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„Völklingen Remixed“: Kunst trifft Weltkulturerbe – wie Völklinger Kinder die Hütte sehen

Дата публикации: 03-08-2026 17:00:00




Manche von ihnen wohnen ihr ganzes Leben in Völklingen – und waren noch nie in der Hütte. Ein Projekt für Kinder und Jugendliche im Weltkulturerbe öffnet jetzt Türen. Was die Teilnehmer dort erleben und warum das Projekt mehr ist als ein Ferienprogramm.



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„Völklingen Remixed“ Kunst trifft Weltkulturerbe – wie Völklinger Kinder die Hütte sehen

Völklingen · Manche von ihnen wohnen ihr ganzes Leben in Völklingen – und waren noch nie in der Hütte. Ein Projekt für Kinder und Jugendliche im Weltkulturerbe öffnet jetzt Türen. Was die Teilnehmer dort erleben und warum das Projekt mehr ist als ein Ferienprogramm.

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Sie können Kunst – Fotos vom Projekt „Völklingen Remixed“ für Kinde rund Jugendliche der Völklinger Hütte

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Foto: Hannah Merk

Die erste Frage, die die Künstlerin und Kunstvermittlerin Hannah Mevis im Atelier mitten auf dem Gelände des Weltkulturerbes Völklinger Hütte in die Runde stellt, lautet: „Wie gehts euch heute? Zeigt mal die Daumen!“ Neun kleine Daumen werden am großen Tisch gezeigt, auf dem Farben, Pinsel und Pappteller bereitliegen. Die meisten Daumen zeigen nach oben, manche sind auch auf „neun Uhr“, hier und da gähnt es – aber niemand reckt den Daumen in Richtung Boden.

Ferienprogramm mit Lerneffekt und Gemeinschaftsgefühl

Die jungen Leute in der Gruppe kennen sich mittlerweile untereinander: Seit Dienstag, 21. Juli, sorgen Sieben- bis 14-Jährige aus der Stadt für ein „Völklingen Remixed“. In Vorbereitung auf die Großausstellung „Das stählerne Herz“ in der Völklinger Hütte erforschen die jungen Projektteilnehmer an sechs Terminen – jeweils einen ganzen Tag lang – künstlerisch die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Völklinger Hütte.

Mit liebevoller Strenge und Einfühlsamkeit werden sie von den Künstlerinnen Hannah Mevis und Lara Steinke sowie von Leo Scheidt, verantwortlich für Bildung und Vermittlung im Team des Weltkulturerbes, begleitet. Gemeinsam haben sie am Donnerstag, dem Vortag des Besuchs der SZ, unter anderem Skulpturen gebastelt, die jetzt bemalt werden sollen.

Die Skulpturen sind inspiriert durch das, was die jungen Künstlerinnen und Künstler auf ihren Streifzügen durch die Hütte erlebt haben. Besonders eindrücklich für die Kinder: die Helmstation, Röhren, Brücken, Wagen, King Kong aus dem Paradies. Hasan (12) hat zum Beispiel einen „modernen“ Arbeiter gestaltet. Jetzt bekommt der noch eine blaue Hose, ein gelbes T-Shirt und blaue Augen. Teilnehmer Tarek hat sogar sieben Skulpturen gemacht. Manchmal, so berichtet Lara Steinke, mischen sich dabei auch Motive des gemeinsamen Alltags mit denen, die vor Ort zu finden sind: Zum Beispiel waren auch Eis oder die Rutsche Kunstobjekte. Da bekommen die Kinder ganz freie Hand.

Das bedeutet das Projekt für die Kinder

Von den Kindern, die am Projekt teilnehmen, sind viele arabische Muttersprachler. Teils wohnen sie schon ihr ganzes Leben lang in Völklingen und waren trotzdem vorher nie zu Besuch in der Völklinger Hütte – auch wenn der Eintritt für Kinder frei ist, berichtet Leo Scheidt. Scheidt hat das Projekt gemeinsam mit Hannah Mevis entwickelt und die Förderung beantragt.

Manche Familien der Kinder könnten sich einen Sommerurlaub schlicht nicht leisten. Anstatt zu Hause zu sitzen, hätten die Kinder nun ein „Programm mit Lerneffekt“, wie es Dagmar Gruber vom Verein BARIŞ ausdrückt. Gemeinsam mit Azdam Sheik Nabo von der Arbeitskammer des Saarlandes, dort zuständig für schulbezogene Förderung, vertritt sie das Interkulturelle Kompetenzzentrum der Arbeitskammer des Saarlandes. Die beiden sind morgens mit den Kindern zum Weltkulturerbe gekommen. Die Kooperationspartner, zu denen neben BARIŞ auch das Jugendzentrum Völklingen des Regionalverbands und die Gemeinwesenarbeit Wehrden des Caritasverbandes für Saarbrücken und Umgebung zählen, haben die Kinder zum Projekt angemeldet – und das Interesse für das Ferienprogramm sei groß gewesen, meint Dagmar Gruber. Mittlerweile würden die Kinder auch sagen, dass sie gern einmal ihre Eltern zum Weltkulturerbe mitnehmen würden.

Kinder entscheiden selbst, womit sie sich befassen wollen

Den kreativen Phasen, in denen gewerkelt wird, geht meist der Besuch der Ausstellungen oder anderer Orte im Weltkulturerbe voraus, außerdem gab es einen Stadtrundgang. Besonders angetan seien die Kinder von den Kunstobjekten in der Urban-Art-Biennale. Das Highlight: „Solar Echo“ – oder auch der „Glitzermann“, wie die Kinder das Kunstwerk betitelt haben. Dabei handelt es sich um eine Installation des Künstlers Baptiste Debombourg – eine Mischung aus Skulptur und Performance –, ein Anzug, der aus kleinen Bruchstücken eines Spiegels besteht, und so im wahren Sinn des Wortes die Facetten des Weltkulturerbes widerspiegelt. Mit dieser Art der performativen Kunst könnten die Kinder direkt viel mehr anfangen, berichtet Leo Scheidt: „Das bietet einen tollen Zugang, da sind sie direkt mittendrin.“

Leo Scheidt betont, dass das Projekt auch Modellcharakter habe. Scheidt ist erst seit Anfang Juli beim Weltkulturerbe für Bildung und Vermittlung zuständig. Das Projekt solle auch zeigen: Was interessiert die Jüngsten der Gesellschaft an der Völklinger Hütte? So mache er immer wieder die Beobachtung, dass das ganz andere Dinge sein könnten als bei Erwachsenen. Zwar gebe es auch immer wieder Workshops für junge Leute, aber dieses neue Projekt eröffne durch seinen Umfang auch neue Möglichkeiten.

Ob über Skulpturen, Collagen, Zeichnungen, Choreografien oder kleine Stop-Motion-Filme – das übergeordnete Ziel des Projekts sei, den jungen Teilnehmern über die Kunst Zugänge zu ermöglichen, verschiedene künstlerische Techniken zu vermitteln und Netzwerke entstehen zu lassen. Neben der Kunst an sich lernen die Kinder nebenbei auch, wie man sich im Museum richtig verhält. Außerdem gibt es klare Anweisungen zum Umgang miteinander. Ganz oben steht dabei: „Fragen stellen. Und Spaß haben.“ Und beides nehmen sich die Nachwuchskünstler, die die eher gemächlichen anderen Besucher des Weltkulturerbes ordentlich aufmischen, sozusagen „remixen“, augenscheinlich sehr zu Herzen.

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