Ein Mini-Roboter im Mund bereitet Zähne automatisiert auf Kronen vor. Schweizer Forscher zeigen, wie Zahnarztbehandlungen künftig effektiver sein könnten.
AUDIO: Mini-Roboter bohrt im Mund: Ist das die Zukunft beim Zahnarzt? (1 Min)
Zahn-Roboter
Stand: 23.06.2026 13:53 Uhr
Wer eine Zahnkrone benötigt, muss sich meist auf mehrere mühsame Termine einstellen: Karies entfernen, Zahn abschleifen, Abdruck nehmen, Provisorium einsetzen. Eine Forschungsgruppe der Universität Basel möchte diesen Prozess nun revolutionieren. Mit dem "Miniature Intraoral Robot", kurz MIR, haben die Forscher einen winzigen Dentalroboter entwickelt, der direkt im Mund des Patienten platziert wird und Zähne präzise nach einem digitalen Plan vollautomatisch präpariert.
von MDR WISSEN / RR
Die Kontrolluntersuchung beim Zahnarzt endet nicht selten mit einer unangenehmen Diagnose: Ein tiefes Kariesloch zwingt dazu, den betroffenen Zahn mit einer Krone zu versorgen. Bisher bedeutete das für Patienten oft eine Geduldsprobe über mehrere Wochen und Termine hinweg. Zuerst muss der Zahnarzt die Karies entfernen, den Zahn mühsam von Hand in eine konische Form schleifen, einen Abdruck nehmen und ein Provisorium einsetzen. Erst wenn das Dentallabor die fertige Krone tagelang modelliert und gegossen hat, kann sie beim nächsten Besuch endgültig eingesetzt werden.
Das könnte in Zukunft erheblich schneller und mit einem Behandlungstag weniger ablaufen. Eine Forschungsgruppe der Universität Basel (Schweiz) hat einen winzigen Dentalroboter entwickelt, der diesen aufwendigen Prozess revolutionieren soll. Der Prototyp hört auf den Namen "MIR" (Miniature Intraoral Robot) und ist nur etwa so groß wie ein Weinkorken: 43 mal 26 mal 28 Millimeter. "Die Größe ist so designt, dass er bequem in den geöffneten Mund passt", sagt Yukiko Tomooka, Erstautorin der zugehörigen Studie. Die schweren Motoren und die klobige Steuerungseinheit lagern außerhalb des Patientenmundes und übertragen ihre Kräfte über biegsame Wellen.
Durchgehend digitaler BehandlungsablaufDie Vision der Forscher sieht vor, dass der Patient beziehungsweise dessen Gebiss beim ersten Termin lediglich kurz gescannt wird. Auf Basis dieser dreidimensionalen Bilddaten planen die Zahnärzte die exakte Abtragung des Zahns am Computer und können die maßgeschneiderte Krone sofort im Labor oder per Fräsmaschine direkt in der Praxis anfertigen lassen. Beim zweiten Termin kommt der kleine Roboter zum Einsatz und passt den betroffenen Zahn an die vorbereitete Krone an.
Der Roboter wird dabei stabil auf einer individuell angepassten Zahnschiene direkt im Mund des Patienten befestigt. Diese Konstruktion soll einen entscheidenden Sicherheitsvorteil gegenüber großen, starren Roboterarmen bieten, die separat neben dem Stuhl stehen. "Selbst wenn der Patient den Kopf drehen sollte, bewegt sich der 'MIR' mit", sagt Yukiko Tomooka. Ein aufwendiges, optisches System zur Bewegungsverfolgung, das oft mit gefährlichen Verzögerungen arbeitet, wird dadurch überflüssig.
Verblüffende Präzision, sogar schon ohne SensorenIn ersten Versuchen auf dem Prüfstand testeten die Forscher den Apparat an Zahnmodellen aus Kunstharz sowie an einer Spezialkeramik, deren Härte dem echten Zahnschmelz gleicht. Um die Anatomie des Mundes optimal zu nutzen, arbeitet 'MIR" in zwei Schritten: Ein kurzer, breiter Bohrer trägt zuerst die Zahnkrone von oben ab. Anschließend wechselt das System auf einen längeren, dünneren Bohrer, um die Seitenwände präzise zu formen, ohne die Nachbarzähne zu beschädigen. Dies soll auch das Problem des engen Raums im hinteren Backenzahnbereich lösen, wo Patienten den Mund oft kaum weit genug öffnen können.
Die Genauigkeit der mechanischen Übertragung verblüffte selbst die Forschungsgruppe. Obwohl der Prototyp in dieser Phase noch keinerlei Sensoren in den eigenen Gelenken besitzt, um seine Position direkt zu messen oder zu korrigieren, arbeitet er schon sehr präzise. Der Positionsfehler lag in den Tests bei unter 0,2 Millimetern.
Blick in die ZukunftBis der kleine Roboter in einen normalen Praxisalltag einziehen kann, müssen die Forscher aber noch einige Entwicklungsarbeit leisten. Als nächster Schritt ist die Integration von winzigen Kameras und Positionssensoren direkt im Robotergehäuse geplant. Diese sollen den Behandlungsfortschritt in Echtzeit überwachen und die Genauigkeit noch weiter steigern. Größer soll "MIR" durch diese Upgrades aber nicht werden.
Die Forschungsgruppe kooperiert eng mit praktizierenden Zahnärzten und auch mit Industrie-Partnern, um sicherzustellen, dass das Gerät alltagstauglich wird. Auch wenn die Vorstellung eines Bohr-Roboters im eigenen Mund im ersten Moment gewöhnungsbedürftig sein dürfte: Die Kombination aus kürzeren Wartezeiten, weniger Zahnarztterminen und bestmöglicher Schonung der gesunden Zahnsubstanz verspricht einiges für die Zukunft. Nur das typische, bei vielen verhasste Bohrgeräusch, wird leider trotzdem bleiben. Siehe (oder besser: höre) Video unten...
Video: Dentalroboter hörbar bei der Arbeit (1 Min)
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