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Rund 400 Menschen setzen Zeichen gegen sexualisierte Gewalt und fordern politische Konsequenzen

Дата публикации: 27-07-2026 15:00:00

Ein ehemaliger Grossrat hat über Jahre hinweg Frauen betäubt und missbraucht. Die SP Frauen Aargau organisierten am Montag eine Mahnwache. Sie wollten Solidarität mit den Betroffenen zeigen und den Druck auf die Politik erhöhen. Hier können Sie die wichtigsten Momente der Mahnwache im Ticker nachlesen.

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Darum geht es
  • Die Mahnwache setzte ein Zeichen der Solidarität mit den Betroffenen und gegen das Wegschauen.
  • Rednerinnen und Redner betonten, der Fall sei kein Einzelfall, sondern Ausdruck struktureller Gewalt.
  • Die Organisatorinnen erhöhen den Druck auf Politik und Behörden, Betroffene besser zu schützen und Verfahren zu verbessern.
  • Die Botschaft des Abends: «Die Scham muss die Seite wechseln» – Verantwortung und Konsequenzen sollen bei den Tätern und den Institutionen liegen, nicht bei den Betroffenen.
Das Video zur Mahnwache in Untersiggenthal

Video: Tele M1 / CH Media Video Unit / Linus Bauer

Die Mahnwache in Bildern

19:12 UhrMontag, 27. JuliDie Menschen gehen – die Botschaft bleibt

Die Masse verteilt sich langsam, erste Teilnehmende nehmen den Bus zurück Richtung Baden. Viele weitere bleiben auf dem Dorfplatz, der mittlerweile von der Abendsonne beschienen wird, und reden. Sie unterhalten sich über den Fall, sind gemeinsam hässig, aber lachen auch und liegen sich in den Armen. Eine Frau macht Damaris von Arx, der Mitorganisatorin, ein Kompliment: Es sei schön gewesen, wie die Solidarität im Fokus gestanden habe, anstatt sich zu sehr am Täter und seiner ehemaligen Partei abzuarbeiten.

Das bleibt von diesem Abend: eine tröstende Stimmung – trotz der bedrückenden Umstände. Wir schliessen an dieser Stelle unseren Liveticker und danken Ihnen fürs Mitlesen.

19:02 UhrMontag, 27. JuliTeilnehmende legen ihre Botschaften nieder

Damaris von Arx übernimmt nochmals das Port. Sie endet mit der Aufforderung, alle mögen ihre mitgebrachten Schilder in die Mitte des Platzes legen. Es kommt eine beachtliche Menge an Schildern zusammen. Die Reden sind beendet, die Menschen verteilen sich auf dem Platz und reden miteinander. Viele stehen um das Schildermeer herum und betrachten es nachdenklich.

18:54 UhrMontag, 27. JuliMia Jenni fordert politische Konsequenzen

Als Nächste spricht die Aargauer SP-Grossrätin und Co-Fraktionspräsidentin Mia Jenni. Sie sagt, sie habe in der vergangenen Woche vor Wut geweint, als sie vom Ausmass der Gewalt gegen Iwona L., Paula L. und die dritte Betroffene erfahren habe. Damit sei sie nicht allein.

Der Fall dürfe nicht als Einzelfall betrachtet werden, sondern sei Ausdruck struktureller Gewalt, die bereits bei Geschlechterstereotypen und sexistischen Witzen beginne. Jenni kritisiert zudem die Aargauer Behörden. Diese hätten das Leid der Betroffenen verstärkt, statt ihnen beizustehen, wie es die Istanbul-Konvention vorsehe.

Die Forderungen der Organisatorinnen seien klar: Der Fall müsse umfassend aufgearbeitet werden. Für die Ahndung geschlechtsspezifischer Gewalt brauche es mehr Ressourcen, zudem müsse diese als Härtefall anerkannt werden. Weiter fordert Jenni mehr Schutz für Betroffene, insbesondere für Migrantinnen. Abschliessend betont sie: «Das kostet. Und dieses Geld muss in die Hand genommen werden.»

18:42 UhrMontag, 27. Juli«Es ist nicht einfach, hierzustehen als Mann»

Von Arx übergibt das Wort an Martin Bachmann. Er setzt sich seit 35 Jahren mit Genderfragen auseinander, war früher Gewaltberater beim Männerbüro Zürich und arbeitet heute als Paartherapeut und Sexologe.

Bachmann sagt:  «Es ist nicht einfach, hier zu stehen, als Mann.» Als er von dem Fall erfahren habe, habe es ihm die Sprache verschlagen. Er schäme sich für jene Männer, die derart schreckliche Taten begingen. Als Sexologe, Sexualtherapeut und langjähriger Gewaltberater betonte er, der Fall sei kein Einzelfall. Männer hätten ein überproportional hohes Risiko, gewalttätig zu werden und andere Menschen zu verletzen. Deshalb müsse hingeschaut werden. Er sei Vater von drei Töchtern, die sich nicht aussuchen könnten, in welcher Welt sie aufwachsen. Er könne sie nicht vor allen Erfahrungen schützen. Umso wichtiger sei es ihm, dass die Gesellschaft dazulerne. «Wir können anders. Es braucht uns alle für mehr Frieden und Gerechtigkeit», sagt Bachmann.

18:31 UhrMontag, 27. Juli«Die Scham muss die Seite wechseln!»

Damaris von Arx greift zum Mikrofon. Sie betont, die Mahnwache richte sich weder gegen die SVP noch solle sie dem Täter eine Plattform bieten. Im Zentrum stehe die Solidarität mit den Betroffenen. «Die Scham muss die Seite wechseln», sagt von Arx. Man stehe an der Seite von Iwona L., Paula L. und der dritten Betroffenen sowie aller Frauen, die weggeschickt oder alleingelassen worden seien. Die Mahnwache solle hinschauen, wo andere wegschauten, und den Betroffenen eine Stimme geben, wenn ihnen selbst die Kraft fehle, laut zu sein.

Damaris von Arx: «Wir sind hier in Solidarität.»Damaris von Arx: «Wir sind hier in Solidarität.»

Bild: Sandra Ardizzone

18:26 UhrMontag, 27. JuliJetzt spricht Iwona. L

«Ich weiss, ihr wollt uns helfen, und darum möchte ich euch um Hilfe bitten, nicht mit Geld, sondern mit eurer Zeit, Aufmerksamkeit, Likes und Teilen im Internet. Ich habe beschlossen, auf meinen eigenen Beinen zu stehen und Frauen in ähnlichen Situationen zu helfen. Ich will diese Erfahrung nutzen, und einen Raum für Frauen auf meinem neuen Youtubekanal schaffen», sagt sie. Dafür gibt es einen intensiven Applaus, es wird «Bravo!» gerufen. Sie tritt unter grossem Applaus von der Bühne und umarmt hinten ihre Tochter.

Iwona L. : «Ich will diese Erfahrung nutzen, und einen Raum für Frauen auf meinem neuen Youtubekanal schaffen».Iwona L. : «Ich will diese Erfahrung nutzen, und einen Raum für Frauen auf meinem neuen Youtubekanal schaffen».

Bild: Sandra Ardizzone

18:19 UhrMontag, 27. JuliIwona und Paula L. sind eingetroffen

Damaris von Arx steigt auf ein improvisiertes Podest aus Paletten und  sagt, sie sei ganz schön nervös. Nach allgemeinen Informationen sagt sie: «We admire you for your courage, we thank you for your bravery, we stand here today in solidarity with you.» Iwona antwortet: «Thank you for supporting me and my daughter Paula.»

Iwona und Paula L. sind sichtlich gerührt.Iwona und Paula L. sind sichtlich gerührt.

Bild: Linda Leuenberger

18:03 UhrMontag, 27. JuliSchilder prägen das Bild

Die SP Frauen Aargau haben dazu aufgerufen, anstatt Kerzen lieber politische Botschaften auf Schildern mitzubringen. Zahlreiche sind dem Aufruf gefolgt.

17:51 UhrMontag, 27. JuliLangsam füllt sich der Dorfplatz

Auffallend ist die Diversität der Teilnehmenden. Es hat Eltern mit kleinen Kindern im Wagen, aber auch ältere Menschen, etwa die «Omas gegen Rechts», sowie migrantische Personen.

Teilnehmende der Mahnwache bekunden ihre Solidarität.Teilnehmende der Mahnwache bekunden ihre Solidarität.

Bild: Sandra Ardizzone

Mit jedem Bus, der an der Station Gemeindehaus hält, strömen mehr Menschen auf den Dorfplatz. Mia Jenni sagt, sie gehe davon aus, dass mehr Menschen kommen als die zunächst geschätzten 150. Der Solidaritätsaufruf hat im Internet weite Kreise gezogen.

17:43 UhrMontag, 27. JuliIwona und Paula L. nehmen an Mahnwache teil

Vor Beginn der Mahnwache richtet die Aargauer SP-Politikerin und Mitorganisatorin Damaris von Arx eine Bitte an die zahlreich erschienenen Medienschaffenden: Iwona und Paula L. werden an der Veranstaltung teilnehmen, möchten aber ausdrücklich nicht angesprochen oder interviewt werden. «Sie sind hier, um die Solidarität zu spüren», sagt von Arx. Iwona L. werde im Verlauf der Mahnwache eine Rede halten, sich darüber hinaus aber nicht äussern.

17:34 UhrMontag, 27. JuliOrganisatorinnen richten Appell an die Öffentlichkeit

Erste Menschen treffen auf dem Dorfplatz in Untersiggenthal ein. Medien stehen mit Kameras und Mikrofonen bereit. Derzeit sind vor allem Frauen aus dem Organisationskomitee und dem Umfeld der SP Frauen Aargau vor Ort.

Damaris von Arx gibt ein erstes InterviewDamaris von Arx gibt ein erstes Interview

Bild: Linda Leuenberger

Die Aargauer SP-Grossrätin und Mitorganisatorin der Mahnwache, Mia Jenni, sagt: «Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, einen Fall wie diesen aufzuarbeiten. Es handelt sich nicht um einen Einzelfall, sondern um die Spitze einer Gewaltpyramide. Es ist sinnbildlich für eine Kultur, in der Männer das Gefühl haben, Frauen zu besitzen und über sie verfügen zu können. Es beginnt mit sexistischen Witzen und endet in dieser Art von Brutalität. Unser Appell: Wir können das nicht dulden. Die Bekämpfung von sexualisierter, geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt muss in unserer Gesellschaft oberste Priorität haben.»

15:00 UhrMontag, 27. Juli«Diese Gewalt wird nicht importiert» – Mahnwache wegen Missbrauchsfall um Ex-Grossrat

Nach der Anklage gegen einen ehemaligen Aargauer Grossrat setzt die SP Frauen Aargau ein Zeichen. Eine Mahnwache soll Solidarität zeigen und den Druck auf die Politik erhöhen.

«Wir solidarisieren uns mit den Betroffenen», schreiben die SP Frauen Aargau zur Mahnwache auf Instagram. Sie rechnen mit circa 150 Teilnehmenden. SP-Frauen-Vertreterin Damaris von Arx sowie Mia Jenni, Co-Fraktionspräsidentin der SP im Grossen Rat, sollen Reden halten.

Die Mahnwache soll auch politische Forderungen sichtbar machen. Die Organisatorinnen verlangen eine «umfassende und transparente Aufarbeitung».

14:00 UhrMontag, 27. JuliEin Aargauer Dorf ringt mit dem Missbrauchsskandal

Über Jahre hat ein ehemaliger SVP-Politiker aus Untersiggenthal AG Frauen betäubt und missbraucht. Der Fall wühlt auf, ganz besonders im Dorf, wo den Täter viele gekannt haben. Wir haben uns im Dorf umgehört.

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