Bereits moderater Hitzestress löst Entzündungsreaktionen bei Kühen aus und verändert die Blutgerinnung, das zeigt nun eine Studie.
© Finn Schon moderater Hitzestress hat negative gesundheitliche Folgen für Milchkühe. Umso wichtiger ist es, früh gegenzusteuern.
Bereits moderater Hitzestress löst Entzündungsreaktionen bei Kühen aus und verändert die Blutgerinnung, das zeigt nun eine Studie.
Bereits moderater Hitzestress führt zu messbaren Veränderungen im Blut von Holstein-Kühen. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung des Forschungsinstituts für Nutztierbiologie (FBN). Dafür untersuchten die Wissenschaftler Holstein-Milchkühe unter kontrollierten Bedingungen sieben Tage lang bei moderatem Hitzestress mit einem Temperatur-Luftfeuchtigkeits-Index (THI) von 76. Das entspricht etwa 28 °C bei mittlerer Luftfeuchtigkeit. Anhand von Blutproben erfassten sie im Verlauf der Untersuchung die Reaktionen des Immunsystems sowie Signale der Blutgerinnung.
Milchkühe produzieren aufgrund ihrer hohen Stoffwechselleistung von Natur aus viel Wärme. Steigen die Temperaturen, kann der Körper diese Wärme nur eingeschränkt an die Umgebung abgeben und aktiviert verschiedene Kühlmechanismen. Dadurch kann die Darmbarriere vorübergehend durchlässiger werden. In der Folge gelangen bakterielle Endotoxine in den Blutkreislauf und lösen Entzündungsprozesse aus.
Die Untersuchung zeigt, dass dieser Mechanismus bereits bei moderater Wärmebelastung einsetzt. Schon nach sieben Tagen fanden die Wissenschaftler Endotoxine gramnegativer Bakterien im Blut der Tiere. Deren Konzentration nahm mit zunehmender Wärmebelastung weiter zu.
Gleichzeitig aktivierte der Organismus die körpereigene Immunabwehr und setzte Entzündungsreaktionen in Gang, um die fremden Bestandteile aus dem Blut zu entfernen. Parallel dazu waren bestimmte Abwehrmechanismen abgeschwächt, die normalerweise für eine gezielte adaptive Immunantwort von Bedeutung sind. Darüber hinaus zeigten die Blutplättchen Hinweise auf eine aktivierte Gerinnungskaskade. Ein solcher Befund war bislang vor allem im Zusammenhang mit schwerem Hitzestress bekannt, der tödlich verlaufen kann.
„Wenn Kühe unter Hitze leiden, reagiert der gesamte Organismus“, erklärt Dr. Franziska Koch vom FBN. „Veränderungen im Blut, eine geschwächte Immunabwehr und frühe Gerinnungssignale können die Leistungsfähigkeit der Tiere mindern und ihre Anfälligkeit für Erkrankungen erhöhen. Dass diese Prozesse bereits bei moderaten Temperaturen beginnen, unterstreicht, wie wichtig ein konsequentes Hitzemanagement im Stall ist.“
Für die Praxis auf Milchviehbetrieben bedeuten die Ergebnisse, möglichst früh gegenzusteuern. Dazu gehören ein verbessertes Stallklima, die Verlagerung von Wasser- und Fütterungszeiten in kühlere Tagesabschnitte sowie eine konsequente Kontrolle der Wasser- und Futteraufnahme der Tiere.
Mit Material von Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (FBN)
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