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Saarbrücken: Acting & Arts Saarbrücken – Petra Lamy verkleinert ihre Schauspielschule

Дата публикации: 05-08-2026 06:49:00




Nach 16 Jahren gibt Petra Lamy einen Großteil der Räume ihrer privaten Schauspielschule auf. Warum sie ihr Herzensprojekt verkleinert – und trotzdem weitermacht.



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Saarbrücken Acting & Arts Saarbrücken – Petra Lamy verkleinert ihre Schauspielschule

Saarbrücken · Nach 16 Jahren gibt Petra Lamy einen Großteil der Räume ihrer privaten Schauspielschule auf. Warum sie ihr Herzensprojekt verkleinert – und trotzdem weitermacht.

Petra Lamy im großen Probenraum, den sie vorerst für Trainings behält.

Petra Lamy im großen Probenraum, den sie vorerst für Trainings behält.

Foto: Silvia Buss

Petra Lamy ist gerade beim Packen. Regale, Requisiten, sogar ein Tennis-Schiedsrichterstuhl: Nicht alles, aber vieles muss weg. Die Saarbrücker Schauspielerin, Regisseurin, Dozentin und Leiterin der privaten Schauspielschule „acting & arts“ will sie verkleinern. Lamy zieht sich mit ihrer Schule schrittweise aus den vielen Räumen im Obergeschoss der ehemaligen Neufang-Brauerei an der Dudweiler Landstraße zurück.

Den größeren der beiden Probenräume wird Lamy weiter nutzen, um ihre Unterrichtsangebote weiterzuführen. „Letztendlich ist es so: Diese Räume werden einen neuen Hauptmieter haben“, erklärt sie. Die international aktiven Tango-Pädagogen und Organisatoren von Tango-Events, Melina Sedó und Detlef Engel, die maßgeblich im Netzwerk des Tangokombinats aktiv sind, werden die Etage des denkmalgeschützten Baus in der Dudweiler Landstraße über der Kufa übernehmen – als Hauptmieter, schrittweise.

Mithilfe von Crowdfunding wollen sie die Räume renovieren und als „TK-Raum“ weiterbetreiben. Wobei das „TK“ nicht nur für das Tangokombinat stehen soll, sondern für viele Nutzungsmöglichkeiten: Tanz, Theater, Treffpunkt, Training, Teilhabe, Kunst, Kultur, Konferenz und Kreativität.

In der Schauspielschule gab es Inszenierungen mit aufwendigen Bühnenbildern.

In der Schauspielschule gab es Inszenierungen mit aufwendigen Bühnenbildern.

Foto: accting&arts/acting &arts

16 lange Jahre hat Lamy hier am Stadtrand ihre eigene Schauspielschule betrieben. Dass so ein mutiges Projekt überhaupt gelingen kann, haben sich damals vermutlich viele gewünscht – und nicht wenige bezweifelt. Denn da das Land die Schauspielabteilung der Musikhochschule aus Spargründen geschlossen hatte, fehlte hierzulande der Nachwuchs, gerade auch in der Freien Szene. Bei der Eröffnung von „acting & arts“ am 9. Oktober 2010 feierten viele Prominente aus der Saarbrücker Kultur und Politik mit.

Über die Jahre sind wohl einige tausend Menschen in Lamys Schule ein- und ausgegangen. Manche besuchten nur einige Workshops. Andere „leckten Blut“, absolvierten Modul für Modul und fanden so den Weg in die „acting & arts“-Company, die unter Lamys Regie anspruchsvolle Theaterinszenierungen vor vollem Haus aufführte. „Die Idee war, dass ich die Art des Schauspiels, die ich bei meinem Lehrer gelernt habe, weitergebe, die auf sensorischer Wahrnehmung basiert“, erzählt Lamy.

Viele Jahre arbeitete sie mit dem renommierten Schauspiellehrer Dominic De Fazio zusammen, der aus Lee Strasbergs Actors Studio hervorging. Ihr Plan für „acting & arts“ war eigentlich überschaubar: Lamy wollte ursprünglich lediglich zwei Jugend- und zwei Erwachsenenklassen leiten und jemanden für das Büro anstellen.

Doch wie das Leben so spielt, entwickelte die Schule eine Eigendynamik. Weil die damalige Büroangestellte Tai-Chi unterrichtete, wurde die asiatische Kampfkunst kurzerhand ins Programm aufgenommen. Bald darauf stieß Tänzer und Choreograf Samuel Meystre hinzu und fragte: „Sollen wir nicht mal Körpertraining hier machen?“ So wurde das Angebot immer größer.

Ein Aushängeschild der Schule wurde schließlich das Orientierungsjahr – liebevoll „OJa!“ genannt: ein sechsmonatiges Intensivprogramm für alle, die herausfinden wollten, ob der Schauspiel-Beruf eine ernste Option für sie ist – oder bloß ein Hobby. Unter den „OJa!“-Absolventen finden sich heute große Namen wie die Staatstheater-Schauspielerin Laura Trapp, Filmregisseur Jörn Michaely und Schauspieler, Regisseur und Autor Benjamin Kelm.

Die Schule überstand zwar die Pandemie, hatte anschließend sogar einen größeren Zulauf. Seit etwa zwei Jahren nimmt Petra Lamy aber eine deutliche Veränderung im Freizeitverhalten wahr. Immer mehr Klienten verabschiedeten sich demnach mit den Worten: „Das ist toll, aber ich habe keine Zeit.“

Hinzu kommt ein Phänomen, das sie als „Zehnerkartenmentalität“ bezeichnet: Die Leute wollten sich nicht mehr festlegen, sondern entschieden oft erst um 18 Uhr, ob sie um 19 Uhr Lust auf einen Kurs haben – oder doch lieber ins Kino gehen wollen. „Und unter anderem dieses Bedürfnis, kurzfristig zu entscheiden, hatte zur Folge, dass unsere wöchentlichen Module keinen Zulauf mehr hatten“, resümiert Lamy. Auch die Wünsche der Dozenten veränderten sich nach der Pandemie: Statt kontinuierliche Kurse wollten sie lieber kurze und intensive Workshops unterrichten, um dazwischen frei für eigene künstlerische Projekte zu bleiben.

Petra Lamy auf der Bühne. Nach der Verkleinerung ihrer Schule will sie sich verstärkt schauspielerischen Projekten widmen.

Petra Lamy auf der Bühne. Nach der Verkleinerung ihrer Schule will sie sich verstärkt schauspielerischen Projekten widmen.

Foto: Laffitau/Jean M. Laffitau

Zudem entstand ein neuer Schwerpunkt: Immer öfter klopfen Menschen bei Lamy an, die gar keine professionellen Schauspieler werden wollen, sondern nach Persönlichkeitsentwicklung suchen. „Beim Schauspieltraining geht es ja um Arbeit an sich selbst: Nicht um ein ‚So-tun-als-ob’, sondern darum, authentisch zu werden“, betont Lamy. Ein Ansatz, der im modernen Management genau den Nerv der Zeit treffe. Und aus dem modernen Management weiß man wiederum: Nur wer auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel reagiert und sich selbst stetig weiterentwickelt, fällt nicht zurück.

So ist die Abgabe der Räume-Verantwortung für Lamy kein Abschied in Wehmut, sondern ein bewusster Schritt in Richtung neuer Freiheiten: „Weil ich noch mal Energien frei haben möchte für mich als Schauspielerin, Sängerin, Leserin und Regisseurin, eventuell auch in neuen Konstellationen“, sagt sie.

Dabei will sie ausgewählte Kurse, Jugendklassen und Training für Führungskräfte sowie alle Menschen, die an ihrer Präsenz arbeiten möchten, mit ihrem Team fortführen – in kleinerem Rahmen, aber mit unverminderter Leidenschaft. (jpu/skm)

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