Verena Leister betreibt den Imbiss und Bootsverleih am Amselsee in Rathen, der durch einen Sturm völlig zerstört wurde. Ihre Reichweite brachte schnell Hilfe, aber auch Hater.
Sie konnte die Tränen kaum unterdrücken, als sie am Samstagnachmittag auf der Staumauer des Amselsees in Rathen stand. Dort, wo Koch-Influencerin Verena Leister sonst ihre Social-Media-Aufnahmen frisch, fröhlich und frech ansagt, ist ihr dieses Mal nur zum Heulen.
Der Wirbelsturm vom Freitag, der über Sachsen zog, kostete ein Menschenleben und verletzte zehn weitere Personen. Er zog eine zwei Kilometer lange Schneise durch den Wald, fegte einmal über den idyllischen Amselsee und machte Leisters Imbiss sprichwörtlich platt.
Die Dresdnerin hat den Sommerurlaub mit den Kindern abgebrochen und eilte direkt nach Rathen. Sie macht, was sie im Moment machen kann: Sie geht online, zeigt ihren Fans, wie es vor Ort aussieht und startet eine Spendenaktion. „Ich habe mit 25.000 bis maximal 40.000 Euro gerechnet“, sagt sie. Doch ihr Aufruf wurde deutschlandweit geteilt, das Hilferuf-Video auf Instagram sahen nach Leisters Angaben 1,9 Millionen Menschen.
Nach 15 Stunden war das Spendenziel von 200.000 Euro erreicht. „Ich bin so dankbar, hätte nie damit gerechnet“, sagt Leister dieser Zeitung. Teilweise seien bis zu 500 Euro als Einzelspende eingegangen.
Spendenmotivation: Sehnsucht und MitgefühlDie Hilfswelle ist überwältigend. Die Reichweite der TV-Köchin (“The taste“), die in Dresden einen privaten Dinner-Salon mit eigenem TV-Studio betreibt, ist groß. Aber die Sächsische Schweiz mit dem Amselsee ist auch ein Sehnsuchtsort. Die berühmte benachbarte Bastei besuchen jährlich über eine Million Menschen. Hier ist noch unberührte Natur: man lässt am See die Seele baumeln, isst einmal Pommes mit selbstgemachter Trüffelmayonnaise bei Verena Leister.
Doch letzteres geht in dieser Saison „definitiv nicht mehr“, so Leister. An Aufräumarbeiten ist im Moment noch nicht zu denken, die Bruchgefahr durch weitere Bäume ist zu groß. Der Sachsenforst hat rund um Rathen ein absolutes Waldbetretungsverbot erlassen. „Viele haben uns auch angeboten, mit anzupacken. Aber das muss noch warten“, erklärt sie dankbar. Zudem kann immer nur eine bestimmte Anzahl von Leuten vor Ort arbeiten, da das Holz über enge Wege abtransportiert werden muss.
Auch die Felsenbühne Rathen wurde verwüstet.
© Sebastian Kahnert/dpa
Wie hoch der Schaden tatsächlich ist, lässt sich im Moment nur schätzen. „Wir sind in die Hütte gekrabbelt und haben die Kassensoftware fürs Finanzamt geholt. Mehr war nicht zu retten“, sagt Verenas Partner. Zwei Bäume seien durchs Dach gespießt, das Fundament gebrochen, der Schaden größer als beim bloßen Anblick von außen. „Viele unserer Boote haben auf dem Steg aufgelegen. Als die Bäume drauf krachten, zerbrachen sie“, so Leister. Auch deren Neuanschaffung kostet Geld .
Dennoch war die Netzgemeinde, die den Spendenaufruf auf Gofundme sah, nicht nur mitfühlend. Einige beschwerten sich über die Höhe des gesetzten Spendenziels, andere fragten, ob denn keine privaten Rücklagen da seien. Und wiederum andere schrieben: Sie hätten doch gar kein Problem, seien doch nur die Pächter der „Wanderrast“ und des Bootsverleihs.
Leister erklärt dazu der OAZ: „Ja, das stimmt. Aber der Pächter hat uns eine 90 Jahre alte Hütte übergehen, in der wir 2024 mit vielen privaten Arbeitsstunden und Geld in der Höhe eines guten Mittelklassewagens eine Küche und den Imbiss gebaut haben. Wenn wir jetzt zu ihm gehen würden, bekämen wir wieder eine Hütte im Ursprungszustand hingesetzt, das besagt der Pachtvertrag.“ Und natürlich habe die Familie private Rücklagen gehabt. „Aber die haben wir vor fünf Wochen in den Kauf des ,Rosengartens' in Rathen gesteckt.“ Die Pension mit Restaurant soll nächstes Jahr öffnen. Verena und ein weiterer Geschäftspartner wollen das Projekt ohne Kredite stemmen.
Der Rest geht an andere Sturm-OpferSie ist „absolut dankbar für die vielen Spenden und Hilfsangebote“ und verspricht: „Sollten wir wirklich keine 200.000 Euro für den Wiederaufbau benötigen, dann sind wir gern bereit, etwas an andere abzugeben, die auch Schäden hatten.“ Eine Möglichkeit wäre die Bergwacht Sachsen, deren Schutzhütte beschädigt wurde. Leister: „Ich helfe auch gerne mit meiner Reichweite, sollten weitere Spendenaufrufe - zum Beispiel von der Bergwacht - gestartet werden.“
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