehörde in Bayern wenden und Staub aufwirbeln.
Die obenstehenden Kommentare über LDA Bayern kann ich nicht bestätigen, es dauerte zwar seine Zeit, aber alle waren freundlich und durchaus daran interessiert das Problem zu lösen.
Ja, es ist anstrengend ABER wenn niemand etwas unternimmt, wird sich nie etwas ändern.
Gemeinsam mit der wunderbaren Letty habe ich auf dem 35C3, der jährlichen großen Konferenz des Chaos Computer Club, einen Vortrag über die Abfrage und Auswertung von Amazon-Nutzerdaten gehalten. Für alle, die ebenfalls Ihre Daten bei Amazon abfragen wollen habe ich hier die wichtigsten Links und Tipps zusammengestellt.
Rechtsgrundlage
Ich habe meine Daten im Jahr 2017 noch nach dem alten Bundesdatenschutzgesetz abgefragt. Mittlerweile ist die EU-Datenschutzgrundverordnung in Kraft getreten. Das bedeutet: Ihr könnt so eine Anfrage auch online per E-Mail stellen und müsst keine Brieffreundschaft mehr beginnen. Ihr beruft Euch bei Eurer Anfrage auf Art. 15 der DSGVO – das solltet Ihr in der Anfrage erwähnen.
Vor der Anfrage
Bevor Ihr eine Anfrage stellt solltet Ihr Euch bei dem entsprechenden Dienst erst einmal schlau machen: Was für Daten könnten hier schlummern? Hierzu kann man – wenn man es ganz genau nehmen will – die AGB und Datenschutzerklärung lesen. Zusätzlich sollte man das Prinzip des „GMV“ anwenden. GMV steht für „Gesunder Menschenverstand“. Beim Beispiel Amazon bedeutet das: Amazon schickt mir auch noch Wochen nachdem ich mir einen Artikel angeschaut habe Werbemails mit Kaufempfehlungen für das entsprechende Produkt zu. Also müssen sie erfassen, was ich mir angeschaut habe und diese Information auch über einen längeren Zeitraum hinweg speichern. Aus den so ermittelten Datenkategorien macht Ihr für Euch eine Checkliste.
Die Anfrage
In der schriftlichen Anfrage könnt Ihr diese Checkliste direkt einfließen lassen. Alternativ könnt Ihr aber natürlich auch ein Standardformular nutzen. Die Verbraucherzentrale NRW hat ganz wunderbare Vorlagen erstellt, die man sich herunterladen kann. Auf jeden Fall solltet Ihr eine Frist für die Beantwortung setzen und auch erwähnen, dass Ihr Euch an die Behörden wenden werdet, wenn die Antwort ausbleibt. Zwar sind Anbieter nach der DSGVO verpflichtet Euch innerhalb eines Monats zu antworten (bei komplexen Anfragen kann diese Frist verlängert werden). Doch es schadet nicht, proaktiv eine Frist von einem Monat zu setzen.
Rückfragen
In vielen Fällen werdet Ihr nach der ersten Anfrage keine zufriedenstellende Antwort bekommen. Eine beliebte Masche ist, Euch zu erzählen, Ihr könntet alle Daten in Eurem Nutzerprofil einsehen. Das ist nur bei den wenigsten Anbietern der Fall. Eine weitere Masche ist, Euch einfach eine Kopie Eurer Profildaten in Papierform oder als PDF zuzuschicken. Damit solltet Ihr Euch auf keinen Fall zufrieden geben, wenn die Datenkategorien nicht mit denen auf Eurer Checkliste übereinstimmen und Ihr Grund zur Annahme habt, dass dies nicht alles ist. Ein Hinweis kann sein, dass der Anbieter in der Antwort nicht ausdrücklich verneint, dass er eine von Euch angeforderte Datenkategorie speichert.
Analyse
Keine Sorge, Ihr benötigt kein technisches Fachwissen, um zu verstehen, was man alles aus Eurem Datensatz herauslesen kann. Der gesunde Menschenverstand reicht aus, um sich einen groben Überblick zu verschaffen. Mit etwas Technik kann man aber die Daten einfacher systematisieren. Letty hat auf Ihrem Github-Account ein paar Skripte veröffentlicht, die eine genauere Analyse des persönlichen Amazon-Clickstreams ermöglichen. Wenn Ihr manuell einzelne Produkte nachrecherchieren wollt, könnt Ihr auch die Produkt-ID in die Amazon-Suche eingeben. Eine Amazon-Produk-ID sieht beispielseise so aus: „B016UKRFOW“.
Fazit
Jeder muss selbst entscheiden, was für ein Fazit er oder sie aus einer erfolgreichen Datenabfrage für sich zieht. Ich für meinen Teil kann sagen: Es ist das eine abstrakt zu wissen, dass jeder Klick überwacht wird und etwas vollkommen anderes, die Klicks der letzten Monate vor sich in einer großén Tabelle aufgelistet zu sehen. Aus den Daten konnte man meinen Schlafrhytmus ablesen. Meine Interessen. Meine Urlaubsziele und wann ich wo in Deutschland unterwegs war.
Es gibt Alternativen zu Amazon. Wenn man dort vor allem von Drittanbietern kauft, bietet es sich an, die Produkte direkt beim Anbieter zu bestellen. Wer nach einer Datenabfrage feststellt, dass er lieber nicht mehr Amazon nutzen will, sollte auf jeden Fall in Erwägung ziehen, seine Daten vorher zu löschen. Die Verbraucherzentrale NRW hat hierfür ein spezielles Formular erstellt. Wenn man umzieht lässt man schließlich auch nicht seine Umzugskartons in der alten Wohnung stehen…
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