Wer mit der DB reist, steht oft vor einem undurchsichtigen Preissystem. Eine Langzeitstudie von Verbraucherschützern offenbart das Ausmaß der Kursschwankungen.
Die Deutsche Bahn (DB) soll das Rückgrat nachhaltiger Mobilität bilden. Doch das Tarifsystem stellt Reisende vor große Hürden. Extreme Preisschwankungen erschweren die verlässliche Reiseplanung, wie eine Langzeituntersuchung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv) offenlegt. Zwischen Juni 2024 und April 2026 werteten die Verbraucherschützer knapp 290.000 Verbindungsabfragen für den Fernverkehr aus.
Für ihren am Montag veröffentlichten Bericht untersuchten die Verbraucherschützer Direktverbindungen zwischen den fünf größten deutschen Städten für Fahrten tagsüber in der 2. Klasse. Besonders bei den günstigsten Einstiegstarifen klaffen demnach Werbung und Realität auseinander. Für Fahrten tagsüber zwischen 7 und 19 Uhr lag der günstigste auffindbare Super-Sparpreis an 76 Prozent der Erhebungstage über dem beworbenen Werbepreis – teilweise um bis zu 157 Prozent.
Nur an knapp jedem vierten Tag entsprach der tatsächlich verfügbare Preis dem Lockangebot oder lag darunter. vzbv-Cefin Ramona Pop beklagt die erhebliche Intransparenz: Wer sich mit dem System der Bahn nicht auskenne, sei im Zweifel klar im Nachteil. Sie fordert, dass günstig beworbene Tarife auch zu üblichen Reisezeiten verlässlich verfügbar sein müssen.
Drastische Spannen auch beim FlexpreisAuch der Flexpreis hat sich stark von seinem ursprünglichen Konzept entfernt. Statt der 2016 angekündigten leichten Schwankungen offenbart die Studie deutliche Preisspannen auf identischen Strecken im Fahrplanjahr 2025. Auf der Verbindung Berlin–Köln schlug das Ticket im günstigen Fall mit 99,90 Euro, im teuersten mit 185,10 Euro zu Buche. Die größte absolute Differenz gab es zwischen Frankfurt und Hamburg mit 154,20 Euro Unterschied. Bei etlichen Strecken war der Flexpreis an nachfragestarken Tagen mehr als doppelt so teuer wie am günstigsten Reisetag.
Zugleich relativieren die Daten die Zusage der Bahn, zum Fahrplanwechsel 2025/2026 auf die sonst üblichen Preiserhöhungen zu verzichten. Die Angebote bei kurz- und langfristigen Buchungen blieben im Durchschnitt zwar stabil oder sanken sogar leicht. Doch bei mittelfristigen Buchungen mit drei Wochen Vorlauf zogen die Sparpreise im ersten Quartal 2026 im Schnitt um 36 Prozent an. Auf einzelnen Verbindungen verdoppelten sich diese Tarife im Vergleich gegenüber dem Vorjahr sogar.
Sparpotenziale durch gezieltes BuchungsverhaltenWer trotzdem günstig fahren will, muss die Dynamik des Systems nutzen. Die besten Chancen auf niedrige Preise bieten dem vzbv zufolge Buchungen etwa zwölf Wochen im Voraus. Bei kurzfristigen Käufen in der Reisewoche lag der Super-Sparpreis im Schnitt knapp dreimal so hoch.
Neben der frühen Buchung schonen vor allem Randzeiten am frühen Morgen oder späten Abend sowie Reisetage wie Dienstag, Mittwoch und Samstag den Geldbeutel im Vergleich zu den teuren Hauptreisetagen Freitag und Sonntag. Der vzbv verlangt von der Politik und dem Bahnvorstand deutliche Nachbesserungen für ein einfacheres und transparenteres System, damit der Umstieg auf die Schiene nicht am Tarifdschungel scheitert.
(vbr)
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