Verlag: Splitter; (Juli 2025)Gebundene Ausgabe: 120 Seiten; 25 €ISBN-13: 978-3-68950-035-1
Genre: Western
Klappentext
„Der gnadenlose und brutale Weg der Gesetzeshüter im Wilden Westen. Ein Western im Schatten der Galgen.“
In vierzehn Geschichten schildert Lawmen of the West die authentischen, berühmten oder unbekannten Schicksale von Gesetzeshütern im amerikanischen Wilden Westen zwischen 1813 und 1902. Minutemen, Kopfgeldjäger, Sheriffs und Marshalls, Richter und Henker setzten nach und nach die Gesetze des weißen Mannes in den wilden Gebieten westlich des Mississippi durch.
Rezension
Lawmen of the West ist mittlerweile der vierte Band über das Leben in den USA zur Zeit des 19. Jahrhunderts. Nach den Siedlern, Indianern und Revolverhelden stehen nun die Gesetzeshüter im Mittelpunkt. Tiburce Oger bleibt dabei seinem Konzept treu und widmet sich jeweils historischen Persönlichkeiten auf wenigen Seiten, die vielleicht nicht so bekannt sein mögen, aber dennoch einen gewissen Einfluss hatten. Dabei verzichtet er auf die üblichen Namen wie Wyatt Earp oder Pat Garrett und guckt etwas näher hin und hat dabei so manche spannende Geschichte und Persönlichkeit gefunden. Wie in den anderen Bänden der Reihe geben sich die Zeichner die Klinke in die Hand. Jede Geschichte, die meist zwischen 6 und 9 Seiten lang sind, wurde von einem anderen Künstler gestaltet und darunter befinden sich solche Namen wie Ralph Meyer, der mit Undertaker bereits bewiesen hat, dass er Western kann.
Das Notizbuch
Utah, 1925. Jeb und Bob töten in der Wüste einen Reporter mit dem Namen Isaac Stein und finden ein Notizbuch bei ihm, in dem er die Geschichte von verschiedenen Gesetzeshütern im Laufe der Zeit niedergeschrieben hat. Jeb liest Bob daraus vor. Die Rahmenhandlung von Lawmen of the West erzählt von den beiden Mördern und Räubern Jeb und Bob. Das Duo ist brutal, aber nicht unbedingt intelligent. Tiburce Oger nutzt sie und ihre Kommentare im Laufe des Bandes, um etwas Humor hineinzubringen.Paul Gastine zeichnet sie deswegen zwar realistisch, jedoch mit einem Hauch der Karikatur, was sehr gut zu ihnen passt.
Minutemen (1813)
1813, ca. dreißig Jahre nach dem Unabhängigkeitskrieg, sind längst nicht alle Schlachten geschlagen. Die Engländer rüsten Stämme wie die Sauks und die Sioux weiterhin aus und diese kämpfen gegen die Siedler an der Frontier. Da die Armee praktisch keine Rolle mehr spielt, haben sich Milizen gebildet, um die Siedler zu schützen. Zu diesen sogenannten Minutemen gehört auch Jeffrey. Nach einem Massaker an den Sauk verfolgen er und sein Trupp diese weiter. Aber was sie nicht ahnen, ist, dass deren Anführer einen Plan hat, sich zu rächen.Tiburce Ogre gibt in der ersten regulären Geschichte des Bandes einen Einblick in die Kämpfe an der Grenze der Zivilisation und es wird dabei klar, dass diese hier ganz klar keine Rolle spielt. Der Kampf wird hart geführt und keiner der Gegner nimmt Rücksicht. Oger bleibt hier relativ neutral, allenfalls ist das Handeln der Sauk eher nachzuvollziehen, als das der Siedler, denn Rache ist ein leicht nachvollziehbares Motiv. Ronan Toulhout hat die Geschichte gekonnt in Szene gesetzt und mit düsteren Farben versehen.
Die Schlacht von Walker´s Creek (1844)
Die Comanchen entführen die junge Angela von der Farm ihrer Familie und töten diese. Ein junger Texas Ranger, der in Angela verliebt ist, will die Comanchen unter Yellow Wolf verfolgen und Angela befreien. Dies gelingt ihm sogar, doch ihre Flucht scheint bereits gescheitert, als doch noch Hilfe kommt und eine fürchterliche Waffe mit sich führt.Die Geschichten über entführte Siedler und Befreiungsaktionen der Helden gibt es ziemlich oft und es ist ein klassisches Westernmotiv. Tiburce Oger legt hier jedoch nicht den Fokus auf den Helden, sondern auf den Grund, weswegen die Weißen letztlich die Comanchen besiegen und das lässt Die Schlacht von Walker´s Creek sich von ähnlich gelagerten Geschichten abheben. Zumal das Schlussbild von Alain Mounier offenlässt, ob dies wirklich eine gute Entwicklung ist. Ansonsten zeichnet er der Geschichte angepasst, kann aber auch nicht glänzen.
Schrumpfkopf und Blutknochen (1852)
Mrs. Henry, eine entlaufene Sklavin, die mittlerweile mit ihrer Familie in Syracus lebt, erzählt ihren Kinder die Geschichte vom Gespensterwagen mit Schrumpfkopf und Blutknochen. Dieser soll Jagd auf entflohene Sklaven machen. Die Absicht dahinter ist klar. Da es erlaubt ist, Sklaven in allen Bundesländern zu jagen, sollen ihre Kinder schon früh lernen, niemanden zu vertrauen. Und sie behält recht. Kurz darauf erscheint der ehemalige Besitzer ihre Mannes, Dumont, bei dessen Arbeit und will ihn mitnehmen. Doch er hat nicht mit den Arbeitskollegen und Freunden von William gerechnet, die ihn ungeachtet der Hautfarbe verteidigen. Fünzehn Jahre später, nach dem Bürgerkrieg, ist Dumont verarmt und der Gespensterwagen hält neben ihm.Es wird so richtig düster und zu einem gewissen Teil unheimlich in der dritten Geschichte, die Tiburce Oger für diesen Band geschrieben hat. Dabei greift er das Thema Sklaverei und Geisterglauben auf eine spannende Weise auf. Von Mrs. Henry möchte man am Ende auf jeden Fall noch mehr sehen.Eine düstere Geschichte benötigt ebensolche Zeichnungen und die liefert Dominique Bertail. Seine Bilder verströmen eine unheimliche Atmosphäre und unterstützen die leichten Horroranklänge in Tibruce Ogers Geschichte.
Die Verschwörung von Baltimore (1861)
Otis Hillard ist einer der Köpfe einer Verschwörung gegen Präsident Lincoln. Bevor dieser aus seiner Sicht einen Bürgerkrieg provozieren kann, soll er sterben. Dazu hat er diverse Mitverschwörer, unter denen sich auch seine Geliebte Elizabeth befindet.Wo Gesetzeshüter im Wilden Westen Thema sind, darf Pinkerton nicht fehlen. Jene nahezu legendäre Privatdetektei, die in ihren Mitteln vor nichts zurückschreckt. Gerade zu Zeiten des Westens. Tiburce Oger macht aus der doch konventionellen Handlung eine ganz gute Geschichte, die Laurent Astier, bekannt durch Die Viper, auf seine gewohnte Art in Szene setzt.
Der Teufel steckt im Detail (1862)
Henry Plummer ehemaliger Sheriff und Auftragsmörder, der bereitwillig für seinen Boss, James Vail, Indianer tötet, will mehr. Vor allem nachdem er Electa, die Schwägerin des Bosses geheiratet hat. Und so brechen er, seine Frau und sein Freund Jack Cleveland auf, um nach Gold zu suchen. Nach einem tragischen Vorfall, beschließt Henry wieder alten Pfaden zu folgen.Das jemand einmal Verbrecher und dann wieder Sheriff war, war gar nicht mal so selten zu Zeiten des Wilden Westens, Wyatt Earp sei hier als Beispiel genannt. Die Auflösung ist zwar absehbar, aber die Geschichte fügt eine weitere Facette den Gesetzeshütern hinzu und hätte deswegen nicht anders sein könnenXavier Besse hebt Der Teufel steckt im Detail in höhere Sphären. Was er abliefert, sind bis hierhin die besten Zeichnungen des Bandes, die gleichzeitig realistisch und immer wieder schön anzusehen sind.
Der Jäger (1864)
Natanael lebt mit seinem Vater in den Wäldern Pennsylvanias. Eines Tages kommt ein Fremder zu ihnen und wie es aussieht, ist er recht freundlich und spendiert sogar einen selbst erlegten Hasen fürs Essen. Aber dann offenbart er, wer er wirklich ist, und dies könnte großen Ärger für Natanaels Vater bedeuten.Kaum jemanden dürfte bewusst sein, dass zu Zeiten des Bürgerkriegs Kopfgeldjäger Deserteure zurück an die Front brachten. Der Jäger stellt die Geschichte eines Kopfgeldjägers in den Mittelpunkt und dieses Mal gelingt Tiburce Oger die Überraschung am Ende.Die Zeichnungen von Chris Regnault überzeugen auf der ganzen Linie, auch wenn sie nicht ganz so realistisch gehalten sind.
Die Unschuldigen (1864)
Captain Williams hat es 1864 auf sich genommen, die Bande der Unschuldigen zur Strecke zu bringen. Mit seiner Bürgerwehr jagt er unerbittlich die Bande von Mördern und Dieben und hat schließlich Erfolg. Endlich kann er den Kopf der Bande an den Galgen bringen.Die Unschuldigen greift Der Teufel steckt im Detail auf und führt die Geschichte über Sheriff Henry Plummer zu einem überraschendem und hartem Ende. Jef liefert hierzu die entsprechend dreckigen Bilder in einer Winterlandschaft.
Die Schmiede (1872)
Bevor Jim Werner von der Staatspolizei zu den Texas Rangers kommt und dort nur noch Kutschen fährt, versucht er eine Gruppe von Viehdieben, ehemalige Konförderierte, zu verhaften. Aber das ist leichter gesagt, als getan und der ehemalige Sklave und jetzige Gesetzeshüter muss Hilfe bei seinem Freund Bobby suchen, der glücklicherweise eine Schmiede besitzt, mit der man auch Kugeln für ein Gewehr herstellen kann, die Jim Werner ausgegangen sind.Lange kamen in den Medien praktisch keine ehemaligen Sklaven als Gesetzeshüter vor. Bass Reeves ist vermutlich der bekannteste von ihnen. In Die Schmiede widmet sich Tiburce Oger dem historisch verbürgten Jim Werner und erzählt eine Episode aus seinem Leben, bevor die Staatspolizei Texas zu den Texas Rangern wurde, was für Jim Werner einer Degradierung gleichkam. Er zeigt einen zielstrebigen Mann, der genau weiß, was er tun muss.Dimitri Armand trifft ihn recht gut und Bobby erinnert ein bisschen an Kurt Russel, was tatsächlich gut zur Winterlandschaft passt.
Das rote Hemd (1884)
Henry Chee Dodge wird als Sohn des Soldaten Captain Dodge und einer Navajo geboren. Sein Vater bricht vor seiner Geburt auf, um die Verantwortlichen für einen Angriff auf die Navajo zu bestrafen, doch dabei stirbt er und sein rotes Hemd ist nicht aufzufinden. Henry wächst mehr oder weniger im Elend auf, denn die Weißen nehmen nach dem Tod seines Vater keine Rücksicht mehr und vertreiben die Navajo immer mehr. Mit der Zeit lernt Henry sowohl viel über die Kultur der Navajo als auch die der Weißen und er wird Dolmetscher für den Beauftragten für Indianerangelegenheiten. Dabei ist er immer auf der Suche nach den Mördern seines Vaters.Tiburce Oger erzählt in Das rote Hemd zum Teil die Lebensgeschichte des letzten Anführers der Navajo, die vor allem im weiteren Verlauf durchaus beeindruckend ist. Hier zeigt er Henry Chee Dodges Weg hin zu seiner späteren Position und das ist spannend, interessant und deprimierend, denn kurz geht Oger auch auf das Schicksal der Navajo während des Long Walk ein.Raphael Bauduin zeichnet realistisch und hin und wieder erinnern seine Bilder ein bisschen an Blueberry, der großen Westernserie Jean Girauds. Man kann schlechtere Vorbilder haben.
Töten Sie ihn nicht, Sheriff! (1887)
1873 gehen Commodore Owens und Andy Blevins gemeinsam in Oklahoma illegalen Geschäften nach. Nach einem schiefgelaufenem Geschäft trennen sich ihre Wege endgültig, da sich Blevins an einer Lakota vergreifen wollte. 1887 kreuzen sich ihre Wege erneut. Owens ist mittlerweile Sheriff und Blevins ein gefürchteter Outlaw. In Holbrook kommt es zwischen ihnen zu einer letzten Auseinandersetzung.Commodore Perry Owens wird in Töten Sie ihn nicht, Sheriff! Als ein Mann mit Prinzipien gezeigt, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Der Shootout ist von Richard Guérineau packend und dynamisch gezeichnet worden.
Der Richter, der hängt (1896)
In Fort Smith spricht Richter Isaac Charles Parker Recht und zögert dabei nicht, Verbrecher an den Galgen zu bringen. So ist die Zahl der Erhängten in diesem Örtchen sehr hoch. Im Sterben liegend blickt er gemeinsam mit Deputy Marshall Bud Ledbetter auf sein Leben zurück und stellt sich die Frage, ob alles einen Sinn hatte. Man sollte meinen, dass jemand der so viele Todesurteile wie Charles Parker ausgesprochen hat, ein Verfechter der Todesstrafe war, aber wie Tiburce Oger auf diesen Seiten erwähnt, war er ein Gegner dieser Bestrafung, setzte aber das Gesetz mit aller Vehemenz durch. Richter Parker ist damit eine interessante Persönlichkeit, die auf den wenigen Seiten leider nicht wirklich ergründet werden kann. Laurent Hirns Arbeit an der Geschichte ist solide. Die Zeichnungen transportieren alles, das notwendig ist.
Der Prinz der Henker (1901)
In Atlanta eröffnet George Maledon sein Museum der Gehängten. In ihm präsentiert er Souvenirs aus seiner Zeit als Henker für Richter Parker. Ein Reporter interviewt ihn und erfährt erst im Nachhinein, warum George Maledon nach Atlanta gekommen ist und was ihn so quält.Auch wenn es komisch klingt, George Maledon ist vielleicht der menschlichste aller Gesetzeshüter in diesem Band und wird hier als gebrochener Mann gezeigt. Die Tragik seine Lebens wird von Corentin Rouge in den Gesichtern der Charaktere eingefangen.
Waffen und Alkohol vertragen sich nicht (1924)
Alkohol sorgt für Unfrieden in den Städten des Westens und für locker sitzende Revolver. Marshal Bill Tilghman ist eines der vielen Opfer in einer Schießerei, die ihre Ursache im Alkohol hat.Auf einer halben Seite wird die häufigste Ursache für Schießereien genannt und damit ist dies hier weniger eine Kurzgeschichte, sondern mehr ein Informationstext. Dafür wird dieser aber mit einer einseitigen Zeichnungen von Ralph Meyer veredelt.
Fazit
Lawmen of the West stellt die Marshalls und anderen Gesetzeshüter des Wilden Westens in den Mittelpunkt. Tiburce Oger hat dafür interessante Persönlichkeiten gefunden und so manche Geschichte bietet die ein oder andere Überraschung. Für Fans des Genres ist der Band auf jeden Fall eine Empfehlung.
Pro & Contra
+ verschiedene Zeichner+ abwechslungsreich+ bekannte Namen werden ausgeklammert und dafür rücken andere nicht minder interessante in den Mittelpunkt
Bewertung:
Handlung: 4/5Charaktere: 4/5Zeichnungen: 4/5Lesespaß: 4,5/5Preis/Leistung: 4,5/5

Verlag: Splitter; (Juli 2025)
Gebundene Ausgabe: 120 Seiten; 25 €
ISBN-13: 978-3-68950-035-1
Genre: Western
Klappentext
„Der gnadenlose und brutale Weg der Gesetzeshüter im Wilden Westen. Ein Western im Schatten der Galgen.“
In vierzehn Geschichten schildert Lawmen of the West die authentischen, berühmten oder unbekannten Schicksale von Gesetzeshütern im amerikanischen Wilden Westen zwischen 1813 und 1902. Minutemen, Kopfgeldjäger, Sheriffs und Marshalls, Richter und Henker setzten nach und nach die Gesetze des weißen Mannes in den wilden Gebieten westlich des Mississippi durch.
Rezension
Lawmen of the West ist mittlerweile der vierte Band über das Leben in den USA zur Zeit des 19. Jahrhunderts. Nach den Siedlern, Indianern und Revolverhelden stehen nun die Gesetzeshüter im Mittelpunkt. Tiburce Oger bleibt dabei seinem Konzept treu und widmet sich jeweils historischen Persönlichkeiten auf wenigen Seiten, die vielleicht nicht so bekannt sein mögen, aber dennoch einen gewissen Einfluss hatten. Dabei verzichtet er auf die üblichen Namen wie Wyatt Earp oder Pat Garrett und guckt etwas näher hin und hat dabei so manche spannende Geschichte und Persönlichkeit gefunden. Wie in den anderen Bänden der Reihe geben sich die Zeichner die Klinke in die Hand. Jede Geschichte, die meist zwischen 6 und 9 Seiten lang sind, wurde von einem anderen Künstler gestaltet und darunter befinden sich solche Namen wie Ralph Meyer, der mit Undertaker bereits bewiesen hat, dass er Western kann.
Das Notizbuch
Utah, 1925. Jeb und Bob töten in der Wüste einen Reporter mit dem Namen Isaac Stein und finden ein Notizbuch bei ihm, in dem er die Geschichte von verschiedenen Gesetzeshütern im Laufe der Zeit niedergeschrieben hat. Jeb liest Bob daraus vor.
Die Rahmenhandlung von Lawmen of the West erzählt von den beiden Mördern und Räubern Jeb und Bob. Das Duo ist brutal, aber nicht unbedingt intelligent. Tiburce Oger nutzt sie und ihre Kommentare im Laufe des Bandes, um etwas Humor hineinzubringen.
Paul Gastine zeichnet sie deswegen zwar realistisch, jedoch mit einem Hauch der Karikatur, was sehr gut zu ihnen passt.
Minutemen (1813)
1813, ca. dreißig Jahre nach dem Unabhängigkeitskrieg, sind längst nicht alle Schlachten geschlagen. Die Engländer rüsten Stämme wie die Sauks und die Sioux weiterhin aus und diese kämpfen gegen die Siedler an der Frontier. Da die Armee praktisch keine Rolle mehr spielt, haben sich Milizen gebildet, um die Siedler zu schützen. Zu diesen sogenannten Minutemen gehört auch Jeffrey. Nach einem Massaker an den Sauk verfolgen er und sein Trupp diese weiter. Aber was sie nicht ahnen, ist, dass deren Anführer einen Plan hat, sich zu rächen.
Tiburce Ogre gibt in der ersten regulären Geschichte des Bandes einen Einblick in die Kämpfe an der Grenze der Zivilisation und es wird dabei klar, dass diese hier ganz klar keine Rolle spielt. Der Kampf wird hart geführt und keiner der Gegner nimmt Rücksicht. Oger bleibt hier relativ neutral, allenfalls ist das Handeln der Sauk eher nachzuvollziehen, als das der Siedler, denn Rache ist ein leicht nachvollziehbares Motiv.
Ronan Toulhout hat die Geschichte gekonnt in Szene gesetzt und mit düsteren Farben versehen.
Die Schlacht von Walker´s Creek (1844)
Die Comanchen entführen die junge Angela von der Farm ihrer Familie und töten diese. Ein junger Texas Ranger, der in Angela verliebt ist, will die Comanchen unter Yellow Wolf verfolgen und Angela befreien. Dies gelingt ihm sogar, doch ihre Flucht scheint bereits gescheitert, als doch noch Hilfe kommt und eine fürchterliche Waffe mit sich führt.
Die Geschichten über entführte Siedler und Befreiungsaktionen der Helden gibt es ziemlich oft und es ist ein klassisches Westernmotiv. Tiburce Oger legt hier jedoch nicht den Fokus auf den Helden, sondern auf den Grund, weswegen die Weißen letztlich die Comanchen besiegen und das lässt Die Schlacht von Walker´s Creek sich von ähnlich gelagerten Geschichten abheben. Zumal das Schlussbild von Alain Mounier offenlässt, ob dies wirklich eine gute Entwicklung ist. Ansonsten zeichnet er der Geschichte angepasst, kann aber auch nicht glänzen.
Schrumpfkopf und Blutknochen (1852)
Mrs. Henry, eine entlaufene Sklavin, die mittlerweile mit ihrer Familie in Syracus lebt, erzählt ihren Kinder die Geschichte vom Gespensterwagen mit Schrumpfkopf und Blutknochen. Dieser soll Jagd auf entflohene Sklaven machen. Die Absicht dahinter ist klar. Da es erlaubt ist, Sklaven in allen Bundesländern zu jagen, sollen ihre Kinder schon früh lernen, niemanden zu vertrauen. Und sie behält recht. Kurz darauf erscheint der ehemalige Besitzer ihre Mannes, Dumont, bei dessen Arbeit und will ihn mitnehmen. Doch er hat nicht mit den Arbeitskollegen und Freunden von William gerechnet, die ihn ungeachtet der Hautfarbe verteidigen. Fünzehn Jahre später, nach dem Bürgerkrieg, ist Dumont verarmt und der Gespensterwagen hält neben ihm.
Es wird so richtig düster und zu einem gewissen Teil unheimlich in der dritten Geschichte, die Tiburce Oger für diesen Band geschrieben hat. Dabei greift er das Thema Sklaverei und Geisterglauben auf eine spannende Weise auf. Von Mrs. Henry möchte man am Ende auf jeden Fall noch mehr sehen.
Eine düstere Geschichte benötigt ebensolche Zeichnungen und die liefert Dominique Bertail. Seine Bilder verströmen eine unheimliche Atmosphäre und unterstützen die leichten Horroranklänge in Tibruce Ogers Geschichte.
Die Verschwörung von Baltimore (1861)
Otis Hillard ist einer der Köpfe einer Verschwörung gegen Präsident Lincoln. Bevor dieser aus seiner Sicht einen Bürgerkrieg provozieren kann, soll er sterben. Dazu hat er diverse Mitverschwörer, unter denen sich auch seine Geliebte Elizabeth befindet.
Wo Gesetzeshüter im Wilden Westen Thema sind, darf Pinkerton nicht fehlen. Jene nahezu legendäre Privatdetektei, die in ihren Mitteln vor nichts zurückschreckt. Gerade zu Zeiten des Westens. Tiburce Oger macht aus der doch konventionellen Handlung eine ganz gute Geschichte, die Laurent Astier, bekannt durch Die Viper, auf seine gewohnte Art in Szene setzt.
Der Teufel steckt im Detail (1862)
Henry Plummer ehemaliger Sheriff und Auftragsmörder, der bereitwillig für seinen Boss, James Vail, Indianer tötet, will mehr. Vor allem nachdem er Electa, die Schwägerin des Bosses geheiratet hat. Und so brechen er, seine Frau und sein Freund Jack Cleveland auf, um nach Gold zu suchen. Nach einem tragischen Vorfall, beschließt Henry wieder alten Pfaden zu folgen.
Das jemand einmal Verbrecher und dann wieder Sheriff war, war gar nicht mal so selten zu Zeiten des Wilden Westens, Wyatt Earp sei hier als Beispiel genannt. Die Auflösung ist zwar absehbar, aber die Geschichte fügt eine weitere Facette den Gesetzeshütern hinzu und hätte deswegen nicht anders sein können
Xavier Besse hebt Der Teufel steckt im Detail in höhere Sphären. Was er abliefert, sind bis hierhin die besten Zeichnungen des Bandes, die gleichzeitig realistisch und immer wieder schön anzusehen sind.
Der Jäger (1864)
Natanael lebt mit seinem Vater in den Wäldern Pennsylvanias. Eines Tages kommt ein Fremder zu ihnen und wie es aussieht, ist er recht freundlich und spendiert sogar einen selbst erlegten Hasen fürs Essen. Aber dann offenbart er, wer er wirklich ist, und dies könnte großen Ärger für Natanaels Vater bedeuten.
Kaum jemanden dürfte bewusst sein, dass zu Zeiten des Bürgerkriegs Kopfgeldjäger Deserteure zurück an die Front brachten. Der Jäger stellt die Geschichte eines Kopfgeldjägers in den Mittelpunkt und dieses Mal gelingt Tiburce Oger die Überraschung am Ende.
Die Zeichnungen von Chris Regnault überzeugen auf der ganzen Linie, auch wenn sie nicht ganz so realistisch gehalten sind.
Die Unschuldigen (1864)
Captain Williams hat es 1864 auf sich genommen, die Bande der Unschuldigen zur Strecke zu bringen. Mit seiner Bürgerwehr jagt er unerbittlich die Bande von Mördern und Dieben und hat schließlich Erfolg. Endlich kann er den Kopf der Bande an den Galgen bringen.
Die Unschuldigen greift Der Teufel steckt im Detail auf und führt die Geschichte über Sheriff Henry Plummer zu einem überraschendem und hartem Ende. Jef liefert hierzu die entsprechend dreckigen Bilder in einer Winterlandschaft.
Die Schmiede (1872)
Bevor Jim Werner von der Staatspolizei zu den Texas Rangers kommt und dort nur noch Kutschen fährt, versucht er eine Gruppe von Viehdieben, ehemalige Konförderierte, zu verhaften. Aber das ist leichter gesagt, als getan und der ehemalige Sklave und jetzige Gesetzeshüter muss Hilfe bei seinem Freund Bobby suchen, der glücklicherweise eine Schmiede besitzt, mit der man auch Kugeln für ein Gewehr herstellen kann, die Jim Werner ausgegangen sind.
Lange kamen in den Medien praktisch keine ehemaligen Sklaven als Gesetzeshüter vor. Bass Reeves ist vermutlich der bekannteste von ihnen. In Die Schmiede widmet sich Tiburce Oger dem historisch verbürgten Jim Werner und erzählt eine Episode aus seinem Leben, bevor die Staatspolizei Texas zu den Texas Rangern wurde, was für Jim Werner einer Degradierung gleichkam. Er zeigt einen zielstrebigen Mann, der genau weiß, was er tun muss.
Dimitri Armand trifft ihn recht gut und Bobby erinnert ein bisschen an Kurt Russel, was tatsächlich gut zur Winterlandschaft passt.
Das rote Hemd (1884)
Henry Chee Dodge wird als Sohn des Soldaten Captain Dodge und einer Navajo geboren. Sein Vater bricht vor seiner Geburt auf, um die Verantwortlichen für einen Angriff auf die Navajo zu bestrafen, doch dabei stirbt er und sein rotes Hemd ist nicht aufzufinden. Henry wächst mehr oder weniger im Elend auf, denn die Weißen nehmen nach dem Tod seines Vater keine Rücksicht mehr und vertreiben die Navajo immer mehr. Mit der Zeit lernt Henry sowohl viel über die Kultur der Navajo als auch die der Weißen und er wird Dolmetscher für den Beauftragten für Indianerangelegenheiten. Dabei ist er immer auf der Suche nach den Mördern seines Vaters.
Tiburce Oger erzählt in Das rote Hemd zum Teil die Lebensgeschichte des letzten Anführers der Navajo, die vor allem im weiteren Verlauf durchaus beeindruckend ist. Hier zeigt er Henry Chee Dodges Weg hin zu seiner späteren Position und das ist spannend, interessant und deprimierend, denn kurz geht Oger auch auf das Schicksal der Navajo während des Long Walk ein.
Raphael Bauduin zeichnet realistisch und hin und wieder erinnern seine Bilder ein bisschen an Blueberry, der großen Westernserie Jean Girauds. Man kann schlechtere Vorbilder haben.
Töten Sie ihn nicht, Sheriff! (1887)
1873 gehen Commodore Owens und Andy Blevins gemeinsam in Oklahoma illegalen Geschäften nach. Nach einem schiefgelaufenem Geschäft trennen sich ihre Wege endgültig, da sich Blevins an einer Lakota vergreifen wollte. 1887 kreuzen sich ihre Wege erneut. Owens ist mittlerweile Sheriff und Blevins ein gefürchteter Outlaw. In Holbrook kommt es zwischen ihnen zu einer letzten Auseinandersetzung.
Commodore Perry Owens wird in Töten Sie ihn nicht, Sheriff! Als ein Mann mit Prinzipien gezeigt, wenn auch nicht unbedingt sympathisch. Der Shootout ist von Richard Guérineau packend und dynamisch gezeichnet worden.
Der Richter, der hängt (1896)
In Fort Smith spricht Richter Isaac Charles Parker Recht und zögert dabei nicht, Verbrecher an den Galgen zu bringen. So ist die Zahl der Erhängten in diesem Örtchen sehr hoch. Im Sterben liegend blickt er gemeinsam mit Deputy Marshall Bud Ledbetter auf sein Leben zurück und stellt sich die Frage, ob alles einen Sinn hatte.
Man sollte meinen, dass jemand der so viele Todesurteile wie Charles Parker ausgesprochen hat, ein Verfechter der Todesstrafe war, aber wie Tiburce Oger auf diesen Seiten erwähnt, war er ein Gegner dieser Bestrafung, setzte aber das Gesetz mit aller Vehemenz durch. Richter Parker ist damit eine interessante Persönlichkeit, die auf den wenigen Seiten leider nicht wirklich ergründet werden kann. Laurent Hirns Arbeit an der Geschichte ist solide. Die Zeichnungen transportieren alles, das notwendig ist.
Der Prinz der Henker (1901)
In Atlanta eröffnet George Maledon sein Museum der Gehängten. In ihm präsentiert er Souvenirs aus seiner Zeit als Henker für Richter Parker. Ein Reporter interviewt ihn und erfährt erst im Nachhinein, warum George Maledon nach Atlanta gekommen ist und was ihn so quält.
Auch wenn es komisch klingt, George Maledon ist vielleicht der menschlichste aller Gesetzeshüter in diesem Band und wird hier als gebrochener Mann gezeigt. Die Tragik seine Lebens wird von Corentin Rouge in den Gesichtern der Charaktere eingefangen.
Waffen und Alkohol vertragen sich nicht (1924)
Alkohol sorgt für Unfrieden in den Städten des Westens und für locker sitzende Revolver. Marshal Bill Tilghman ist eines der vielen Opfer in einer Schießerei, die ihre Ursache im Alkohol hat.
Auf einer halben Seite wird die häufigste Ursache für Schießereien genannt und damit ist dies hier weniger eine Kurzgeschichte, sondern mehr ein Informationstext. Dafür wird dieser aber mit einer einseitigen Zeichnungen von Ralph Meyer veredelt.
Fazit
Lawmen of the West stellt die Marshalls und anderen Gesetzeshüter des Wilden Westens in den Mittelpunkt. Tiburce Oger hat dafür interessante Persönlichkeiten gefunden und so manche Geschichte bietet die ein oder andere Überraschung. Für Fans des Genres ist der Band auf jeden Fall eine Empfehlung.
Pro & Contra
+ verschiedene Zeichner
+ abwechslungsreich
+ bekannte Namen werden ausgeklammert und dafür rücken andere nicht minder interessante in den Mittelpunkt
Bewertung: ![]()
Handlung: 4/5
Charaktere: 4/5
Zeichnungen: 4/5
Lesespaß: 4,5/5
Preis/Leistung: 4,5/5
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