Die Belastung mit Feinstaub aus der Sahara hat zugenommen, zeigt jetzt die bisher größte Untersuchung zu diesem Thema. Das ist relevant für die Gesundheit – und die Stromerzeugung.
AUDIO: Sahara rückt näher: Zunahme von Wüstenstaub (1 Min)
Feinstaub
Stand: 15.07.2026 17:05 Uhr
Immer wieder gibt es Tage, an denen auch in Mitteldeutschland die Sonne eher durch ein Milchglas statt vom blauen Himmel scheint und der Luftqualitätsindex in der Wetter-App Alarm schlägt: Dann fliegt mal wieder Wüstenstaub durch Europa. Die Belastung mit Feinstaub aus der Sahara hat zugenommen, zeigt jetzt die bisher größte Untersuchung zu diesem Thema.
von MDR WISSEN/flo
Die Sahara rückt gewissermaßen näher – und zwar vor allem nach Südeuropa. Die Konzentration von Feinstaub aus der Wüste hat aber auf dem gesamten Kontinent zugenommen. Das zeigt eine Datenauswertung von mehr als hundert Messstationen aus ganz Europa, die jetzt im Fachblatt Nature erschienen ist.
Verdopplung seit IndustriealisierungForschende am schweizerischen Paul-Scherer-Institut haben dazu die Aluminiumkonzentration im gemessenen Feinstaub analysiert, die als Indikator für Wüstenstaub gilt. Das Ergebnis: In Südeuropa beträgt die durchschnittliche Konzentration von Wüstenstaub 5,3 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, in Mittel- und Nordeuropa wurden im Schnitt 2,1 Mikrogramm gemessen. Auch in Westfrankreich konnte die Studie erhöhte Staubwerte feststellen.
Eine Untersuchung von Gletschereis aus den Alpen zeige zudem, dass sich die Wüstenstaubkonzentration dort bereits seit der Industrialisierung mehr als verdoppelt hat. Sogenannte Eisbohrkerne in altem Gletschereis lassen Rückschlüsse auf Zeitpunkte zu, für die keine Messdaten vorliegen.
Als Ursache vermuten die Forschenden den Klimawandel und in diesem Zusammenhang eine zunehmende Austrocknung der Sahara sowie eine Zunahme von Luftströmungen aus der Region. Mit hoher Feinstaubbelastung können gesundheitliche Folgen einhergehen, außerdem kann die Effizienz von Solaranlagen sinken, teilweise um ein Fünftel.
Saharastaub: Frühwarnsystem als Übergangslösung, Klimaschutz als langfristigeZu befürchten sei, dass die Wüstenstaubkonzentration weiterhin steige und dies die Bemühungen um die Eindämmung der menschengemachten Feinstaubemissionen teilweise untergrabe, so die Forschenden in einer Mitteilung. Sie erklären: Anders als beim direkt vom Menschen verursachten Feinstaub, wie zum Beispiel aus Auspuffen, Schornsteinen oder durch Abrieb, lasse sich gegen die Emission von Wüstenstaub nicht unmittelbar etwas unternehmen.
Langfristig könnten zwar Klimaschutzmaßnahmen Wirkung zeigen, zunächst müsse Europa aber mit der Zunahme des Wüstenstaubs leben. Denkbar wäre den Forschenden zufolge aber, ähnlich wie bei städtischem Feinstaub, Warnsysteme einzurichten. So könnten etwa sensible oder lungenkranke Menschen an Staubtagen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen.
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