Die Böden sind zu trocken, die Grundwasserspiegel seit Monaten zu niedrig. Ein Leipziger Dürrexperte fordert deshalb ein flächendeckendes Monitoring zur Nutzung von Grund- und Oberflächenwasser.
AUDIO: Deutschland braucht ein Wassermonitoring (1 Min)
UFZ Leipzig zum Wasser in Deutschland
Wir brauchen ein flächendeckendes Wasser-MonitoringStand: 20.07.2026 10:00 Uhr
Acht Liter Regen am Freitagmorgen in der privaten Messstation im Kabelsketal, östlich von Halle. Ein Segen für den Garten, sagt die Gärtnerin. Nur ein kleiner Tropfen auf den seit Monaten viel zu trockenen Boden, würde ein Hydrologe entgegnen – wie der Leipziger Dürreforschers Andreas Marx vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Er untersucht für den "Dürremonitor" seit Jahren die Trockenheit, die in diesem Jahr bis in tiefen Bodenschichten herrscht. Die Hitzewelle Ende Juni war dabei nur ein Symptom, "das Ausprägen einer Blitzdürre im Oberboden", so Marx. Er fordert jetzt ein flächendeckendes Monitoring zur Wassernutzung.
von MDR WISSEN
Wer entnimmt zu welchem Zeitpunkt wie viel Wasser? Sowohl aus dem Grundwasser, aber auch aus Oberflächengewässern wie Seen und Flüssen? Fragen, die aktuell in Deutschland niemand ganz genau beantworten kann, für die wir aber dringend ein Monitoring brauchen, so Hydrologe Marx gegenüber der dpa.
Wir wissen nicht, wer wie viel Wasser entnimmt"Wir haben eben die Situation, dass wir in den meisten Regionen in Deutschland und auch von den meisten Industriebetrieben, die Wasserrechte haben, nicht genau wissen, wie viel Wasser sie zu welchem Zeitpunkt entnehmen", erklärt der Chef Deutschen Dürremonitors am UFZ in Leipzig. Von dort kommen täglich aktualisierte Karten für ganz Deutschland mit Daten und Modellrechnungen zum Bodenfeuchtezustand.
Jahrzehntelang sei es schlicht nie notwendig gewesen, den Verbrauch zu überprüfen. Angesichts aktueller Entwicklungen und des fortschreitenden Klimawandels habe sich das geändert. Wasserhaushalt schützen, Wasserknappheit und Zielkonflikten vorbeugen – formierte es die Bundesregierung im März 2023 in ihrer nationalen Wasserstrategie und forderte ganz konkret den Aufbau eines Grundwasser-Echtzeitentnahmemonitorings. Nicht nur die Frage, wer wie viel entnimmt, auch die Frage, wer was bezahlt, soll laut der Strategie überprüft werden.
Kommunale Wasserversorger zahlen für die Wasserentnahme deutschlandweit sehr unterschiedliche Preise. Kommunale Wasserversorger zahlen für die Wasserentnahme deutschlandweit sehr unterschiedliche Preise. Sachsen-Anhalt mit 5 Cent/m³und Sachen mit 5,6 Cent/m³ gehören zu den preiswertesten Am teuersten ist es für die kommunalen Unternehmen in Hamburg 19,6 und Berlin 31 Cent/m³.
Ähnliche Preise gelten auch für Industrie und Landwirtschaft. Dabei gibt es allerdings in vielen Ländern Ausnahmen. So zahlen landwirtschaftliche Unternehmen in Sachsen-Anhalt 2 Cent/m³.
Wasserpreise für Endkunden liegen im bundesweiten Durchschnitt bei 2,18 Euro pro Kubikmeter. Allerdings kommen noch Abwassergebühren und Grundbeträge hinzu. Was z.B. für Sachsen durchschnittlich bedeutet (Stand 2025): 2,35 Euro je Kubikmeter plus Grundgebühr von 172,80 Euro plus 2,77 Euro je Kubikmeter Abwasser (Grundgebühr von 83,91 Euro). Quellen: IHK, VKU, BUND, Land Sachsen
Aufgrund geringer Niederschlagsmengen, anhaltender Trockenheit und niedriger Flusspegel hatten Kreise und Kommunen auch in Mitteldeutschland aktuell Wasserentnahmeverbote verhängt. Trockenheit und sinkende Grundwasserspiegel im Sommer seinen zwar normal, so Marx. Die derzeitige Trockenheit im Gesamtboden sei in großen Teilen des Ostens und auch im Süden Deutschlands nach besonders niederschlagsarmen Monaten aber ausgeprägter als normal.
Die Folge sind unter anderem mittel- und langfristige Schäden an Waldbeständen, die deutlich über das hinausgehen, was etwa Waldbrände verursachen, wie Marx berichtet. "Wenn in Deutschland ein schlimmes Waldbrandjahr ist, dann brennen ungefähr 4.000 Hektar Wald – diese Verluste durch Dürre, das sind Größenordnungen, die einfach anders sind."
Dürre belastet Ostdeutschland
Tiefe Bodenschichten bleiben vielerorts ausgetrocknet
Den Böden im Süden und Osten Deutschlands fehlt das Wasser. Obwohl es regional geregnet hat, sind die tieferen Bodenschichten vielerorts ausgetrocknet. Das bedroht Ernten, Wälder und Flüsse.
"Was wir auf der anderen Seite aber eben jetzt auch erleben, ist eine Dürre-Phase, ist ein Extremereignis. Das kann durchaus über zehn Jahre so laufen." Auf diese Bedingungen sei die Gesellschaft aktuell nicht optimal eingestellt.
Bereits Anfang des Monats haben sich die Verbände kommunaler Unternehmen in Sachsen und Brandenburg und Berlin am Rande ihres Wasserkongresses in Dresden für eine länderübergreifende Zusammenarbeit zur Bewältigung der wasserwirtschaftlichen Herausforderungen in Ostdeutschland ausgesprochen.
gp mit dpa
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