Bauen ist teuer geworden, also greifen viele Eigentümer selbst zur Kelle. Der Großteil verkalkuliert sich dabei und macht teure Fehler.
Bauen ist teuer geworden, also greifen viele Eigentümer selbst zur Kelle. Der Großteil verkalkuliert sich dabei und macht teure Fehler.
Wo wird durch Eigenleistung wirklich Geld gespart? Wo wird sie zur Kostenfalle und welche Arbeiten sollten Sie auf keinen Fall selbst machen? Die Statistik erklärt, warum derzeit so viele Eigentümer selbst Hand anlegen: Laut Statistischem Bundesamt sind die Baupreise für Wohngebäude im Februar 2026 gegenüber dem Vorjahr um 3,3 Prozent gestiegen, Instandhaltungsarbeiten ohne Schönheitsreparaturen um 4,1 Prozent.
Tobias Beuler ist Bausachverständiger, mehrfacher Spiegel-Bestseller-Autor („Bau keinen Scheiß“) und YouTube-Host. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.
Wenn ich auf Baustellen unterwegs bin, höre ich diesen einen Satz fast jede Woche: „Das machen wir selbst, da sparen wir.” Die Idee ist nachvollziehbar. Und ein Tapeziertisch ist im Baumarkt schnell gekauft, eine Farbrolle ist keine Raketenwissenschaft.
Trotzdem ist Eigenleistung in den meisten Fällen, in denen ich sie auf Baustellen sehe, eine schlechte Rechnung. Nicht, weil Bauherren handwerklich unbegabt wären, sondern weil sie Zeit, Risiko und Folgekosten systematisch unterschätzen. Wer zu viel selbst macht, zahlt am Ende oft drauf – manchmal fünfstellig. Bei manchen Gewerken ist DIY sogar gesetzlich verboten.
Es gibt eine simple Faustregel, die ich Bauherren gerne mitgebe: Etwas kaputtzumachen ist deutlich einfacher als etwas neu aufzubauen. Genau hier liegt das ehrlichste Sparpotenzial. Alte Tapeten abreißen, alte Bodenbeläge aufnehmen, Putz abschlagen, eine Treppe abschleifen, einen Garten räumen, eine alte Küche entsorgen – das sind Aufgaben, die Bauherren mit gesundem Menschenverstand und ein paar YouTube-Videos selbst hinbekommen.
Wenn dabei etwas schiefgeht, baut der Profi anschließend ohnehin etwas Schönes drüber. Der Schaden ist begrenzt. Hier lassen sich, je nach Objekt, schnell mehrere Tausend Euro einsparen.
Wenn das Angebot der Baufirma 15.000 oder 20.000 Euro für Maler- und Putzarbeiten ausweist, denken viele Bauherren reflexartig: Das mache ich selbst, das ist doch nur Streichen. Theoretisch eine vernünftige Idee. Praktisch eine der häufigsten Fehlkalkulationen, die ich sehe.
Profis kalkulieren für die Malerarbeiten in einem normalen Einfamilienhaus oft 14 Tage mit zwei bis drei Leuten. Was bei Bauherren in Eigenleistung passiert: Aus 14 Profi-Tagen werden vier bis sechs Wochen, weil nur abends und am Wochenende gearbeitet wird. Die Decken werden wolkig, der erste Anstrich muss überarbeitet werden, die Beziehung leidet. Und während Sie streichen, passiert auf der Baustelle nichts. Der Elektriker kann seine Lampen nicht montieren, der Bodenleger nicht verlegen, die Küche nicht geliefert werden. Verschobene Termine kosten Geld, weil andere Handwerker zwischenzeitlich andere Aufträge annehmen und nicht mehr verbindlich liefern.
Mein nüchternes Fazit: In den meisten Fällen ist der Bauherr besser beraten, in seinem eigenen Beruf Geld zu verdienen und die Maler arbeiten zu lassen.
Hier wird es eindeutig, und das überrascht viele Eigentümer: Arbeiten an der Elektroinstallation – also alles hinter der Steckdose, am Sicherungskasten oder an festen Leitungen – dürfen Privatpersonen in Deutschland nicht selbst durchführen.
Die Niederspannungsanschlussverordnung schreibt vor, dass solche Arbeiten ausschließlich durch ein im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragenes Fachunternehmen ausgeführt werden dürfen. Für Gasinstallationen gilt nach der Niederdruckanschlussverordnung dieselbe Regel. Eine Lampe anschließen, eine bestehende Steckdose tauschen, eine Glühbirne wechseln – das ist erlaubt. Eine neue Steckdose setzen, einen Stromkreis erweitern, eine Therme anschließen – das nicht. Wer es trotzdem macht und es kommt zu einem Brand oder Personenschaden, riskiert nicht nur die Kosten, sondern auch den Versicherungsschutz.
Sanitärarbeiten sind technisch nicht verboten, aber sie sind das gefährlichste Feld für Bauherren mit YouTube-Mut. Der Grund: Eine falsch verpresste Verbindung, eine schlecht gesetzte Silikonfuge in der Dusche, ein nicht richtig gedichteter Übergang – das fällt nicht sofort auf. Es fällt auf, wenn der Estrich vollgesogen ist.
Die Dimension dieses Risikos zeigt eine Zahl des Gesamtverbands der Versicherer: Knapp die Hälfte des gesamten Schadenaufwands in der Wohngebäudeversicherung in Deutschland entfällt auf Leitungswasserschäden – mehr als auf Feuer, Sturm und Hagel zusammen.
Über Strom, Gas und Wasser hinaus gibt es einen größeren Bereich, in dem ich Bauherren dringend von Eigenleistung abrate: alles, was später unter Estrich, Putz oder Fliesen verschwindet. Heizungsrohre, Abdichtungen unter Bädern und Balkonen, Dampfbremsen in Dachschrägen, Anschlussfugen bei Fenstern, Fassadendämmung.
Diese Arbeiten sind nicht deshalb gefährlich, weil sie technisch besonders schwierig wären. Sie sind gefährlich, weil ein Fehler später nicht mehr zu sehen ist. Bis er Schaden anrichtet. Beim Fenstereinbau zum Beispiel reicht eine schlecht ausgeführte Anschlussfuge, um über Jahre Tauwasser in die Wand zu leiten – mit Schimmel als Endergebnis.
Dazu kommt das Haftungsproblem, das viele Bauherren nicht auf dem Schirm haben: Sobald Sie selbst Hand anlegen, fällt für diesen Bereich die Gewährleistung der Baufirma weg.
Wenn Freunde mithelfen: Sobald jemand auf Ihrer Baustelle anpackt, der nicht zur Kernfamilie gehört oder nicht von einer Fachfirma geschickt wurde, müssen Sie diese Person bei der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) anmelden.
Das gilt unabhängig davon, ob Sie zahlen oder nicht. "Bezahlbier" am Abend reicht aus. Passiert ein Unfall ohne Anmeldung, kann das für Sie als privaten Bauherren existenzbedrohend werden. Schadenersatzansprüche eines verletzten Helfers sind in keiner Privathaftpflicht abgedeckt.
Wenn der Altbau vor 1993 gebaut wurde: Asbest wurde in Deutschland erst 1993 verboten. In Häusern, die davor errichtet oder modernisiert wurden, finden sich asbesthaltige Materialien noch in Bodenbelägen, Fliesenklebern, Dachplatten, Fensterkitt, Putzen und Spachtelmassen.
Wer hier ohne Voruntersuchung mit Flex, Schleifer oder Hammer anrückt, kann sich, seine Familie und seine Helfer mit Fasern belasten. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz weist ausdrücklich darauf hin, dass private Bauherren bei Renovierungs- und Umbauarbeiten vorab klären müssen, ob asbesthaltige Baustoffe vorhanden sein können. Eine Materialprobe im Labor kostet rund 30 bis 50 Euro – und kann ein langes Leben retten.
Wenn ich Bauherren auf eine kurze Formel bringen müsste, wie sie über Eigenleistung entscheiden sollen, dann ist es diese: Sichtbar, trocken, nicht tragend, nicht angeschlossen – meistens DIY. Unsichtbar, feucht, tragend, elektrisch, gas- oder wasserführend – immer Profi.
Tapete abreißen: ja. Wand streichen, wenn Sie Zeit haben: vielleicht. Bodenbeläge im Wohnzimmer selbst verlegen: nur, wenn Sie es schon einmal gemacht haben.
Elektrik, Sanitär in der Wand, Dämmung, Abdichtung, Statik, Fensteranschluss, Asbestverdacht: nein, niemals.
Und ein letzter Tipp, der oft mehr spart als jede Eigenleistung: Holen Sie sich an den entscheidenden Punkten – Vertragsprüfung, Rohbauabnahme, finale Hausabnahme – einen unabhängigen Sachverständigen dazu. Was der findet, ist meist um ein Vielfaches mehr wert als das, was Sie mit der Farbrolle in vier Wochenenden einsparen.
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