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Der Wolf hat Kreide gefressen: Markus Söder bringt sich für Zeit nach Friedrich Merz in Stellung

Дата публикации: 02-08-2026 19:26:59

Söder gibt sich in der ARD staatsmännisch. Er steht loyal hinter Friedrich Merz. Denn in dieser Position kann er dem Kanzler am besten beim Stolpern zusehen.

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Markus Söder bleibt ruhig. Er lässt sich nicht von Anna Engelke provozieren. Die stellvertretende Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios macht es Söder aber auch nicht allzu schwer. Mal fragt sie nach dem Ausscheren der drei CDU-Ministerpräsidenten aus dem Osten zur Rentenreform. Mal zur Krise der Automobilindustrie, die auch Bayern trifft. Söder darf beides kurz wegwischen: Das Konzept der Rentenkommission unterstützt Söder, weil es gut sei. BMW gehe es mit seinen „Hightech-Verbrennern“ besser als VW, sagt Söder. Punkt. Engelke fragt nicht nach.

Brav verteidigt Söder auch die Merz’schen Fehler bei der Kabinettsumbildung, von denen er „gar nicht weiß, ob das handwerkliche Fehler waren“, weil da doch ein Kandidat überraschend abgesagt habe. „Die Regierung steht“, sagt Söder, „und sie steht gut.“ Anna Engelke will bei so viel Regierungsoptimismus nicht weiter nachbohren. Schließlich kennt man ja Söders Treue zu Merz. Tatsächlich stand Söder auch vor der Sommerpause folgsam hinter dem Kanzler, als der die wachsweichen Kompromisse mit den Koalitionspartnern von der SPD verkünden musste. Auch die sinkenden Umfragewerte der Union scheinen Söder nicht zu beunruhigen. Was ist los mit dem Polit-Fuchs aus Bayern?

„Merz bleibt Kanzler“, sagt Söder

Selbst nach dem Terroranschlag beim Berliner CSD-Fest verhielt sich Söder ruhig. Ob beim Sommerinterview letztens im ZDF oder nun auch bei der ARD: Söder hält sich zurück. Der Fuchs ist zum Wolf mutiert. Und der Wolf hat Kreide gefressen.

Das Thema Kanzlerschaft habe er abgehakt. Da werde unendlich viel gequatscht, meint Söder. „Merz bleibt Kanzler“, sagt er. Man müsse nun arbeiten und weniger spekulieren. Was soll er auch sonst sagen? Dass Merz eben nur so lange Kanzler bleibt, bis er nach den Landtagswahlen im Osten gestürzt wird? Nein, das würde Söder selbstverständlich nicht sagen. Denn Söder weiß, dass er nur Kanzler wird, wenn er sagt, dass er es nicht wird. Derzeit zumindest.

Wer „Machtmensch“ googelt, erhält in der Bildersuche mehrere Fotos von Söder. Keines von Friedrich Merz. Zumindest unter den ersten 100 Bildern. Söder bereitet sich vor. Er wird nicht jünger. Im Januar wird er 60. Doch das Zeitfenster öffnet sich für Söder nochmals. Vielleicht das letzte Mal. Seine Social-Media-Aktivitäten sollen seit April seriöser wirken. Keine Fressorgien mehr mit Burger und Döner. Söder hält sich im Zaum. Er will staatsmännischer wirken, seriöser, meint Frau Engelke. Auch wegen der letzten, für die CSU durchwachsenen Kommunalwahlen in Bayern vom März. Doch mehr Seriosität hilft Söder auch im Bund. Denn Söder bringt sich auch für Berlin in Stellung.

Wen haben sie denn noch in der Union außer Söder?

Einmal wolle er noch als Kandidat für seine CSU antreten, sagte er neulich, und Bayern als Ministerpräsident ins neue Jahrzehnt führen. Im Herbst 2028 erst stehen Landtagswahlen im Freistaat an. Bis dahin kann noch viel passieren. Vor allem in Berlin.

Sein großes Vorbild Franz Josef Strauß hatte es 1980 knapp nicht ins Bonner Kanzleramt geschafft. Söder hatte angeblich ein Poster der CSU-Ikone Strauß über seinem Bett hängen. Ein anderer von Söders Vorgängern in der Münchner Staatskanzlei, Edmund Stoiber, schrammte 2002 ebenfalls nur hauchdünn an der Macht im Bund vorbei. Wenn nicht Söder, wird sich Söder denken: Welcher Bayer soll denn sonst endlich den Thron im Kanzleramt besteigen?

Und wen haben sie denn noch in der Union außer Söder, wenn Merz weiter herumstolpert und letztlich stürzt?

Der einzig ernsthafte Konkurrent für Söder sitzt in Düsseldorf, in Nordrhein-Westfalen, dem größten CDU-Landesverband: Hendrik Wüst muss sich im April 2027 in NRW bei den Wahlen bewähren. Tritt bundesweit jedoch kaum in Erscheinung. Die NRW-CDU hatte zudem zweimal ihre Chance. Nachdem Laschet als Kandidat und jetzt auch Merz als Kanzler es verbockt haben, sollte kein drittes Mal ein NRW-Mann ran. Und Jens Spahn, aus Borken in der Niederrheinischen Tiefebene, hat sich selbst aufs Abstellgleis manövriert. Nein. Jetzt läuft alles auf Söder zu. Von Hendrik Wüst benötigt er allenfalls wohlwollende Unterstützung. Solange Merz noch stolpert, ohne zu fallen, gibt sich Söder loyal. Doch Merz stolpert so oft, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis er endgültig fällt.

Zumindest nach außen: Söder als der loyale Begleiter des Kanzlers

Söder erklärt Anna Engelke noch, dass man in Deutschland derzeit nur mit einem konstruktiven Misstrauensvotum den Kanzler für die Union wechseln könne. Frau Engelke hätte erwidern können, dass das so nicht stimme. Denn auch Ludwig Erhard (1966) und Willy Brandt (1974) sind jeweils einfach von sich aus zurückgetreten. Frau Engelke hat das aber nicht erwidert. Aber Söder weiß das, weil er die deutsche Geschichte kennt, nicht nur die bayerische.

Anna Engelke will bei Markus Söder im ARD-Sommerinterview lieber nicht nachfragen.

Anna Engelke will bei Markus Söder im ARD-Sommerinterview lieber nicht nachfragen.

© Fabian Sommer/dpa

Lieber Erster auf dem Lande, als Zweiter in Rom. Julius Caesars eherne politische Regel besagt, dass es besser sei, als Statthalter in der Provinz zu verweilen, als im Kampf um die römische Herrschaft zu scheitern. So hat es auch Söders Idol Strauß nach 1980 gehalten. Doch Söder ist sowohl Erster in Bayern als auch Zweiter in Berlin. Ob unter Merkel oder Merz: Der CSU-Chef ist und war stets der zweite Kopf der Unions-Spitze neben dem CDU-Vorsitzenden. Früher der aufmüpfige Sidekick der Kanzlerin, jetzt der loyale Begleiter des Kanzlers. Zumindest nach außen hin: Ab und an hintertreibt er noch den ein oder anderen Regierungsbeschluss, ob über den Bundesrat wie bei der missglückten 1000-Euro-Prämie der Koalition, oder wenn es um die bayerische Tourismuswirtschaft und deren lebensnotwendige Mini-Jobs geht. Das hat Frau Engelke übrigens auch nicht erwähnt.

Im September könnte es zum Showdown kommen

In seiner Doppelfunktion als Ministerpräsident und CSU-Chef hat Söder weiter ein gutes Blatt auf der Hand. Gegen Armin Laschet aus NRW zog er 2021 bei der K-Frage, der Frage nach dem Kanzlerkandidaten, noch den Kürzeren. Gegen Friedrich Merz, den damals vermeintlichen Heilsbringer der Union, winkte er 2024 frühzeitig ab. Jetzt liegen die Karten anders. Es wird immer klarer, dass sich Merz verzockt hat. Der Bluff des großen Reformers ist aufgeflogen. Merz zieht die Union in den Abgrund und kann sich der zusätzlich zerrenden SPD nicht erwehren. Die Umfragewerte sind katastrophal.

Im ARD-Sommerinterview mit Anna Engelke bemerkt Söder nur lapidar, dass die CSU in Bayern weiter stabil sei und dort die AfD eher Wählerstimmen von den anderen Parteien abziehe. In Bayern habe man schließlich eine starke und innovative Wirtschaftspolitik, wirbt Söder selbstbewusst für sein politisches Vorzeigemodell, das die AfD in die Schranken weist. Wer keine Zukunft für sich sehe, wähle eben eher extremistisch, meint Söder und lässt ungesagt, dass dies eben das Problem der ostdeutschen Länder sei.

Und mit den Landtagswahlen im Osten im September könnte ein möglicher Showdown bevorstehen. Die Wahlen vom Frühjahr in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz verliefen für die CDU noch einigermaßen passabel. Doch in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnte es für die CDU zum Desaster kommen. Berlin zählt nicht, weil Berlin für die CDU immer schon anders war. Und selbst wenn die CDU im September noch mit einem blauen Auge davonkäme: Merz’ Tage sind gezählt. Söder steht bereit, wenn es wieder einmal zur K-Frage kommen sollte. Und wie die politische Mechanik funktioniert, weiß der gebürtige Nürnberger: Seit über 30 Jahren sitzt er im CSU-Präsidium und im bayerischen Landtag, seit fast 20 Jahren ist er Teil der bayerischen Landesregierung und seit acht Jahren Ministerpräsident. In Sachen Regierungserfahrung macht ihm keiner etwas vor.

Das Fazit des ARD-Sommerinterviews mit Markus Söder: Der CSU-Wolf frisst Kreide, damit ihn die Geißlein von der CDU als Kanzlerkandidaten hereinlassen.

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