Spanien steht im WM-Finale, Trainer Luis de la Fuente ist der Architekt. Und liefert Anschauungsmaterial für den deutschen Fußball, auf wie neben dem Platz.
Spanien steht im WM-Finale, Trainer Luis de la Fuente ist der Architekt des Erfolgs. Und liefert Anschauungsmaterial für den deutschen Fußball, auf wie neben dem Platz.
Mit seinem schwarzen Anzug, dem grauen Bart und der Glatze sieht Luis de la Fuente – was für ein Name! – gar nicht aus wie ein Fußballtrainer. Eher wie ein Operndirigent, aber gewissermaßen passt das wieder: De la Fuente, 65 Jahre alt, ist der Dirigent des spanischen Fußballs.
Am Dienstag bewies er in vielerlei Facetten, was seinem Berufskollegen Julian Nagelsmann (Fußball, nicht Oper) und der deutschen Nationalmannschaft bei der WM 2026 gefehlt hatte. Auf und neben dem Platz.
„Im WM-Finale zu stehen, ist eine große Verantwortung. Gleichzeitig ist es ein Privileg, das nur wenigen Auserwählten zuteilwird. Das muss man erst einmal verarbeiten.“
Bescheiden, mit gesetzter Stimme referierte de la Fuente über die Reise, die Spanien schon zum EM-Titel 2024 geführt hatte und am Sonntag zum Endspiel nach New York führen wird: „Als wir vor fast vier Jahren gemeinsam begonnen haben, hatten wir eine klare Idee. Dieser Idee sind wir bis heute treu geblieben. Und genau das hat uns bis hierher gebracht.“
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De la Fuente ist der Architekt einer Mannschaft, deren „Disziplin, Organisation und Engagement“ er lobte. Auch zwischenmenschlich habe es in sieben WM-Wochen „kein einziges Problem“ gegeben, „ein Luxus, dass ich diese Spieler habe“, meinte er. Es sei „schwer zu beschreiben, was man fühlt, aber es muss der Freude und dem Stolz ähnlich sein, solche Profis zu trainieren“.
Natürlich ging ein Gruß ans Publikum, auf den Tribünen und in der Heimat: „Ich bedanke mich für die Unterstützung, für die Zuneigung. Zusammen sind wir in dieses Finale eingezogen.“
Dann: Schnitt von Dallas nach Berlin, zurück ins ZDF-Studio. Da saß Ex-Bundesligacoach Christian Streich auf der Couch und wollte dringend etwas beitragen:
„In diesem Interview hat er achtmal die Mannschaft erwähnt, immer von der Gruppe gesprochen, vom Land, von der Dankbarkeit. Das ist ein Weltklasse-Trainer, da kommt nur Demut rüber. Und Ruhe. Und Zurückhaltung. Das ist außergewöhnlich. Und genau so spielt seine Mannschaft. Die Jungs sehen dieses Interview, und dann wissen sie, wie sie sich zu verhalten haben.“
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Es ist immer gemein, dass Sport von hinten nach vorne erzählt wird. Hätte das Tor von Jonathan Tah gegen Paraguay gegolten, wäre Deutschland ins Achtelfinale eingezogen und dort, man weiß ja nie, gegen Frankreich möglicherweise über sich hinausgewachsen. Und selbst, wenn es zu einem ehrenwerten Ausscheiden gekommen wäre: Die komplette Geschichte dieser WM hätte sich anders dargestellt.
Insofern ist Nagelsmann – wie jeder Trainer – ein Opfer der vielen fiesen Nuancen, die über Sieg oder Niederlage entscheiden. Und damit über die Bewertung von allem, was zuvor passierte. Das gehört zum Geschäft.
Nagelsmann gilt jetzt als Gesicht des deutschen WM-Debakels: seine diskutable Kommunikation, seine gescholtene Attitüde, seine erfolglosen taktischen Manöver. Deshalb ist es legitim, de la Fuente und die Spanier als Anschauungsmaterial heranzuziehen.
„La Roja“ spielen bei diesem Turnier nicht die Sterne vom Fußballhimmel wie die brillante Tiki-Taka-Generation von damals. Sie entzünden kein Feuerwerk, dafür glimmt das Licht beständig, dosiert und kalkuliert. 1,83 Tore pro Partie reichten fürs Finale, kaschiert obendrein durch ein 4:0 über Saudi-Arabien. Schön finden muss man das nicht, anerkennen durchaus.
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Im Duell mit der französischen Offensivwucht verblüffen die Iberer einmal mehr mit ihrer Defensivkunst als Zeugnis eines messerscharf durchexerzierten Plans. Es ist ja alles kein Zufall: Zum vierten Mal traf de la Fuenta mit Spanien auf das scheinbar übermächtige Frankreich. Zum vierten Mal gewann er.
Der Ex-Fußballer, der seine längste und beste Zeit in den 80ern bei Athletic Bilbao erlebte (zweimal Meister), arbeitet seit 1997 als Trainer und seit 2012 beim spanischen Fußballverband. Erst in diversen U-Teams, Anfang 2023 stieg er zum Chef der A-Nationalmannschaft auf.
37 Pflichtspiele in Folge ist das spanische Uhrwerk inzwischen ungeschlagen (letzte Pleite im März 2024 gegen Kolumbien). De la Fuentes Vorstellungen entfalten sich, und seine devote Art gefällt. Christian Streich applaudiert nicht als Einziger.
Nur einmal, ganz zum Schluss, schien Luis de la Fuente am Dienstag vom Kitzel gepackt und zu einer kecken Rhetorik veranlasst. „Wir haben gegen eine der besten Nationalmannschaften der Welt gespielt“, sagte er über die Franzosen. „Aber sie haben heute gegen die beste Mannschaft der Welt gespielt.“
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Hummels Spanien Frankreich: Hummels Spanien Frankreich
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