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Crans-Montana-Opfer berichten über tödliche Feuerbrunst: Von Valentins Angst, nie wieder aufzuwachen

Дата публикации: 21-07-2026 18:03:00

Menschen verbrennen, Familien bleiben traumatisiert zurück – und niemand will schuld sein: Eine ARD-Doku über die Silvestertragödie von Crans-Montana zeigt nicht nur das Leid der Opfer, sondern auch die erschreckend schleppende Aufarbeitung.

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Menschen verbrennen, Familien bleiben traumatisiert zurück – und niemand will schuld sein: Eine ARD-Doku über die Silvestertragödie von Crans-Montana zeigt nicht nur das Leid der Opfer, sondern auch die erschreckend schleppende Aufarbeitung.

Von Flammen eingeschlossen zu sein, ihre brutale Hitze auf der Haut zu spüren, die Schreie anderer Verbrennender im Ohr – man kann sich kaum ein schlimmeres Szenario vorstellen. Für mehrere hundert zumeist junge Menschen wurde dieser Albtraum in der Silvesternacht 2025 Realität. 41 von ihnen überlebten den Brand in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana nicht, weitere 115 wurden dabei zum Teil schwer verletzt.

Doch selbst jene, die das Glück hatten, die Feuerkatastrophe ohne Brandnarben zu überstehen, sind bis heute gezeichnet. Kein Mensch kann so etwas überleben, ohne tiefe seelische Vernarbungen davonzutragen. „Ich habe wirklich gedacht, dass ich jetzt sterbe“, erinnert sich der 19-jährige Ferdinand in der ARD-Doku „Crans-Montana – Leben nach dem Feuer“ (abrufbar in der Mediathek). Dass er es trotzdem ins Freie schaffte, gleicht einem Wunder.

Nach der Feuerhölle: Eisige Kälte – und die Angst, nie wieder aufzuwachen

Erst Party, dann Panik: Um 01:26 Uhr setzt eine mit einer Sprühfontäne bestückte Champagnerflasche in der Bar „Le Constellation“ den Akustikschaumstoff an der Raumdecke in Brand. Handy-Aufnahmen belegen, dass trotzdem zunächst weitergefeiert wird – kein Alarm geht los, die Musik dröhnt weiter aus den Boxen. Dass bereits jetzt jede Sekunde zählt, ist den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht bewusst. Bis plötzlich ein Feuerball durch die Bar schießt und ein Inferno auslöst.

Valentin, zum Zeitpunkt des Brandes 16 Jahre alt, hat weniger Glück als sein Bruder Ferdinand, 40 Prozent seiner Haut an Gesicht und Oberkörper sind verbrannt. In seiner Erinnerung ist ihm trotzdem kalt, als er vor der Bar auf Hilfe wartet. Er will schlafen – und hat zugleich auch Angst davor. Weil er womöglich nicht mehr aufwachen könnte.

Weinend bittet die Barbesitzerin um Vergebung

Die ARD-Doku begleitet Ferdinand, Valentin und ihre Eltern durch das erste halbe Jahr nach der Feuerkatastrophe. Wie macht man weiter, wenn Sicherheit nicht mehr selbstverständlich ist? „Ich habe Angst jetzt“, bekennt die Mutter der beiden jungen Männer. Angst, wenn einer der Söhne mit dem Auto unterwegs ist, sich mit Freunden trifft, abends ausgeht.

Den Vater quälen bis heute die Fragen, wer die Verantwortung trägt und wie sich derlei künftig verhindern lässt. Auf beide Fragen gibt es bislang keine echten Antworten. Und damit legt die Doku den Finger in jene Wunde, die sich noch lange nicht schließen will: Niemand will schuld sein.

Ermittelt wird seit Januar gegen die Barbetreiber Jessica und Jacques Moretti sowie gegen die Gemeinde. Schon jetzt ist erkennbar: Kontrollen wurden versäumt, das Gefahrenpotenzial des laienhaft verklebten Schaumstoffs an der Decke bewusst ignoriert. Weinend bittet Jessica Moretti vor laufenden Kameras um Entschuldigung. Krokodilstränen? Denn ansonsten schieben sich die potenziellen Täter bis heute gegenseitig die Verantwortung zu. Berichte sprechen von „mafiösen Strukturen“ im Ort Crans-Montana.

Von Verlust und Schuld - und der Sehnsucht nach einem Neuanfang

Eine umfängliche Aufklärung des Silvester-Dramas steht weiter aus. Bis zur Anklage und Verurteilung potenzieller Schuldiger ist es noch ein langer Weg. Und ob es jemals dazu kommt, ist ebenfalls ungewiss. Immerhin: Seit 1. April darf in der Schweiz keine Pyrotechnik mehr in öffentlichen Räumen gezündet werden.

Das Feuer von Crans-Montana wird so zum Sinnbild für etwas, das nahezu alle Katastrophen nach menschlichem Fehlverhalten eint: Die einen tragen Narben davon. Und die anderen nicht einmal die Verantwortung.

Wie geht man als Opfer damit um, dass eine Tat vielleicht nie gesühnt wird? Die Familie von Valentin und Ferdinand zeigt eine Möglichkeit auf: die heilsame Neubewertung dessen, was sich nicht mehr ändern lässt.

Der Mut zum Blick nach vorn

Trotz seiner spannenden Haut und schmerzender Narben spielt Valentin inzwischen wieder Golf, geht mit Freunden feiern. „Ich versuche, dem Leben wieder am nächsten zu kommen“, sagt er. Und auch wenn es nicht mehr zu 100 Prozent identisch sein wird mit dem vor der Silvesternacht: „Vielleicht ist es ja besser so als früher?“

Während Valentin sich für ein „weiter so“ entschieden hat, sucht Ferdinand den Neustart. Der nicht sichtbar Gezeichnete will sein Studium in München abbrechen und erst einmal reisen. Die Welt als ein besonders großer Fluchtweg, wenn man so will.

Das Feuer von Crans-Montana hat das Leben vieler Menschen ausgelöscht und das Leben anderer für immer verändert. Während die einen sich vor der Verantwortung wegducken, versuchen die anderen, sich neu zu erfinden. Der Brand sei „das Ende von etwas, doch es markiert auch den Beginn eines etwas ruhigeren Lebens danach“, glaubt der Vater. Und auch wenn in der Doku jetzt vieles nach Heilung klingt: „Es wird noch sehr lange dauern, bis sie sich davon ganz erholt haben. Und das gilt für alle beide.“

Barbesitzerin Jessica Moretti: Entschuldigung unter Tränen

Barbesitzerin Jessica Moretti: Entschuldigung unter Tränen ARD

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Классификация: Происшествия. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 9. Тональность: 0. Информативность: 15.26. Источник: rss.focus.de.