Die Juniorprofessor Amrei Bahr ist eine der kritischen Stimmen der prekären Arbeitsverhältnisse im deutschen Wissenschaftssystem. Jetzt steigt sie selbst aus der Hochschullaufbahn aus. Im Podcast spricht sie über ihre Beweggründe.
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Jenny Lepis: Hi zusammen, ich begrüße euch zu unserer Deep Dive-Ausgabe.
Jenny Lepis: Wir tauchen heute tiefer ein in das Arbeiten im Wissenschaftsbetrieb in Deutschland.
Jenny Lepis: Den aktuellen Anlass dazu lieferte vor kurzem die Philosophin Amrei Baar von
Jenny Lepis: der Universität Stuttgart.
Jenny Lepis: In einem LinkedIn-Post teilte sie mit, dass sie sich entschieden hat,
Jenny Lepis: die Wissenschaft zu verlassen.
Jenny Lepis: Und eigentlich wäre das nicht unbedingt eine bahnbrechende Nachricht,
Jenny Lepis: Dass Akademikerinnen und Akademiker von der Wissenschaft in die Wirtschaft wechseln,
Jenny Lepis: ist an sich nichts Ungewöhnliches.
Jenny Lepis: Allerdings ist Amrei Bar jemand Besonderes, wenn ich das mal so sagen darf.
Jenny Lepis: Im Sommer 2021 war sie eine der maßgeblichen Stimmen neben ihren MitstreiterInnen
Jenny Lepis: Christine Eichhorn und Sebastian Kubon, die es geschafft haben,
Jenny Lepis: den Hashtag Ich bin Hanna viral gehen zu lassen.
Jenny Lepis: Und bevor wir jetzt einsteigen, sage ich erstmal herzlich willkommen,
Jenny Lepis: Amrei. Schön, dass du dir Zeit genommen hast.
Jenny Lepis: Ja, ich freue mich sehr. Ganz herzlichen Dank für die Einladung.
Jenny Lepis: Schön. Steigen wir nochmal mit dem Hashtag Ich bin Hanna ein.
Jenny Lepis: Wer das damals vielleicht nicht mitgekriegt hat, auf Twitter,
Jenny Lepis: als Twitter noch Twitter war sozusagen.
Jenny Lepis: Dieser Hashtag entstand ja auf die Veröffentlichung eines Videos hin,
Jenny Lepis: das das Bundesforschungsministerium veröffentlicht hatte.
Jenny Lepis: Darin geht es um eine erdachte Figur namens Hannah. Sie ist Biologin und forscht zu ihrer Doktorarbeit.
Jenny Lepis: Anhand ihres Beispiels wird dann in dem Video das Wissenschaftszeitvertragsgesetz
Jenny Lepis: erklärt und warum diese befristeten Stellen in der Wissenschaft ihre Vorteile haben.
Jenny Lepis: Ich habe mir das gestern nochmal angesehen und habe auch gelesen,
Jenny Lepis: dass das Forschungsministerium das zwischenzeitlich dann auch wieder gelöscht hatte, dieses Video.
Jenny Lepis: Aber es gibt natürlich auch wieder Uploads eben. Wann hast du denn das Video zuletzt gesehen?
Jenny Lepis: Das ist eine gute Frage. Also ich habe das tatsächlich ja immer wieder mal gesehen
Jenny Lepis: und sei es in Auszügen, weil wenn wir Vorträge halten oder auf Panels sitzen,
Jenny Lepis: dann wird das auch gerne mal so zumindest in Teilen eingespielt.
Jenny Lepis: Aber es ist mir so eindrücklich im Gedächtnis geblieben, dass so einige Formulierungen
Jenny Lepis: einfach immer noch sehr deutlich im Kopf sind.
Jenny Lepis: Zum Beispiel diese Idee, dass, Zitat aus dem Video, nicht eine Generation alle
Jenny Lepis: Stellen verstopfen soll.
Jenny Lepis: Also deshalb macht man diese Dauerfluktuation und fängt ständig mit neuen Leuten wieder von vorne an.
Jenny Lepis: Und die nicht verstopfende Generation, die wird dann halt irgendwie ausgeschieden quasi.
Jenny Lepis: Und das war natürlich der Anlass dafür, dass wir zusammen mit ganz vielen anderen
Jenny Lepis: WissenschaftlerInnen, die halt sozusagen in dem Verdacht stehen,
Jenny Lepis: jetzt da irgendwas zu verstopfen,
Jenny Lepis: gesagt haben, das ist eine etwas komische Art und Weise,
Jenny Lepis: über uns zu reden und auch so respektlos und so herablassend und unangemessen
Jenny Lepis: letztlich, Dass wir gesagt haben, das wird einfach weder dem gerecht, was wir hier leisten,
Jenny Lepis: noch ist das eine sinnvolle Sache, wenn man jetzt ständig immer wieder neue
Jenny Lepis: Leute in so ein System reinzieht, um sie dann nach einiger Zeit wieder vor die Tür zu setzen.
Jenny Lepis: Und insofern steht mir das sehr deutlich vor Augen,
Jenny Lepis: zumal man ja sagen muss, also das Video ist ja schon älter und auch als wir
Jenny Lepis: das 2021 dann angefangen haben, darüber zu schreiben und das zum Anlass genommen
Jenny Lepis: haben, diese Initiative zu starten,
Jenny Lepis: Da war es auch schon älter. Aber die Situation hat sich ja jetzt nicht grundlegend
Jenny Lepis: verändert, weil eben die Reform dieses Wissenschaftszeitvertragsgesetzes noch
Jenny Lepis: immer nicht abgeschlossen ist.
Jenny Lepis: Man fragt sich, wie viele befristet beschäftigte WissenschaftlerInnen seit Beginn
Jenny Lepis: von Ich-bin-Hanna aus diesem Wissenschaftsbereich ausgeschieden sind.
Jenny Lepis: Also wie viele dann mit ihren befristeten Verträgen irgendwann am Ende waren
Jenny Lepis: und auch mit ihrer Höchstbefristungsdauer. und dann die Wissenschaft verlassen
Jenny Lepis: mussten, das waren sicher einige.
Jenny Lepis: Und wir haben immer noch keine Reform. Allerdings hat immerhin die aktuelle
Jenny Lepis: Bundesregierung ja versprochen, bis Mitte 2026 eine liefern zu wollen.
Jenny Lepis: Das ist eine, würde ich jetzt so, ich meine, wir haben jetzt,
Jenny Lepis: was haben wir Ende März fast?
Jenny Lepis: Das ist eine sportliche Angelegenheit, würde ich jetzt mal sagen.
Jenny Lepis: Da warten wir natürlich weiterhin sehr gespannt und es ist höchste Zeit.
Jenny Lepis: Ja, ist denn der Kritikpunkt, das kam jetzt natürlich so raus,
Jenny Lepis: dass es eben hauptsächlich um diese befristeten Verträge von Doktoranden oder
Jenny Lepis: beziehungsweise zur Promotion hin und dann eben als Postdoc,
Jenny Lepis: ist das so der Hauptkritikpunkt oder gibt es noch andere Sachen, die Sie kritisieren?
Jenny Lepis: Das Problem ist tatsächlich einerseits, dass wir diese befristeten Verträge
Jenny Lepis: haben, die ja dann auch zwar vor der Promotion insgesamt sechs Jahre betragen
Jenny Lepis: können und nach der Promotion nochmal sechs Jahre.
Jenny Lepis: Aber das ist nicht so, dass sie dann quasi alle einen Vertrag haben, der sechs Jahre läuft.
Jenny Lepis: Also sprich, dass man dann einen Vertrag für die gesamte Promotionsdauer hat,
Jenny Lepis: sondern wir haben auch noch so eine Kettenvertragsproblematik.
Jenny Lepis: Also die Leute hangeln sich von einem Jahresvertrag zum nächsten.
Jenny Lepis: Vielleicht haben sie auch mal Glück und haben mal zwei Jahre oder sowas.
Jenny Lepis: Aber das sind halt einfach sehr wackelige Beschäftigungsverhältnisse.
Jenny Lepis: Das ist das eine Problem.
Jenny Lepis: Und zum anderen ist halt das Problem, dass danach dann auch nichts Unbefristetes folgt.
Jenny Lepis: Und Professur ist in Deutschland letztlich das einzige unbefristete Arbeitsverhältnis
Jenny Lepis: in der Wissenschaft, was man realistischerweise irgendwie anzielen kann.
Jenny Lepis: Und mit realistischerweise meine ich, davon gibt es zumindest ein paar,
Jenny Lepis: aber sie sind immer noch so rar gesät, dass eigentlich die allermeisten leer ausgehen.
Jenny Lepis: Also das heißt, wir bilden in Anführungszeichen Leute für Professuren aus,
Jenny Lepis: die dann gar nicht existieren.
Jenny Lepis: Und dann müssen sie halt hochqualifiziert mit Anfang, Mitte 40 sich neu orientieren.
Jenny Lepis: Das ist fürchterlich ineffizient und für die Leute natürlich auch nicht gut.
Jenny Lepis: Und das ist eben auch ein deutsches Spezialproblem, weil wir letztlich in Deutschland
Jenny Lepis: so eine totale Fokussierung auf die Professur haben, als einziges unbefristetes
Jenny Lepis: Arbeitsverhältnis, also die volle Professur sozusagen.
Jenny Lepis: In anderen Ländern gibt es dann andere unbefristete Arbeitsverhältnisse neben
Jenny Lepis: der Professur und es gibt immerhin in Deutschland jetzt auch Bestrebungen oder
Jenny Lepis: jedenfalls vom Wissenschaftsrat zum Beispiel den sehr nachdrücklichen Rat,
Jenny Lepis: dass Deutschland sich jetzt entsprechend auch darum kümmert,
Jenny Lepis: unbefristete Beschäftigungsverhältnisse neben der Professur zu schaffen,
Jenny Lepis: weil man halt sonst so ein Up-or-Out-Prinzip hat.
Jenny Lepis: Also entweder wirst du Professorin oder du fließt halt raus.
Jenny Lepis: Und dazwischen gibt es so gut wie nichts. Da gibt es noch ein paar unbefristete
Jenny Lepis: Stellen, die zum Teil aber ganz, ganz viel Lehrverpflichtung haben,
Jenny Lepis: sodass man eigentlich selbst, wenn man nur die Lehre macht und nicht noch Administrationskram
Jenny Lepis: und noch Arbeiten korrigiert und betreut und so,
Jenny Lepis: selbst dann kommt man schon eigentlich nicht in der Arbeitszeit,
Jenny Lepis: die man vertraglich leisten muss, mit den Sachen durch.
Jenny Lepis: Also man hat eigentlich ständig mehr Arbeit durch diese hohe Lehrbelastung.
Jenny Lepis: Das heißt, es sind auch nicht so attraktive Stellen. Und das macht natürlich
Jenny Lepis: das ganze deutsche Wissenschaftssystem nicht so furchtbar attraktiv.
Jenny Lepis: Das merkt man jetzt auch schon. Wir haben jetzt schon Fachkräftemangel.
Jenny Lepis: Also wir sehen jetzt schon auch, dass auch die Hochschulen letztlich sagen,
Jenny Lepis: ihre Personal- und Rekrutierungssituation ist wirklich nicht mehr gut.
Jenny Lepis: Und in einigen Disziplinen hören wir schon seit vielen, vielen Jahren von ProfessorInnen,
Jenny Lepis: dass sie die Mitarbeiterstellen, die sie haben, gar nicht besetzen können,
Jenny Lepis: weil die Leute einfach in vielen Bereichen sich sagen, warum soll ich mir das
Jenny Lepis: jetzt eigentlich antun?
Jenny Lepis: Also warum soll ich so eine wackelige Beschäftigung mir jetzt antun,
Jenny Lepis: wenn ich weiß, dass ich wahrscheinlich am Ende rausfliege, hochqualifiziert
Jenny Lepis: aus dem ganzen System und vor allen Dingen dann in der Zeit auch noch mit entgrenzten
Jenny Lepis: Arbeitszeiten zu tun habe, mit ganz vielen unbezahlten Überstunden,
Jenny Lepis: mit diesem Zwang, ständig mobil zu sein, immer wieder wechselt der Arbeitsort,
Jenny Lepis: man muss in eine neue Stadt ziehen, das ist furchtbar teuer,
Jenny Lepis: man kann keine Rücklagen bilden.
Jenny Lepis: Häufig arbeitet man in Teilzeit auf dem Papier, aber faktisch arbeitet man Vollzeit und mehr.
Jenny Lepis: Und das sind alles eben Faktoren, die das System fürchterlich unattraktiv machen.
Jenny Lepis: Das heißt also, das schadet letztlich nicht nur den Beschäftigten,
Jenny Lepis: sondern auch einem Wissenschaftssystem. Wenn das irgendwie gute Leute gewinnen
Jenny Lepis: will, dann muss es sich natürlich irgendwie attraktiver aufstellen eigentlich.
Jenny Lepis: Ich hatte gestern nochmal nachgeguckt.
Jenny Lepis: Es gibt in Deutschland 52.000 Professoren oder Professoren und Professoren.
Jenny Lepis: Also das ist tatsächlich ja keine sehr große Gruppe.
Jenny Lepis: Also entweder kriegst du so eine Stelle, wenn du quasi dich hinten anstellst
Jenny Lepis: und vielleicht wartest, dass irgendwie jemand in Rente geht oder pensioniert
Jenny Lepis: wird sozusagen oder sich irgendwie ein eigener Lehrstuhl bildet.
Jenny Lepis: Das ist ja schon ein sehr krasser Flaschenhalt einfach.
Jenny Lepis: Aber alles, was du jetzt so schilderst, wieso war das dann für dich so attraktiv,
Jenny Lepis: trotzdem so eine Professur zu bekommen?
Jenny Lepis: Ja, das ist eine gute Frage und ich meine, es ist ja jetzt nicht so,
Jenny Lepis: dass mir das alles so zugestoßen ist.
Jenny Lepis: Also ein Stück weit kann man natürlich sagen, man gerät halt da rein,
Jenny Lepis: indem man irgendwie im Studium feststellt, das macht mir Spaß,
Jenny Lepis: dieses wissenschaftliche Arbeiten, dem kann ich was abgewinnen.
Jenny Lepis: Bei mir war es vor allen Dingen, also ich fand jetzt, glaube ich,
Jenny Lepis: nie so geil, alleine so Texte zu schreiben.
Jenny Lepis: Also ich schreibe ganz gern tatsächlich und ich weiß auch, dass das nicht immer
Jenny Lepis: freudvoll ist, aber wissenschaftliches Schreiben ist jetzt nicht so auf der
Jenny Lepis: Liste ganz oben von den Dingen, die ich jetzt gerne mache, weil das ja auch sehr einsam ist häufig.
Jenny Lepis: Also jedenfalls in den Geisteswissenschaften, in der Philosophie schreibt man alleine meistens.
Jenny Lepis: Aber was ich immer schon toll fand, war mit Leuten gemeinsam Probleme durchdenken,
Jenny Lepis: Sachen verstehen, Theorien verstehen, Argumente zerlegen und feststellen,
Jenny Lepis: warum die funktionieren oder auch nicht.
Jenny Lepis: Und da halt mit Leuten im Austausch zu sein, das fand ich immer super attraktiv.
Jenny Lepis: Und das ist ja nun Teil des Jobs, also auch in der Lehre zum Beispiel,
Jenny Lepis: was, finde ich, ein sehr schöner Aspekt an dem Job ist.
Jenny Lepis: Aber es war jetzt nie so, dass ich jetzt gesagt hätte, ich möchte jetzt unbedingt
Jenny Lepis: Professorin werden, weil ich
Jenny Lepis: aus irgendwelchen Gründen das jetzt für besonders erstrebenswert halte.
Jenny Lepis: Was ich immer gesagt habe, ist, ich würde einfach diesen Beruf gerne weitermachen.
Jenny Lepis: Also ich würde einfach gerne wissenschaftlich arbeiten weiterhin und ich würde
Jenny Lepis: gerne weiter lehren und all diese Dinge.
Jenny Lepis: Auch Wissenschaftskommunikation ist für mich immer eine Sache gewesen,
Jenny Lepis: die ich sehr gern gemacht habe und die ich gerne weitermachen möchte.
Jenny Lepis: Aber weil es eben nicht so viele Alternativen zur Professur gibt,
Jenny Lepis: ist man ja praktisch gezwungen, dann darauf zu setzen.
Jenny Lepis: Und das habe ich dann eben auch gemacht. Also ich bin ja jetzt auch Juniorprofessorin,
Jenny Lepis: allerdings ohne einen sogenannten Tenure-Track.
Jenny Lepis: Also es gibt die so in zwei Varianten, diese Juniorprofessoren.
Jenny Lepis: Einmal, also erstmal, die sind befristet. Das ist sozusagen der Witz daran und
Jenny Lepis: sollen eigentlich eine frühe Unabhängigkeit ermöglichen.
Jenny Lepis: Also ich bin jetzt nicht die Mitarbeiterin von irgendeinem Professor,
Jenny Lepis: sondern ich bin halt schon recht unabhängig.
Jenny Lepis: Nicht ganz so unabhängig wie die normale Professur aus verschiedenen Gründen,
Jenny Lepis: aber bei mir ist es halt so, ich habe eben keinen Tenure-Track,
Jenny Lepis: das heißt, da ist keine Entfristungsperspektive vorgesehen.
Jenny Lepis: Die Variante mit einem Tenure-Track, da vereinbart man mit der Uni,
Jenny Lepis: mit dem Institut, mit seinem Umfeld, wo man da unterwegs ist,
Jenny Lepis: verschiedene Ziele, die man erreichen soll und wenn man die in einem bestimmten
Jenny Lepis: Zeitraum erreicht, dann bekommt man die Lebenszeit-Professur.
Jenny Lepis: Aber die Variante der Junior-Professur, wie ich sie habe, da ist das halt nicht vorgesehen.
Jenny Lepis: Das heißt, man ist dann weiter in dieser Bewerbungsmühle drin.
Jenny Lepis: Und du hast es ja schon gesagt, es gibt nicht so furchtbar viele Professuren.
Jenny Lepis: Jetzt kann man irgendwie hoffen, dass da Leute in Rente gehen,
Jenny Lepis: die im Bereich arbeiten, wo man selber arbeitet.
Jenny Lepis: Weil ich kann mich ja jetzt auch nicht auf jede beliebige Professur bewerben.
Jenny Lepis: Nicht mal in der Philosophie kann ich mich auf jede Professur bewerben,
Jenny Lepis: sondern die muss halt genau thematisch zugeschnitten sein.
Jenny Lepis: Also das heißt, wenn ich Glück habe, werden vielleicht zehn Professuren in meinem
Jenny Lepis: Bereich im Jahr ausgeschrieben.
Jenny Lepis: Ich würde sagen, das wäre schon großes Glück. Es gibt Leute,
Jenny Lepis: bei denen werden vielleicht zwei, drei Professuren im Jahr ausgeschrieben.
Jenny Lepis: Und dann bewerben sich da hunderte von Leuten drauf. Vielleicht auch ein bisschen
Jenny Lepis: weniger, je nach Fach, aber schon auch einige.
Jenny Lepis: Und die Wahrscheinlichkeit, dass man da dann zum Zug kommt, die ist relativ geringe.
Jenny Lepis: Und insofern, da habe ich jetzt nie gedacht, das ist ja richtig cool.
Jenny Lepis: Ich möchte mich jetzt gerne mit anderen unheimlich guten und auch noch netten
Jenny Lepis: anderen KollegInnen, die ich ja zum Teil auch sehr gut kenne.
Jenny Lepis: Da jetzt die ganze Zeit betteln um diese Stellen.
Jenny Lepis: Also ich möchte jetzt irgendwie diesen Konkurrenzkampf, den finde ich richtig
Jenny Lepis: toll, das hätte ich jetzt nie gesagt, sondern es ging eher darum,
Jenny Lepis: ich möchte einfach gerne diesen Beruf weitermachen.
Jenny Lepis: Und wenn das in Deutschland nur unter dieser Bedingung geht,
Jenny Lepis: habe ich halt lange Zeit gedacht, gut, dann muss ich das jetzt halt versuchen.
Jenny Lepis: Und das habe ich eben lange Zeit gemacht und jetzt habe ich keine Lust mehr.
Jenny Lepis: Nochmal ganz kurz zu diesem, was du meintest mit dem Junior-Professor, mit Tenure-Track.
Jenny Lepis: Ist das quasi auch so, dass du dann da nochmal innerhalb dieses Tracks,
Jenny Lepis: wenn du sagst, es sind bestimmte Ziele gesteckt, dass du da nochmal konkurrierst
Jenny Lepis: mit anderen, die auch auf diesem Track sind?
Jenny Lepis: Oder ist das schon so, es wird dann gesagt, du machst jetzt das und das und
Jenny Lepis: du bist da auch die einzige Kandidatin quasi für, also...
Jenny Lepis: Genau, letztes Mal ausweich erfahren. Letzteres, also du hast quasi eine Zusage,
Jenny Lepis: dass wenn du das jetzt schaffst, diese Ziele zu erreichen, dann bekommst du
Jenny Lepis: auch die Lebenszeitprofessur.
Jenny Lepis: Also da konkurrierst du dann nicht mit anderen, so wie es halt bei dem klassischen
Jenny Lepis: Prinzip ist, dass man quasi nach der Promotion macht man dann vielleicht noch
Jenny Lepis: so einen Postdoc oder habilitiert sich auch in den Geisteswissenschaften.
Jenny Lepis: Also sprich, schreibt ein zweites Buch häufig oder auch kumulativ irgendwelche
Jenny Lepis: Aufsätze. Also man muss dann halt nochmal sich beweisen.
Jenny Lepis: Also das, was sich so ein bisschen durchzieht durch diese sogenannte Karriere,
Jenny Lepis: ist, dass man sich ständig beweisen muss. Also eigentlich reicht es nie.
Jenny Lepis: Man kann eigentlich die ganze Zeit immer nur versuchen abzuliefern,
Jenny Lepis: was das System von einem verlangt.
Jenny Lepis: Das ist eigentlich immer so ein bisschen mehr, als man sozusagen gesunderweise
Jenny Lepis: und realistischerweise leisten kann in einem auch normalen Zeitraum,
Jenny Lepis: wie man vielleicht so seinen Beruf organisiert.
Jenny Lepis: Also sprich in einem normalen Arbeitstag
Jenny Lepis: und auch ohne, dass man jetzt am Wochenende und im Urlaub arbeitet.
Jenny Lepis: Das kann man machen. Es gibt auch Leute, die das zum Glück so machen,
Jenny Lepis: auch im Wissenschaftssystem.
Jenny Lepis: Aber da ist natürlich dann die große Befürchtung, dass man abgehängt wird.
Jenny Lepis: Und weil die Wahrscheinlichkeit so super klein ist, dass man dann so eine Professur
Jenny Lepis: bekommt, also ich meine, bei dieser Tenure-Track-Konstellation ist es zumindest
Jenny Lepis: so, dass man am Anfang dann diese Ziele vereinbart und dann weiß man zumindest,
Jenny Lepis: wenn ich das und das und das liefere,
Jenny Lepis: dann bekomme ich diese...
Jenny Lepis: Ich bin Lebenszeitprofessur. Allerdings muss man dazu sagen,
Jenny Lepis: dass diese Ziele auch unterschiedlich konkret formuliert sein können zum Beispiel.
Jenny Lepis: Also je nachdem, wie konkret die formuliert sind oder wie unkonkret vielleicht
Jenny Lepis: auch, gibt es da möglicherweise auch Spielräume, sodass man eben vielleicht
Jenny Lepis: auch durchaus eine berechtigte Sorge hat, dass es dann doch nicht reicht und
Jenny Lepis: dass man dann eben lieber noch mehr macht.
Jenny Lepis: Also eigentlich ist das Prinzip immer, ich setze lieber noch einen drauf,
Jenny Lepis: weil ich dann halt quasi die Wahrscheinlichkeit gefühlt ein bisschen erhöhe,
Jenny Lepis: dass es klappt, als dass ich das jetzt nicht mache.
Jenny Lepis: Und das sieht eben dann so aus, ich bin jetzt 40 Jahre alt, ich habe 14 Jahre
Jenny Lepis: das gemacht und ich habe einfach wirklich sehr, sehr viel gearbeitet die letzten
Jenny Lepis: Jahre, auch sehr viel an Wochenenden.
Jenny Lepis: Ich habe meinen Urlaub gecancelt, weil ich einen Drittmittelantrag geschrieben
Jenny Lepis: habe und da in der letzten Runde war und dann habe ich halt den Urlaub wirklich abgesagt.
Jenny Lepis: Ich habe im Urlaub ganz oft irgendwelche Sachen gemacht, also irgendwelche Druckfahren
Jenny Lepis: korrigiert, irgendwelche Aufsätze und so weiter.
Jenny Lepis: Also das ist eigentlich so ein ständiges Liefern müssen,
Jenny Lepis: so eine ständige Anforderung und eben halt immer der Gedanke,
Jenny Lepis: wenn ich da jetzt nicht mitspiele und wenn ich mich da jetzt mal rausziehe,
Jenny Lepis: dann bezahle ich möglicherweise damit, dass das das Ende meiner Karriere ist.
Jenny Lepis: Und das ist nicht so schön. Also das ist bei allem Guten, dass der Job sicher
Jenny Lepis: hat irgendwie, dass es halt interessante Themen sind, dass es toll ist,
Jenny Lepis: mit interessanten Leuten sich auszutauschen und sowas und dass auch die Lehre total erfüllend ist.
Jenny Lepis: Das ist alles sicher der Fall, aber es bleibt einfach dabei,
Jenny Lepis: dass der Preis unheimlich hoch ist und übrigens ist jetzt auch kürzlich eine Studie erschienen,
Jenny Lepis: die zeigt, dass das bei den Profs auf Lebenszeit nicht viel anders ist,
Jenny Lepis: also auch das von denen sehr, sehr viele auch gesundheitliche Probleme haben, Schlafstörungen,
Jenny Lepis: Konzentrationsprobleme,
Jenny Lepis: Antriebsstörungen und so weiter. Also das geht so weiter.
Jenny Lepis: Sie haben dann zwar nicht mehr diese prekäre Situation, dass sie nicht wissen,
Jenny Lepis: ob sie in drei Jahren noch ihre Miete zahlen können und wo sie dann wohnen werden
Jenny Lepis: und arbeiten und ob sie überhaupt einen Job haben.
Jenny Lepis: Die haben aber trotzdem noch diese entgrenzten Arbeitszeiten und diese ja eigentlich
Jenny Lepis: unmenschlichen Anforderungen, dass man halt ständig immer am Ball bleiben muss
Jenny Lepis: und immer erreichbar sein muss und wirklich keine Pausen machen kann.
Jenny Lepis: Das sind aber auch Gefühle, die du nachvollziehen kannst, dass du mit den Existenzängsten
Jenny Lepis: nicht mehr Miete bezahlen kannst oder so. Das, was du auch selbst erlebt hast.
Jenny Lepis: Ja, ich kann das ganz offen sagen. Also erstmal war ich arbeitslos,
Jenny Lepis: also erwerbsarbeitslos während meiner Promotionszeit schon.
Jenny Lepis: Also ich habe erst dreieinhalb Jahre eine Stelle gehabt, eine halbe Stelle natürlich
Jenny Lepis: mit Vollzeitarbeit und danach ein Stipendium für zehn Monate.
Jenny Lepis: Zum Glück nur für zehn Monate, kann man sagen, weil dadurch habe ich quasi den
Jenny Lepis: Anspruch auf Arbeitslosengeld aus dieser halben Stelle, den ich hatte, noch rüber gerettet.
Jenny Lepis: Wenn jetzt das Stipendium länger gelaufen wäre, dann hätte ich damals Hartz IV bekommen.
Jenny Lepis: So habe ich aber Arbeitslosengeld bekommen, was für eine halbe Stelle jetzt
Jenny Lepis: auch nicht so furchtbar viel war und habe halt dann die Promotion abgeschlossen
Jenny Lepis: in der Arbeitslosigkeit, also die Dissertation dann fertig geschrieben.
Jenny Lepis: Das war schon so, dass mich das sehr belastet hat, weil ich mich natürlich gefragt
Jenny Lepis: habe, geht das jetzt überhaupt weiter oder ist das hier alles eine Sackgasse,
Jenny Lepis: sollte ich das jetzt komplett abbrechen?
Jenny Lepis: Und ansonsten hangel ich mich halt von einem Vertrag zum nächsten.
Jenny Lepis: Jetzt in Stuttgart habe ich eben eine Juniorprofessur, die es ermöglicht,
Jenny Lepis: einfach mal über einen sehr langen Zeitraum für meine Verhältnisse eine gewisse Sicherheit zu haben.
Jenny Lepis: Also ich hatte erstmal vier Jahre quasi, die laufen jetzt gerade dann Ende März
Jenny Lepis: aus und dann musste ich mich bewähren. Wie gesagt, man muss immer liefern und
Jenny Lepis: musste dann zeigen, dass ich es also wert bin, dass man mir jetzt noch zwei Jahre gibt.
Jenny Lepis: Und das habe ich eben erfolgreich getan. Jetzt habe ich nochmal diese zwei Jahre bekommen.
Jenny Lepis: Aber das ist halt trotzdem natürlich belastend. Und man muss eben auch ganz
Jenny Lepis: offen sagen, was jetzt Rücklagen anbelangt. Also ich meine, wie gesagt,
Jenny Lepis: ich bin 40, ich bin hochqualifiziert, ich bin promoviert.
Jenny Lepis: Ich habe ja auch Menschen im Freundes- und Bekanntenkreis, die beruflich andere
Jenny Lepis: Entscheidungen getroffen haben und da geht es dann um so Themen wie,
Jenny Lepis: ich würde mir gerne eine Wohnung kaufen oder sowas.
Jenny Lepis: Das höre ich dann und dann denke ich, Wahnsinn, ich werde das nicht können.
Jenny Lepis: Also ich habe einfach nicht die Möglichkeit, solche Investitionen zu tätigen.
Jenny Lepis: Einmal nicht, weil ich gar keinen Kredit bekommen würde, aber ich habe auch
Jenny Lepis: gar kein Eigenkapital, mit dem ich sowas machen könnte, weil man einfach ja
Jenny Lepis: über Jahrzehnte diese Pendelei hat. Also ich pendle seit 2015.
Jenny Lepis: Und dann auch sowohl in Düsseldorf, wo ich vorher war, als auch jetzt in Stuttgart,
Jenny Lepis: habe ich eine zweite Wohnung. Ich habe eine Bahncard 100.
Jenny Lepis: Das ist also sozusagen der Schlüssel, wenn man Zugfahnen richtig hassen lässt,
Jenny Lepis: muss man meine Pendelstrecke fahren. Das sind vier Stunden.
Jenny Lepis: Also wenn alles gut geht, eher fünf, weil ich auch noch zu dem einen Bahnhof
Jenny Lepis: erstmal hinkommen muss.
Jenny Lepis: Und dann fährt man also sehr viel Zug und gibt dafür auch inzwischen,
Jenny Lepis: das sind bald 5000 Euro, also es sind 4000 irgendwas, 700 oder sowas,
Jenny Lepis: die diese Bahncard 100 im Jahr kostet.
Jenny Lepis: Also das geht halt alles von dem Geld runter, was ich verdiene.
Jenny Lepis: Wenn man sich anschaut, ich verdiene, das kann jeder gerne machen.
Jenny Lepis: Also ich habe eine W1-Professur in Baden-Württemberg. Ich verdiene auf dem Papier sehr gut,
Jenny Lepis: aber dann kann man da eine zweite Wohnung runterrechnen, dann kann man da die
Jenny Lepis: Pendelei mit der Bahncard runterrechnen und eben auch noch viele andere Ausgaben,
Jenny Lepis: auch Umzugskosten und solche Dinge kommen dann ja regelmäßig dazu.
Jenny Lepis: Und das frisst einfach das Budget, was man so hat, frisst das auf.
Jenny Lepis: Und damit entsteht eigentlich so eine Art Erpressungssituation.
Jenny Lepis: Man könnte vielleicht sagen, also es wird ja auch gerne immer so diese versunkenen
Jenny Lepis: Kosten werden da gerne ins Feld geführt.
Jenny Lepis: Also dieser Fehlschluss, dass man denkt, ich habe jetzt so viel investiert,
Jenny Lepis: ich kann ja jetzt nicht aussteigen.
Jenny Lepis: Und so ein bisschen ist das in meiner Lebensphase dann so. Man ist dann halt
Jenny Lepis: so um die 40 und denkt, okay, ich könnte jetzt natürlich aussteigen.
Jenny Lepis: Aber was, glaube ich, viele Leute davon abhält, ist, dass die denken,
Jenny Lepis: dass halt mit der Lebenszeitprofessur, die ja eine Fairbeamtung umfasst in der Regel,
Jenny Lepis: quasi diese ganzen Probleme wieder wettgemacht werden.
Jenny Lepis: Also dass man dann das Risiko der Altersarmut, das für mich ein reales Ding
Jenny Lepis: ist, das kann mir passieren, dass man das quasi dann ausräumt,
Jenny Lepis: weil man dann halt einen Pensionsanspruch als Beamtin plötzlich hat.
Jenny Lepis: Und dass man eben plötzlich dann sehr sicher ist und sehr gut verdient.
Jenny Lepis: Aber diese Rechnung geht für die allermeisten ja sowieso nicht auf.
Jenny Lepis: Also ich könnte jetzt natürlich weiterhin versuchen, da dieser Karotte hinterher
Jenny Lepis: zu jagen, so wie das ganz viele andere machen und im Zweifel ist man dann nachher
Jenny Lepis: nicht erfolgreich oder man ist es vielleicht,
Jenny Lepis: aber man hat dann einfach nochmal wieder Jahre seines Lebens sich verausgabt
Jenny Lepis: und das ist jetzt auch nicht schön und es geht einem jetzt auch nicht gut damit, würde ich sagen.
Jenny Lepis: Also das ist irgendwie kein schönes Leben auf Dauer und dafür,
Jenny Lepis: dass die Wahrscheinlichkeit jetzt nicht so hoch ist, dass es dann Erfolg verspricht.
Jenny Lepis: Das ist dann einfach die Kostenabwägung, wenn man jetzt mal diese ganzen investierten
Jenny Lepis: Kosten außen vor lässt und sagt, ich habe doch jetzt schon so viel dafür getan,
Jenny Lepis: ich kann ja jetzt nicht aussteigen.
Jenny Lepis: Doch, man kann immer aussteigen und man sollte es auch machen,
Jenny Lepis: wenn man nämlich feststellt, dass in der Zukunft die Kosten,
Jenny Lepis: die das Potenzial noch hat, so hoch sind und vielleicht auch das,
Jenny Lepis: was man gewinnen kann, und das war für mich ja der Hauptpunkt.
Jenny Lepis: Gar nicht mehr so unbedingt erstrebenswert ist.
Jenny Lepis: Also ich habe ja immer gedacht, die Professur ist mein Ziel,
Jenny Lepis: da muss ich jetzt unbedingt hin und wenn ich da ankomme, dann geht der Himmel
Jenny Lepis: auf und die Englein singen und das ist alles toll.
Jenny Lepis: Und inzwischen ist mir klar geworden, dass das natürlich eine total verklärte
Jenny Lepis: Vorstellung ist, was das System auch gerne macht.
Jenny Lepis: Das System lässt uns ja gerne glauben, das wäre so das Nonplusultra und es ist
Jenny Lepis: das Glück der Welt und plötzlich ist alles toll. Man hat jahrelang gelitten
Jenny Lepis: und aber dann auf einmal ist alles super.
Jenny Lepis: Und wie gesagt, ProfessorInnen sind auch alle unter Druck. Denen geht es jetzt auch nicht super.
Jenny Lepis: Die arbeiten extrem viel und es gibt an dem Job auch vieles, was nicht toll ist.
Jenny Lepis: Und wenn man das im Verhältnis setzt zu dem, was man investiert,
Jenny Lepis: dann ist es halt tatsächlich aus meiner Sicht nicht so erstrebenswert.
Jenny Lepis: Was ich mich noch gefragt habe, dieser Hashtag Ich bin Hanna,
Jenny Lepis: das ist jetzt fünf Jahre her.
Jenny Lepis: Also ist das vielleicht so rückblickend so eine Art Wendepunkt gewesen,
Jenny Lepis: dass vielleicht dann so ein Prozess eingesetzt hat oder war das eh immer präsent,
Jenny Lepis: dass alles sowieso prekär ist für dich?
Jenny Lepis: Oder also ich frage mich halt, ob es auf dem Weg dahin bis heute sozusagen immer
Jenny Lepis: mal wieder Szenen gab, wo du dachtest, okay, ich packe das jetzt hier einfach nicht mehr.
Jenny Lepis: Ja, immer. Also jahrelang und auch schon, also Imposter-Syndrom ist ja auch so ein Ding.
Jenny Lepis: Also ich habe irgendwie während des Studiums schon, ich habe den Master übersprungen,
Jenny Lepis: also ich habe eine sogenannte Fast-Track-Promotion gemacht, direkt nach dem Bachelor.
Jenny Lepis: Klingt toll, ist nur so mittelempfehlenswert, weil man nämlich zum Beispiel
Jenny Lepis: dann auch weniger verdient, weil man halt niedriger eingruppiert wird ohne Master.
Jenny Lepis: Die Promotion ist nämlich nicht eingruppierungsrelevant im öffentlichen Dienst.
Jenny Lepis: Und wenn man ein Master hat, muss man erstmal darum kämpfen,
Jenny Lepis: dass man quasi, obwohl man schon promoviert ist, gleichgestellt ist mit den
Jenny Lepis: Leuten, die einen Masterabschluss haben.
Jenny Lepis: Aber klar, da habe ich dann natürlich schon gedacht, okay, bin ich denn jetzt
Jenny Lepis: da wirklich so gut aufgestellt, dass das irgendwie funktioniert?
Jenny Lepis: Also bin ich gut genug? Das war immer eine Frage.
Jenny Lepis: Und ich habe mich natürlich von Anfang an auch jetzt nicht darüber gefreut,
Jenny Lepis: wenn dann die Erwartungshaltung war, dass man am Wochenende ständig arbeitet.
Jenny Lepis: Sei es jetzt, weil man irgendwas erledigen muss oder weil man auf irgendwelchen
Jenny Lepis: Konferenzen rumspringt. Die sind ja auch gerne am Wochenende.
Jenny Lepis: Abendtermine ständig. Also ich habe seit Jahren irgendwelche Abendtermine und
Jenny Lepis: auch da gilt, da ist man dann halt irgendwie 22 Uhr, 23 Uhr dann zu Hause.
Jenny Lepis: Und am nächsten Tag geht es um 6 Uhr wieder los und klar, das kann man ein paar
Jenny Lepis: Jahre machen, aber die Frage ist natürlich, ist das jetzt so eine super tolle
Jenny Lepis: Idee, das jetzt weiterzumachen, wenn man für sich versteht,
Jenny Lepis: dass das halt nichts ist und ich glaube, du hast recht, dass das schon auch
Jenny Lepis: viel mit Ich bin Hanna zu tun hatte.
Jenny Lepis: Also das hat bei mir natürlich da den Prozess nochmal sehr verstärkt,
Jenny Lepis: darüber nachzudenken, was an dem System aus meiner Perspektive problematisch
Jenny Lepis: ist und das ja auch zu kritisieren, auch mit einem politischen Impact zu kritisieren.
Jenny Lepis: Also wir haben unsere Kernforderungen im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung drin.
Jenny Lepis: Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung damals waren wir auch präsent mit unseren Kernforderungen.
Jenny Lepis: Das heißt, es schlägt sich da schon einiges nieder.
Jenny Lepis: Und auch sonst merkt man das. Und bei mir persönlich hat sich das so ausgewirkt,
Jenny Lepis: dass ich dann irgendwann auch festgestellt habe, ich bin einfach zu bestimmten
Jenny Lepis: Dingen nicht mehr bereit. Am Anfang wird man so da reingezogen und es wird gesagt,
Jenny Lepis: Wissenschaft ist eben so.
Jenny Lepis: Wissenschaft ist eben, da gibt es keinen Feierabend, da gibt es keinen Urlaub,
Jenny Lepis: da gibt es kein Wochenende.
Jenny Lepis: Das ist so, das läuft so. Und am Anfang kann man ja dann nicht sagen,
Jenny Lepis: nee, das glaube ich jetzt nicht, sondern da ist man erstmal,
Jenny Lepis: denkt man, ja, okay, alles klar.
Jenny Lepis: Aber ich mache es halt so gerne, dass ich das jetzt versuche,
Jenny Lepis: trotzdem hinzubekommen.
Jenny Lepis: Aber ich habe dann zunehmend einfach Grenzen gesetzt, auch wenn ich festgestellt
Jenny Lepis: habe, es gibt grenzüberschreitendes Verhalten, welcher Art auch immer in diesem
Jenny Lepis: Betrieb, habe ich das mir dann irgendwann nicht mehr gefallen lassen.
Jenny Lepis: Und das hat dann mehr und mehr dazu geführt, dass ich mich auch bestärkt gefühlt
Jenny Lepis: habe in dieser Entscheidung, dass ich das nicht mehr mitmachen möchte.
Jenny Lepis: Also ich will nicht sagen, dass das der einzige Weg ist. Es gibt sicherlich
Jenny Lepis: auch Leute wie meine Kollegin Christine Eichhorn,
Jenny Lepis: die da, glaube ich, einen sehr gesunden Umgang mit hat und einfach sehr souverän
Jenny Lepis: ihre Arbeit macht und dann aber auch Grenzen setzt.
Jenny Lepis: Und das eben innerhalb des Betriebs so macht, dass ich glaube,
Jenny Lepis: dass das auch einen Vorbildcharakter hat und dass Leute sich daran was abgucken könnten und sollten.
Jenny Lepis: Und eben übrigens auch die Profs, die dann alle so viel arbeiten,
Jenny Lepis: obwohl sie es ja vielleicht zum Teil gar nicht mehr müssten,
Jenny Lepis: weil sie ihren Job dann nicht verlieren, wenn sie das lassen.
Jenny Lepis: Also die Leute, die quasi im System sicher sind, zu denen gehört Christine im
Jenny Lepis: Übrigen ja auch nicht und trotzdem kriegt sie das hin,
Jenny Lepis: aber diejenigen, die halt sicher sind im Job und halt auf dem ist halt verbeamtet,
Jenny Lepis: die sollten eigentlich auch dadurch,
Jenny Lepis: dass sie Grenzen setzen und gesunde Arbeitszeiten selber umsetzen,
Jenny Lepis: dafür sorgen, dass die Standards nicht für alle schlechter werden.
Jenny Lepis: Weil wenn man natürlich in einer Situation, wo man quasi Grenzen setzen kann,
Jenny Lepis: ohne dass es einem persönlich und beruflich schadet, das nicht macht,
Jenny Lepis: dann sind die Standards für alle so,
Jenny Lepis: dass sie halt einfach mit Wochenendarbeit und all diesen Dingen sind und das
Jenny Lepis: ist aus meiner Perspektive nicht zwingend.
Jenny Lepis: Und gemeinsam versorgen, dass das System besser wird.
Jenny Lepis: Die Christine Eichhorn, die sagt dann quasi ganz klar, jetzt habe ich Wochenende,
Jenny Lepis: jetzt mache ich auch nichts, keine Mails abrufen.
Jenny Lepis: Oder was meinen Sie mit Grenzen setzen? Genau, die setzt einfach in dem Sinne
Jenny Lepis: Grenzen, dass sie eben jetzt nicht sich von dieser Erwartungshaltung,
Jenny Lepis: dass man jetzt ständig überall immer erreichbar ist und dass man ständig immer
Jenny Lepis: arbeitet und alles mitmachen muss und sowas,
Jenny Lepis: dass sie sich davon jetzt irgendwie unter Druck setzen lässt.
Jenny Lepis: Also das ist, glaube ich, ganz wichtig und eben auch mit einer sehr großen Empathie,
Jenny Lepis: was mir auch zugute kommt.
Jenny Lepis: Also wir arbeiten ja sehr eng zusammen seit vielen Jahren, auch mit Sebastian
Jenny Lepis: Kubon und wir drei ergänzen uns da wirklich auch ganz gut.
Jenny Lepis: Und alleine auch diese Wertschätzung, die ich durch diese beiden Kolleginnen
Jenny Lepis: erlebe in der Zusammenarbeit, die ist einfach so neu gewesen für mich.
Jenny Lepis: Also ich kam aus einem akademischen Betrieb aus.
Jenny Lepis: Wo eigentlich so das Motto war, nicht gemeckert ist genug gelobt, so ungefähr.
Jenny Lepis: Also eigentlich kriegt man immer nur auf den Deckel, wenn was nicht gut gelaufen
Jenny Lepis: ist oder vermeintlich nicht gut gelaufen ist.
Jenny Lepis: Aber wenn man mal was gut macht, interessiert es eigentlich niemanden.
Jenny Lepis: Das wird dann so abgehakt und man rennt sofort zum nächsten Schauplatz,
Jenny Lepis: den man irgendwie bespielen muss.
Jenny Lepis: Und da jetzt mal zu erleben, wie das ist, wenn man einfach auch Worte der Wertschätzung,
Jenny Lepis: der Anerkennung bekommt für die eigene Arbeit und darin zu wachsen auch letztlich,
Jenny Lepis: auch was das eigene Schreiben betrifft.
Jenny Lepis: So, da habe ich einfach so viel gelernt und mitgenommen und will eben damit sagen, das ist ja da,
Jenny Lepis: also diese beiden sind ja auch Teil des Systems und man könnte das eben so fördern,
Jenny Lepis: dass Leute so miteinander umgehen und stattdessen machen wir halt Wettbewerb
Jenny Lepis: und Wettkampf und Exzellenzstrategie und all diese Dinge.
Jenny Lepis: Also immer müssen alle mit allen konkurrieren um Stellen, um Preise,
Jenny Lepis: um Gelder und das ist kontraproduktiv für Kooperation, für Solidarität miteinander.
Jenny Lepis: Das ist also wirklich etwas, was die Zusammenarbeit aus meiner Perspektive viel
Jenny Lepis: schlechter macht, als sie sein könnte, weil die Leute sind ja auch häufig sehr
Jenny Lepis: kooperativ und interessiert daran, gut miteinander zusammenzuarbeiten.
Jenny Lepis: Und sich auch gegenseitig zu stärken und auch inhaltlich irgendwie weiterzubringen.
Jenny Lepis: Aber das wird im System halt nicht belohnt, ist ja klar, weil das ist ja meine Konkurrenz.
Jenny Lepis: Also wenn ich jetzt mit Leuten was gemeinsam mache...
Jenny Lepis: Es gibt so oft Leute, die mir dann sagen, ich weiß jetzt gar nicht,
Jenny Lepis: ob ich meine Forschungsidee jetzt hier auf der Konferenz überhaupt erzählen
Jenny Lepis: soll, weil dann wird die mir nachher geklaut.
Jenny Lepis: Also ich meine, wie gut ist das für Wissenschaft, wenn die Leute sich zurückhalten,
Jenny Lepis: ihre Forschungsideen und Ergebnisse zu präsentieren, bevor die veröffentlicht
Jenny Lepis: sind, weil sie Angst haben, dass jemand anders ihnen die wegnimmt.
Jenny Lepis: Also es sollte ja eigentlich darum gehen, möglichst viele Erkenntnisse gemeinsam
Jenny Lepis: als Wissenschaftsgemeinschaft hervorzubringen und die irgendwie weiterzutragen und zu entwickeln.
Jenny Lepis: Und das wird aber eigentlich ausgebremst, weil die Leute halt dann ständig darauf
Jenny Lepis: gucken müssen, dass sie irgendwie in diesem System nicht untergehen.
Jenny Lepis: Und warum man das jetzt so macht, also ich glaube nicht, dass das für die Inhalte
Jenny Lepis: und für die Wissenschaft Vorteile hat.
Jenny Lepis: Das hat, glaube ich, eher wirklich gravierende Nachteile.
Jenny Lepis: Genau, du hattest ja schon gesagt, die Unis sagen jetzt schon selber,
Jenny Lepis: wir können Stellen nicht besetzen oder beziehungsweise die Expertise fehlt.
Jenny Lepis: Kommen wir nochmal zu den Rahmenbedingungen sozusagen, wie du die dir vorstellst.
Jenny Lepis: Also ich hatte jetzt nochmal gelesen, dass die Ampelregierung,
Jenny Lepis: die hatte damals ja schon einen Entwurf publiziert, quasi wie eine Reform aussehen könnte.
Jenny Lepis: Das klang jetzt ehrlich gesagt auch nicht so super. So Arbeitsverträge nach
Jenny Lepis: der Promotion für mindestens zwei Jahre.
Jenny Lepis: Also so Planungssicherheitsmäßig klingt das jetzt auch nicht so krass gut.
Jenny Lepis: Wie wären denn deine oder eure Vorstellungen quasi, wenn jetzt Mitte 26 neuer Plan erarbeitet wird?
Jenny Lepis: Was wären so die Eckpfeiler, die du dir wünschen würdest?
Jenny Lepis: Also einerseits sind diese Mindestvertragslaufzeiten, also die Frage ist tatsächlich,
Jenny Lepis: wie lang sollen die sein?
Jenny Lepis: Also die dürfen nicht so kurz sein, da stimmt es dir zu, wenn die zu kurz sind,
Jenny Lepis: dann ist nicht viel gewonnen und also es müsste natürlich eigentlich sinnvollerweise
Jenny Lepis: so sein, dass die Promotionszeit oder die Zeit, die ich dann für mein Forschungsprojekt
Jenny Lepis: da investieren muss, dass die abgedeckt ist.
Jenny Lepis: Also dass ich halt nicht quasi, so wie ich das ja während meiner Promotion auch
Jenny Lepis: hatte, dann mittendrin nicht weiß, werde ich jetzt eigentlich weiterfinanziert
Jenny Lepis: und kann ich das Projekt eigentlich noch zu Ende bringen.
Jenny Lepis: Das setzt die Leute einfach unter Druck und macht sie auch sehr abhängig von
Jenny Lepis: Vorgesetzten und BetreuerInnen und sowas und das ist halt ein Problem.
Jenny Lepis: Also sprich, Mindestvertragslaufzeiten sind ein guter Anfang,
Jenny Lepis: aber die müssten halt so lang sein,
Jenny Lepis: diese Laufzeiten, dass man realistischerweise dann auch dieses Projekt nicht
Jenny Lepis: irgendwie mittendrin quasi erstmal pausiert und sich fragt, kann ich das jetzt
Jenny Lepis: eigentlich weitermachen?
Jenny Lepis: Ja, ansonsten, was halt wichtig ist, ist, dass diese, ich sag mal,
Jenny Lepis: ausufernde Befristungspraxis in Deutschland eingedämmt wird.
Jenny Lepis: Im Moment ist das Gros des wissenschaftlichen Personals ja befristet beschäftigt in Deutschland.
Jenny Lepis: Also wir haben praktisch fast eine umgekehrte Quote wie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.
Jenny Lepis: Auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt sind befristete Arbeitsverhältnisse die Ausnahme
Jenny Lepis: und das unbefristete Arbeitsverhältnis ist das Normalarbeitsverhältnis, die Regel.
Jenny Lepis: Und das müsste man halt ändern. Und die Frage ist, und das war auch die Debatte
Jenny Lepis: in der von dir erwähnten Diskussion in der Ampel-Legislaturperiode, da war halt die Frage,
Jenny Lepis: wie kann man das jetzt eigentlich so umsetzen, dass man dieses Ziel erreicht,
Jenny Lepis: dass es halt weniger Befristung gibt in der Wissenschaft.
Jenny Lepis: Und eine Möglichkeit wäre tatsächlich, dass man es über Befristungshöchstquoten
Jenny Lepis: macht, also dass man quasi den Institutionen sagt, ihr dürft jetzt nur eine
Jenny Lepis: bestimmte Zahl von befristeten Stellen vergeben und der Rest muss unbefristet sein.
Jenny Lepis: Also das wäre einfach ein unmittelbarer Hebel, kann man sich ja vorstellen.
Jenny Lepis: Also im Moment zu viele befristete Stellen. Und wenn man das dann einfach deckeln
Jenny Lepis: würde, dann sagen die Institutionen, oh Gott, wie sollen wir das denn machen?
Jenny Lepis: Das muss man ja dann auf die Fächer verteilen und auf die Institute und so.
Jenny Lepis: Und dann muss man ja Personalplanung machen.
Jenny Lepis: Man denkt so, oh ja, na sowas, das hätte man ja nicht erwarten und sozusagen
Jenny Lepis: voraussetzen können, dass eine Institution wie eine Universität das macht.
Jenny Lepis: Ja, das müssen die dann machen. Natürlich müssen sie sich überlegen,
Jenny Lepis: wie sie das sinnvollerweise dann verteilen.
Jenny Lepis: Das ist eine Sache. Es gibt auch dann die Idee, das Ganze zu koppeln mit sogenannten
Jenny Lepis: Department-Strukturen.
Jenny Lepis: Im Moment ist ja die Professur nicht nur die einzige unbefristete Stelle,
Jenny Lepis: sondern die ist auch quasi so an der Spitze des Wissenschaftssystems,
Jenny Lepis: also ganz oben, so wie so ein kleines Königreich.
Jenny Lepis: Das gender ich jetzt auch extra nicht, weil das einfach nach wie vor,
Jenny Lepis: die meisten sind halt Männer, die meisten Profs immer noch.
Jenny Lepis: Und dann sind alle anderen sind so dieser Professorenperson zugeordnet als MitarbeiterInnen
Jenny Lepis: und arbeiten zu und sind abhängig, abhängig beschäftigt letztlich.
Jenny Lepis: Und das müsste halt so auch nicht sein, sondern man könnte eben die Hierarchien
Jenny Lepis: flacher machen, indem man mehr unabhängige Stellen schafft und die Leute eben
Jenny Lepis: nicht den Professuren zuordnet.
Jenny Lepis: Also dann bin ich halt als Postdoc nicht Mitarbeiterin von Professor XY,
Jenny Lepis: sondern ich habe eine eigene Position, die halt dann auch unbefristet ist als
Jenny Lepis: Regelfall und die dann eben es mir ermöglicht.
Jenny Lepis: Um unabhängig meine Themen zu setzen, zu forschen und zu arbeiten und eben nicht
Jenny Lepis: ständig da weisungsgebunden zu sein und meine eigenen Sachen unter einen Hut
Jenny Lepis: bringen zu müssen mit dem, was dann die vorgesetzte Person will.
Jenny Lepis: Das ist ja auch noch schwierig.
Jenny Lepis: Man kann natürlich auch sowas wie jetzt diesen Tenure-Track,
Jenny Lepis: über den wir eben gesprochen haben, für den Mittelbau, den sogenannten,
Jenny Lepis: also sprich für die wissenschaftlich Beschäftigten ohne Professur, sich überlegen.
Jenny Lepis: Das war auch Gegenstand der Diskussion in der letzten Legislaturperiode.
Jenny Lepis: Da war es so, dass die sogenannte Anschlusszusage tatsächlich auch Teil dieses
Jenny Lepis: Referentenentwurfs war.
Jenny Lepis: Also eine Anschlusszusage heißt auch, dass man nach einer kurzen,
Jenny Lepis: möglichst ganz kurzen Zeit, maximal zwei Jahre, war so unsere Überlegung,
Jenny Lepis: mit der Hochschule, mit der Universität Ziele vereinbart.
Jenny Lepis: Und dann hat man noch vier Jahre Zeit, die zu erreichen.
Jenny Lepis: Und wenn man die erreicht hat, bekommt man eine unbefristete Stelle.
Jenny Lepis: Da dann jetzt keine Lebenszeitprofessur mit Verbeamtung, sondern halt eine öffentliche,
Jenny Lepis: also eine Stelle im öffentlichen Dienst.
Jenny Lepis: Also einfach die Art von Stelle, die wissenschaftliche Mitarbeiter ohnehin haben,
Jenny Lepis: aber halt in der Regel befristet, die kann man auch unbefristet vergeben.
Jenny Lepis: Und das wäre halt eine gute Möglichkeit letztlich, um das hinzukriegen.
Jenny Lepis: Man kann die Postdocs aus dem Bizzeit-VG auch rausnehmen, also man kann die
Jenny Lepis: aus diesem Gesetz ausnehmen, das wäre auch eine Möglichkeit.
Jenny Lepis: Und das wäre eigentlich in der Logik des Ganzen auch sinnvoll,
Jenny Lepis: weil nämlich die Qualifikation für die Professur in Anführungszeichen halt eigentlich keine mehr ist.
Jenny Lepis: Also die Leute sind einfach ausqualifiziert. Es gibt den europäischen Qualifikationsrahmen,
Jenny Lepis: da ist die Promotion das Höchste, was man erreichen kann.
Jenny Lepis: Und danach, also klar, wir wünschen uns alle, dass Menschen sich irgendwie im
Jenny Lepis: Leben noch weiterentwickeln danach und das nicht irgendwie die quasi dann den
Jenny Lepis: Stift fallen lassen und sagen, ich lerne jetzt nichts mehr und mich interessiert hier jetzt nichts mehr,
Jenny Lepis: sondern natürlich gilt lebenslanges Lernen ist wünschenswert in allen Branchen,
Jenny Lepis: nicht nur in der Wissenschaft, aber man muss ja da dann nicht irgendwie diesen
Jenny Lepis: Qualifikationsstempel drauf machen und sagen, ja, die Habilitation ist dann
Jenny Lepis: jetzt nochmal eine erforderliche Qualifikation.
Jenny Lepis: Weil halt einfach diese sogenannte Qualifikation, die qualifiziert für Professuren, die es nicht gibt.
Jenny Lepis: Also das heißt, ich kann mir auch irgendeine Quatsch, andere noch eine,
Jenny Lepis: sozusagen, ich kann mir noch die Super-Habilitation als Qualifikation danach ausdenken.
Jenny Lepis: Ich kann mir natürlich alles Mögliche ausdenken an Qualifikationen.
Jenny Lepis: Aber wenn die halt wirklich für Stellen qualifizieren, die nicht existent sind
Jenny Lepis: oder nur in so einem geringen Maß, dass das halt wirklich wie Glücksspiel ist,
Jenny Lepis: ob man die bekommt. Übrigens kriegt man mehr Lose mit mehr Privilegien.
Jenny Lepis: Also man hat dann auch noch quasi keine besten Auslese, sondern eigentlich eine
Jenny Lepis: privilegierten Auslese am Ende.
Jenny Lepis: Und da kommen aber trotzdem immer noch nicht alle durch, nicht mal die privilegierten
Jenny Lepis: von den anderen ganz zu schweigen.
Jenny Lepis: Also das ist einfach etwas, was man so nicht machen muss und dann kann man auch
Jenny Lepis: eben nicht mehr rechtfertigen, warum die Leute befristet sind,
Jenny Lepis: weil im Wissenschaftszeitvertragsgesetz ist die Begründung für die Befristung,
Jenny Lepis: die qualifizieren sich ja noch.
Jenny Lepis: Und das klingt, als wenn das Azubis sind. Und ich meine, bei aller Liebe,
Jenny Lepis: das sind halt einfach promovierte Leute, die sind irgendwie Ende 30, Anfang, Mitte, Ende 40.
Jenny Lepis: Andere Leute sind seit Jahrzehnten etabliert in ihrem Beruf in dem Alter und
Jenny Lepis: das gilt ja für die WissenschaftlerInnen auch. Die werden aber behandelt,
Jenny Lepis: als seien sie halt irgendwie Azubis, die man an die Hand nehmen muss.
Jenny Lepis: Auch durch diesen umständlichen Nachwuchsbegriff, der zum Glück jetzt von uns
Jenny Lepis: auch sehr zurückgedrängt wurde, der wird jetzt nicht mehr in der Form verwendet.
Jenny Lepis: Und trotzdem sagt man manchmal junge Leute, ich war jetzt ja sehr schmeichelhaft,
Jenny Lepis: ich bin 14, gesagt gerne, dass ich eine junge Wissenschaftlerin bin,
Jenny Lepis: aber so jung bin ich nun jetzt auch nicht mehr, weil ich liebe.
Jenny Lepis: Und das ist auch okay. Also ich bin damit ganz glücklich, dass ich in dem Alter
Jenny Lepis: bin, in dem ich bin und ich möchte nicht behandelt werden, als wäre ich irgendwie
Jenny Lepis: eine Erstsemesterstudentin, die natürlich auch genauso Respekt und Anerkennung verdienen.
Jenny Lepis: Aber wenn es jetzt um diese Qualifikationsfragen geht, dann muss man einfach
Jenny Lepis: in Rechnung stellen, dass die Leute Qualifikation, Berufserfahrung,
Jenny Lepis: Lebenserfahrung, all das mitbringen und es einfach nicht gerechtfertigt ist,
Jenny Lepis: dass man sie behandelt, als wüssten sie noch nicht so genau, wie das alles läuft.
Jenny Lepis: Und da müsste man ihnen noch ein bisschen helfen dabei.
Jenny Lepis: Das ist einfach irgendwie eine ganz komische Auffassung von wissenschaftlicher
Jenny Lepis: Arbeit in dieser Phase. Du wirst der Wissenschaftskommunikation erhalten bleiben, nehme ich mal an.
Jenny Lepis: Und zum Abschluss vielleicht noch eine Netzwerkfrage.
Jenny Lepis: Ich bin Hanna, war auf Twitter sehr erfolgreich. Wo bist du denn jetzt so unterwegs?
Jenny Lepis: Ja, also meine Nachricht, dass ich aussteige, hatte ich ja über LinkedIn tatsächlich
Jenny Lepis: rausgehauen und da hat sie auch so sehr viel Resonanz gefunden.
Jenny Lepis: Erstaunlich viel, erfreulich viel auch. Also auch von KollegInnen,
Jenny Lepis: denen es ganz ähnlich geht und die sich ähnliche Gedanken machen.
Jenny Lepis: Also da bin ich tatsächlich unterwegs, aber vor allen Dingen bin ich auf Blue Sky unterwegs.
Jenny Lepis: Das ist ja doch jetzt, hat sich so jedenfalls in meinem Bereich und meiner akademischen
Jenny Lepis: Bubble, hat sich das jetzt als Alternative zu Twitter, Ex-Twitter,
Jenny Lepis: doch etabliert, würde ich sagen.
Jenny Lepis: Und da bin ich sehr positiv überrascht, dass es so gut gelungen ist,
Jenny Lepis: die Ich-bin-Hanna-Community, die ja eine ganz tolle Community ist,
Jenny Lepis: die ich sehr schätze und mag,
Jenny Lepis: da dann nicht in Gänze natürlich, aber schon in großen Teilen da irgendwie auch
Jenny Lepis: wieder hinzuholen. Und die sind da sehr aktiv.
Jenny Lepis: Und insofern, also da gibt es auch immer viel mitzulesen zum Thema Ich-bin-Hanna.
Jenny Lepis: Super, also da können wir dann draufschauen auf Blue Sky und LinkedIn und wenn
Jenny Lepis: euch das interessiert, könnt ihr auf dem Laufenden bleiben.
Jenny Lepis: Ich danke erstmal für das Gespräch und verweise auch noch auf unser Heft,
Jenny Lepis: das in diesem Monat erscheint und wünsche dir dann jetzt noch einen schönen Tag.
Jenny Lepis: Tschüss. Danke ebenso. Ciao.
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