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Rhein-Kreis Neuss kritisiert LVR: Ein Schlag „zur absoluten Unzeit“

Дата публикации: 30-07-2026 13:39:18




Bis zu 30,2 Millionen Euro Mehrkosten drohen dem Rhein-Kreis Neuss durch die geplante LVR-Umlage 2027. Landrätin Katharina Reinhold fordert eine externe Organisationsuntersuchung des LVR. Die Debatte um die Kreisumlage dürfte damit neu entfachen.



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Rhein-Kreis Neuss kritisiert LVR Ein Schlag „zur absoluten Unzeit“

Landrätin Katharina Reinhold nimmt den LVR in die Pflicht.

Landrätin Katharina Reinhold nimmt den LVR in die Pflicht.

Foto: Rhein-Kreis Neuss/Andreas Baum

Rhein-Kreis Neuss · Bis zu 30,2 Millionen Euro Mehrkosten drohen dem Rhein-Kreis Neuss durch die geplante LVR-Umlage 2027. Landrätin Katharina Reinhold fordert eine externe Organisationsuntersuchung des LVR. Die Debatte um die Kreisumlage dürfte damit neu entfachen.

Fünf Wochen ist es her, dass die Kommunen und der Kreis öffentlich Alarm geschlagen haben, weil sie am Limit sind. Nun droht der nächste Schlag ins Kontor: Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) plant eine deutliche Anhebung der Umlage für 2027 – und löst so eine Kettenreaktion aus. Denn mit der daraus resultierenden Erhöhung der Kreisumlage wird eine Debatte einhergehen, die für das laufende Jahr erst auf den letzten Drücker mit einem Kompromiss (inklusive globalem Minderaufwand) beendet und der Haushalt konsolidiert werden konnte. „Die geplante Erhöhung ist ein Schritt, der die kommunale Familie zur absoluten Unzeit trifft“, kritisiert Landrätin Katharina Reinhold. So werde die finanzielle Lage der kommunalen Familie insgesamt unmittelbar verschärft und es drohe die Gefahr, dass weitere Kommunen in die Haushaltssicherung gerieten.

Konkret geht es um einen Umlagesatz von voraussichtlich 18,75 Prozent, den der LVR für 2027 prognostiziert, was einer Steigerung von 16,4 Prozent gegenüber 2026 entspricht. „Für den Rhein-Kreis Neuss bedeutet dies, entsprechend der noch zu konkretisierenden Umlagegrundlagen, eine Aufwendung in einer Größenordnung zwischen rund 190,9 und 197,2 Millionen Euro“, so der Kreis. Diese Erhöhung der Landschaftsumlage würde für 2027 voraussichtlich mit zwischen 23,9 und 30,2 Millionen Euro mehr als im laufenden Haushaltsjahr zu Buche schlagen – was wiederum „einem Wert zwischen 2,5 und 3,06 Prozentpunkten Kreisumlage“ entspreche, heißt es weiter.

Mit ihrem Kostenpflichtiger Inhalt Aktionstag „Kommunen am Limit“ im Juni auf dem Neusser Markt sowie einer gemeinsamen Erklärung hatten die Landrätin und alle acht Bürgermeister im Kreis ihre Forderungen auch an den Landschaftsverband gerichtet. Denn die prekäre Finanzlage ist nicht hausgemacht, sondern strukturell bedingt, da die Kommunen immer mehr gesetzliche und zugleich immer teurer werdende Pflichtaufgaben von Bund und Land erfüllen müssen, ohne dass diese auskömmlich finanziert werden.

Jetzt hat sich Katharina Reinhold mit einem Schreiben direkt an LVR-Direktorin Ulrike Lubek gewandt, um Sorge und Kritik zum Ausdruck zu bringen: „Es ist dringend an der Zeit, dass auch Akteure wie der LVR die finanzielle Situation der Kreise, Städte und Gemeinden angemessen berücksichtigen und dies auch konsequent in ihre Finanzplanung einbeziehen“, so Reinhold, „statt zusätzlicher Belastungen durch eine höhere Landschaftsumlage wäre es an der Zeit für finanzielle Entlastungen der kommunalen Familie.“

Der LVR selbst hat erst kürzlich seine Leistungsübersicht für das Jahr 2025 veröffentlicht. Kämmerer Tilman Hillringhaus lässt sich dazu wie folgt zitieren: „Wir sind sehr froh, trotz der äußerst angespannten finanziellen Lage der kommunalen Familie auch im Jahr 2025 ein verlässlicher Partner des Rheinlands gewesen zu sein. Das soll auch künftig so bleiben.“ Mit Blick auf die wachsenden Herausforderungen spricht er davon, dass „die kommunale Familie gemeinsam mit Bund und Land Antworten finden muss“. Aus den veröffentlichten Zahlen lässt sich ablesen, dass der Rhein-Kreis Neuss im Jahr 2025 eine Landschaftsumlage in Höhe von 154,8 Millionen Euro gezahlt hat. Im gleichen Zeitraum hat der LVR Leistungen in Höhe von 347,6 Millionen Euro für den Kreis erbracht, worin allerdings Bundes- und Landesmittel enthalten sind.

Landrätin Katharina Reinhold nimmt aber auch den LVR in die Pflicht: „Der Landschaftsverband Rheinland erfüllt zweifellos unverzichtbare Aufgaben für die Menschen in unserer Region. Gerade deshalb trägt er jedoch auch eine besondere Verantwortung für einen wirtschaftlichen und nachhaltigen Einsatz der ihm anvertrauten Mittel. In Zeiten, in denen die Mitgliedskörperschaften zu einschneidenden Konsolidierungsmaßnahmen gezwungen sind, muss auch der Landschaftsverband bereit sein, mit der erforderlichen Ernsthaftigkeit seine eigenen Strukturen, Aufgaben und Standards kritisch zu hinterfragen“, erklärt sie. Und regt ausdrücklich an, die Organisation und Finanzierung des LVR einer unabhängigen externen Organisationsuntersuchung zu unterziehen, die über eine reine Wirtschaftlichkeitsanalyse hinausgeht. „Aufgaben, Durchführung sowie fachliche und administrative Standards sollten kritisch überprüft und Effizienz-, Digitalisierungs- und Synergiepotenziale sowie nachhaltige strukturelle Einsparmöglichkeiten identifiziert werden.“

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