Die Hitzewelle Ende Juni mit Rekordtemperaturen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen hat Menschenleben gefordert. Die Zahl der Hitzetoten liegt jetzt schon über dem Niveau des kompletten Vorjahres.
AUDIO: Zahl der Hitzetoten in Deutschland gestiegen (1 Min)
Klima & Gesundheit
RKI: In Mitteldeutschland jetzt schon mehr Hitzetote als im VorjahrStand: 09.07.2026 15:09 Uhr
Die jüngste Hitzewelle Ende Juni hat zu einer erhöhten Anzahl an Sterbefällen in Deutschland geführt. Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt die Zahl der Hitzetoten in der Woche vom 22. bis 28. Juni bundesweit auf 4.310, im ersten Halbjahr 2026 insgesamt auf 5.120. In Mitteldeutschland sind in diesem Jahr bis Ende Juni schätzungsweise zweieinhalbmal so viele Menschen an Hitze gestorben wie im kompletten Vorjahr.
von MDR WISSEN
In allen drei Ländern stiegen die Temperaturen am letzten Juniwochenende auf über 40 Grad. Genaue Zahlen für allein diese Hitzetage liegen auf regionaler Ebene nicht vor. Doch die Gesamtzahlen für das bisherige Jahr sind bereits besorgniserregend.
Zahl der Hitzetoten in Mitteldeutschland bereits jetzt über dem VorjahresniveauDas RKI schätzt in Thüringen 120 (2025 insgesamt 40), in Sachsen 230 (100) und in Sachsen-Anhalt 110 (40) Hitzetote für das erste Halbjahr des Jahres 2026. Weil der Sommer erst angefangen hat, könnten die Zahlen je nach Wetterlage noch deutlich steigen. Im besonders heißen und trockenen Jahr 2018 hat es laut RKI in Sachsen-Anhalt 300 Hitzetote gegeben, in Sachsen waren es damals 510, in Thüringen 180.
Die Zahl der Hitzetoten im ersten Halbjahr 2026 liegt jetzt schon über den Schätzungen der hitzebedingt Verstorbenen der kompletten Vorjahre..
Die Schätzungen des RKI-Wochenberichts beruhen auf Daten des Statistischen Bundesamts, wonach in Kalenderwoche 26 etwa 23.600 Menschen starben. Die Zahl ist um knapp 30 Prozent höher als der mittlere Wert der Vorjahre, der bei etwa 18.200 Toten lag, die Übersterblichkeit lag demnach bei etwa 5.400. Um die Hitzetoten zu bestimmen, wendet das RKI Modelle an, die schätzen sollen, wie viele Menschen bei 20 Grad Celsius verstorben wären.
Todesursache "Hitze" selten auf Totenschein zu findenDenn ein direkt auf hohe Temperaturen zurückzuführender Tod ist selten, etwa bei Hitzschlag. Oftmals versterben Menschen aufgrund einer Kombination von Faktoren wie Vorerkrankungen und Hitze. Daher wird Hitze selten als klarer Todesgrund erfasst, sodass genaue Daten nicht erhebbar sind.
Besonders betroffen waren ältere Menschen. Bis zum 28. Juni starben laut RKI deutschlandweit geschätzt etwa 2.950 Menschen im Alter von 85 Jahren oder mehr hitzebedingt. Bei den 75- bis 84-Jährigen waren es 1.320 Menschen, bei den 65- bis 74-Jährigen geschätzt 550 Menschen und bei denen unter 65 Jahren etwa 300.
Schätzungen "eher konservativ"Wissenschaftler befürchten, dass die Zahlen des RKI die tatsächlichen Todeszahlen unterschätzen. Veronika Huber vom Institut des Spanischen Nationalen Forschungsrats erklärt: "Die vom RKI jetzt vorgelegte Schätzung beruht auf robusten statistischen Methoden, ist aber insgesamt als eher konservativ einzustufen."
Dies liege zum einen an der Berechnung auf Wochenbasis. "Zum anderen ist wissenschaftlich gut untersucht, dass sich die Wirkung der Hitze auf das Sterbegeschehen mit Verzögerungen von bis zu einigen Tagen oder sogar Wochen manifestiert. Es ist zu erwarten, dass das extrem heiße Wochenende vom 27. und 28. Juni auch die Sterbefallzahlen in der darauffolgenden Woche in die Höhe getrieben hat."
Todeszahlen nur "die Spitze des Eisbergs"Huber erklärt weiter, die hitzebedingte Sterblichkeit sei nur "die Spitze des Eisberges". Es wäre daher wünschenswert, "zum Beispiel auch hitzebedingte Krankenhauseinweisungen, das Aufsuchen von Notfallaufnahmen, oder Rettungsdiensteinsätze nach einem extremen Hitzeereignis zeitnah abschätzen zu können". Nur so ließen sich langfristig die Kosten für das Gesundheitssystem durch klimawandelbedingte Hitzewellen abschätzen.
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Eine weitere relevante Kenngröße für Hitzefolgen ist die durch sie bedingte Morbidität, also durch Hitze verschlimmerte oder verursachte Erkrankungen. Betroffen sind vor allem vulnerable Gruppen wie Vorerkrankte, ältere Menschen, Kinder, Schwangere und Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die Morbidität ist allerdings noch schwieriger zu erfassen als die Sterblichkeit.
dpa/smc/jar
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