Zinsen, Preise, Sanierungspflicht: Expertin Birgit Weber über den Immobilienmarkt 2026 – und was Käufer und Verkäufer jetzt wissen müssen.
Baufinanzierungsexpertin Birgit Weber erklärt, warum Lage allein nicht mehr entscheidet, wohin die Zinsen gehen – und wer 2026 wirklich am längeren Hebel sitzt.
FOCUS online: Viele Eigentümer verkaufen lieber, als eine teure Anschlussfinanzierung abzuschließen. Entsteht dadurch ein Angebotsüberhang und drückt das die Preise?
Birgit Weber: Von einem generellen Angebotsüberhang würde ich nicht sprechen. Die Realität ist komplizierter. Wer nur auf die Lage schaut, verpasst das eigentliche Bild. Heute entscheidet vor allem der energetische Zustand einer Immobilie darüber, wie leicht oder schwer sie sich verkauft.
Technisch und energetisch gut aufgestellte Immobilien laufen weiterhin gut. Da haben Verkäufer die Oberhand. Bei renovierungs- und sanierungsbedürftigen Objekten sieht es anders aus. Gestiegene Energiekosten und teurere Sanierungen belasten dieses Segment – egal ob die Immobilie in München oder Magdeburg steht.
Ist es bei der Beurteilung egal, ob ich meine Immobilie selber nutze oder vermiete?
Manche Experten glauben an dauerhaft hohe Zinsen – das sogenannte "High for longer"-Szenario. Sehen Sie das auch so?
Weber: Die Niedrigzinsphase der 2010er-Jahre war kein Normalzustand. Sie entstand durch eine ungewöhnliche Mischung aus kaum vorhandener Inflation und lockerer Geldpolitik. Beides gilt heute nicht mehr.
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Warum?
Weber: Die Rahmenbedingungen haben sich strukturell verändert. Höhere Staatsverschuldung, geopolitische Unsicherheiten, steigende Energie- und Lohnkosten – das sind keine kurzfristigen Phänomene. Ich rechne damit, dass sich langfristige Baufinanzierungen dauerhaft zwischen 3,5 und 4,5 Prozent einpendeln. Seit Anfang März sind die Zinsen bereits wieder um rund 0,5 Prozentpunkte gestiegen.
Und was ist konkret Ihr Rat?
Kurze oder lange Zinsbindung – was empfehlen Sie aktuell?
Weber: Kurze Bindungen klingen attraktiv, weil Sie theoretisch von sinkenden Zinsen profitieren. Aber das Anschlussfinanzierungsrisiko ist real. Und ehrlich gesagt: Der Vorteil ist ohnehin gering. Fünfjährige Bindungen liegen derzeit etwa 0,2 Prozent unter zehnjährigen – und viele Banken geben diesen kleinen Unterschied nicht einmal weiter.
Ich empfehle klar zehn bis fünfzehn Jahre Zinsbindung. Das gibt Ihnen Planungssicherheit. Sie wissen, was Ihre Immobilie kostet – über einen langen Zeitraum. Das schützt vor Überraschungen.
Wer sich trotzdem kurz binden will, sollte eine Sache sicherstellen: Die Finanzierung muss sehr solide stehen. Hohe Tilgung, ausreichende Rücklagen, und der Wille, die Zinsentwicklung aktiv zu beobachten. Das ist kein Selbstläufer.
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