Sie schrieb über Erinnerung, Geschichte und das Saarland. Nun ist die Schriftstellerin Ulrike Kolb gestorben. Sie wurde mit dem saarländischen Kunstpreis geehrt – und ein Pudding nach ihr benannt.
Saarbrücken · Sie schrieb über Erinnerung, Geschichte und das Saarland. Nun ist die Schriftstellerin Ulrike Kolb gestorben. Sie wurde mit dem saarländischen Kunstpreis geehrt – und ein Pudding nach ihr benannt.
Ulrike Kolb (1942-2026), Schriftstellerin und Kunstpreisträgerin des Saarlands.
Foto: Iris Maria Maurer„Je älter ich werde, desto öfter denke ich an die Anfänge meines Lebens im Saarland.“ Das sagte Ulrike Kolb vor einem Jahr im SZ-Interview in Saarbrücken – da war sie von Berlin angereist, um den Kunstpreis des Saarlandes entgegenzunehmen, dessen höchste künstlerische Auszeichnung. 82 Jahre alt war die Schriftstellerin da, nannte sich selbst scherzhaft „eine saarländische Uroma“. Jetzt ist Ulrike Kolb gestorben, am Mittwoch, wenige Wochen nach ihrem 84. Geburtstag.
In Saarbrücken kam sie zur Welt, im Völklinger Stadtteil Fenne köchelte ihr Vater Erich Kolb in seiner Fabrik allerlei Süßwaren und Marmeladen: nicht zuletzt den legendären „Fenner Harz“ und einen Nachtisch, den er nach seiner Tochter Ulrike nannte: den „Uli-Pudding“. Die Tochter begann vom Saarland aus eine bewegte, stationenreiche Biografie: Abitur im Schwarzwald, zwei Semester an der Werkkunstschule in Saarbrücken, Haushaltsschule in Berlin und Sprachschule in London; zurück in Berlin studierte sie Pädagogik, war in der Studentenbewegung sehr aktiv, studierte in Frankfurt Soziologie und Psychologie, schrieb unter anderem für die „Frankfurter Rundschau“ und arbeitete für den Rundfunk. 1984 erschien ihr erstes Buch, die Erzählung „Der Rabe“. Von da an lebte sie als freie Schriftstellerin, erst noch in Frankfurt, später dann, ab 2010, wieder in Berlin. 1995 wurde ihr Text „Danach“ beim Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.
Saarland-Roman „Schönes Leben“
Neben der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts war das Phänomen Erinnerung ein grundlegendes Thema ihrer Arbeit – und damit auch die Erinnerung an das Aufwachsen im Saarland. In ihrem 1990 erschienenen Roman „Schönes Leben“ schrieb sie über die Region in der Nachkriegszeit, über die Feindschaft zwischen Franzosen und Deutschen, über den europäischen Gedanken, der schneller gedacht als verwirklicht ist. Dieser erinnerungspralle Roman war lange vergriffen, bis er im vergangenen Jahr beim Conte Verlag in St. Ingbert wieder erschien.
„Weil wir uns kannten und mochten“
Dessen Verleger Stefan Wirtz, der die Nachricht vom Tode Kolbs am Donnerstag im Urlaub erhalten hat, ist „sehr, sehr traurig“. Persönlich kennengelernt habe er Kolb über einen gemeinsamen Bekannten, „und sie hat mir dann die Rechte am Roman übertragen – weil wir uns kannten und mochten, weil das Buch vom Saarland erzählt und weil der Conte Verlag im Saarland liegt“. Von Kolb könne Wirtz nur schwärmen, sagt er, sie sei „klug, empathisch und zugewandt“ gewesen. Ihr Buch „Schönes Leben“ sei „mit das beste, was jemals über das Saarland geschrieben“ worden sei, sagt Wirtz; zugleich empfiehlt er ihren sehr persönlichen, autobiografischen Band „Erinnerungen so nah“, ihr letztes Buch, das 2021 im Wallstein Verlag erschien. „Wenn man mehr über sie wissen will, muss man das lesen“, sagt Wirtz. „Man wird sie sehr vermissen.“ (jos)