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Wie die angebliche Putin-Geliebte Alina Kabajewa Russlands Turn-Welt umkrempelt – und für Unbehagen sorgt

Дата публикации: 11-05-2026 03:30:00

Die Russin Alina Kabajewa gilt als heimliche Geliebte des Kreml-Herrschers Wladimir Putin. Es sind ihre Turnerinnen, die nun zu den EM nach Bulgarien fahren. Der Streit darüber offenbart mehr als nur die Aufregung um die Wettkämpfe.

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Wie die angebliche Putin-Geliebte Alina Kabajewa Russlands Turn-Welt umkrempelt – und für Unbehagen sorgt

Die Russin Alina Kabajewa gilt als heimliche Geliebte des Kreml-Herrschers Wladimir Putin. Es sind ihre Turnerinnen, die nun zu den EM nach Bulgarien fahren. Der Streit darüber offenbart mehr als nur die Aufregung um die Wettkämpfe.

Der Zeigefinger als Belehrung: die Trainerin Alina Kabajewa mit der 14-jährigen Xenia Sawinowa aus ihrer Akademie «Himmlische Grazie». Die Juniorin ist eine von 15 russischen Gymnastinnen, die zur EM nach Varna fahren.

Der Zeigefinger als Belehrung: die Trainerin Alina Kabajewa mit der 14-jährigen Xenia Sawinowa aus ihrer Akademie «Himmlische Grazie». Die Juniorin ist eine von 15 russischen Gymnastinnen, die zur EM nach Varna fahren.

Sefa Karacan / Anadolu via Getty

«Und eins und zwei. Und noch einmal. Dein Hirn muss es fühlen. Trainiere dein Hirn. Ich weiss, dass du das kannst.» Die Frau, die das sagt, ist nicht zu sehen. Zu sehen ist Maria Borisowa, 19 Jahre alt, russische Meisterin 2026 in rhythmischer Sportgymnastik, Kategorie Keulen und Band. Sie wirft das rote Band hoch, sie springt, dreht sich, das Band fällt. Sie verfehlt es.

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«Du musst es früher abwerfen, du musst es fühlen», sagt die Stimme im Hintergrund, die Maria Borisowa samt weiteren 14 Turnerinnen zu den Europa-Meisterschaften in rhythmischer Gymnastik nach Bulgarien bringt. Zum ersten Mal seit dem russischen Überfall auf die Ukraine nehmen russische Gymnastinnen an einem solchen Wettbewerb teil, wenn auch unter neutraler Flagge. Vom 27. bis 31. Mai finden die Meisterschaften in Varna statt.

«Ich hasse Alina Kabajewa»

Borisowa wirft und wirft und wirft. Das Band fällt bei ihrem Training auf der Matte immer wieder zu Boden. So ist das in einem kurzen Video im Telegram-Kanal ihres Sportklubs zu sehen. Die Stimme, die die junge Gymnastin anpeitscht, gehört Alina Kabajewa, der Bronzemedaillenträgerin der Olympischen Sommerspiele 2000 in Sydney, der Olympia-Goldgewinnerin von Athen 2004.

Russlands unabhängige Medien – die meisten von ihnen können seit 2022 nicht mehr aus Russland berichten – nennen sie die heimliche Geliebte des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sie soll die Mutter von zwei seiner vier Kinder sein. Bestätigt hat Putin das nie, nicht die Beziehung zur Sportgymnastin, nicht die Kinder mit ihr. Ohnehin hält der Kreml-Herrscher Informationen zu seiner Familie geheim. Seine Töchter Maria und Katerina, geboren 1985 und 1986, die er mit seiner früheren Ehefrau Ljudmila hat, nennt er in der Öffentlichkeit lediglich «diese Frauen».

Die heute 42-jährige Kabajewa war nach ihren Olympia-Siegen aus der Öffentlichkeit verschwunden – und 2022, kurz nach dem russischen Grossangriff auf die Ukraine, wieder aufgetaucht: mit eigener Akademie für rhythmische Sportgymnastik. In Russland ist das nicht nur ein Sport. Es ist Kult, für den Eltern bereits ihre Kleinkinder anbrüllen und schinden lassen. «Himmlische Grazie» hatte Kabajewa ihre Sporteinrichtung genannt, so, wie sie früher selbst genannt worden war, als sie anmutig über die Matte gesprungen war.

Diese «Himmlische Grazie» soll nun in Varna Russland vertreten. Als eine Art Nationalmannschaft. Denn fast alle Teilnehmerinnen an den Europameisterschaften trainieren bei Kabajewa. Das gefällt nicht allen in der Community der rhythmischen Sportgymnasten. Sie bezeichnen es als Gemauschel zwischen Kabajewa und dem Kreml, letztlich zwischen der Ex-Sportlerin und ihrem angeblichen, nicht offiziellen Gemahl.

Eltern von Mädchen, die nicht für Bulgarien ausgesucht worden waren, haben nun einen öffentlichen Aufruf gestartet, die Teilnehmerliste zu ändern. Noch sei es möglich. «Es sollen die besten Turnerinnen hin, nicht die von oben protegierten», schreiben die Kritikerinnen anonym. Es sind vor allem Mütter der Sportlerinnen. In Russlands sozialen Netzwerken machen sie sich Luft.

«Es ist so billig, wie AM das alles durchzieht», schreibt jemand bei VKontakte, dem russischen Pendant zu Facebook. AM steht dabei für Kabajewa, ihren Vornamen und Vatersnamen (Alina Muratowna). Bei Telegram schreibt eine «aisha»: «Ich hasse Kabajewa.» Und eine «mylkah»: «Ich will nur noch fluchen.» «Die Ungerechtigkeit tötet», heisst es von einer «Lina». AM sei «von ganz oben geschützt», steht da, und: «Kabajewa wird nicht zur Vernunft kommen, es ist ja schliesslich eine Familienangelegenheit.» Putin sagt immer wieder, wie sehr er sich über die Erfolge russischer Sportler freue. Für ihn seien sie «wie Erfolge von Mitgliedern meiner Familie».

Die anmutige Schülerin gegen ihre tyrannische Turn-Zarin

Kabajewa hat in kurzer Zeit nicht nur problemlos eine grosse und bestens ausgestattete Akademie gegründet. Untergebracht ist diese im sogenannten Sirius-Bildungszentrum in Adler bei Sotschi. Sirius ist ein Prestigeobjekt Putins, nach der Winterolympiade in Sotschi 2014 gegründet. Der Kreml-Herrscher war Initiator und Architekt des Projekts. Bis heute ist er sein Schirmherr. Sirius soll die Besten unter den Besten, ob in Naturwissenschaften, Kunst oder Sport, vereinen. Unterstellt ist das Gelände – mit Hotels, Sporthallen und Medienzentren – dem Kreml. Sirius ist letztlich ein Elitezentrum nach Putins Vorstellungen.

«Himmlische Grazie» wurde die Olympiasiegerin von 2004 einst genannt. So heisst auch die Gymnastikakademie von Alina Kabajewa – samt eigenen Regeln und eigenen Wettkämpfen.

«Himmlische Grazie» wurde die Olympiasiegerin von 2004 einst genannt. So heisst auch die Gymnastikakademie von Alina Kabajewa – samt eigenen Regeln und eigenen Wettkämpfen.

Stéphane Reix / Corbis / Getty

Kabajewa ist auch in der Sport-Bürokratie Russlands schnell aufgestiegen. Sie hatte zwar bereits früher Funktionärsaufgaben übernommen, war dabei aber unauffällig geblieben. 2025 wurde sie schliesslich Leiterin des Turn-Nationalverbandes und stellt, wenn auch nicht als offizielle Cheftrainerin, die russische Nationalauswahl zusammen. Ein grosses Theater. Denn damit schickte sie die langjährige Chefin – und ihre frühere Trainerin – Irina Winer kurz und schmerzlos aufs Altenteil.

Winer ist nicht irgendjemand im russischen Turnsport. Sie, die bis 2022 Ehefrau von Alischer Usmanow war, einem der reichsten russischen Unternehmer, agierte über Jahrzehnte hinweg geradezu als Zarin der rhythmischen Sportgymnastik in Russland. Eine tyrannische Zuchtmeisterin, die Sätze von sich gab wie «Verrecke doch, Schlampe» oder «Man muss sie abrichten wie einen Hund». Damit meinte sie ihre Schützlinge, die grazilen wie jungen Turnerinnen. Für Kabajewa, die sie stets als «meine Lieblingsschülerin» bezeichnete, hatte sie den Satz «Du bist quadratisch» übrig. Margarita Mamun, die Olympiasiegerin von Rio de Janeiro 2016, beschimpfte sie als «Stück Scheisse».

Die körperlich und seelisch harten Methoden Winers sind im Film «Over the Limit» über Mamun dokumentiert. Die polnische Regisseurin Marta Prus, früher selbst Leistungssportlerin, zeigt die Gnadenlosigkeit Winers, die keift, brüllt, terrorisiert. Die 2018 erschienenen 73 Minuten sind eine regelrechte Ansammlung von Beleidigungen, die schonungslos die Welt der Grazie und der Schreckensherrschaft im russischen Leistungssport, zumal in der als schön empfundenen Sportgymnastik, offenlegt. «Du bist kein Mensch, du bist eine Athletin», schreit Winer da, wie immer extravagant gekleidet.

In Interviews zeigt sie sich bis heute stolz auf ihr Training ohne Erbarmen. «Den Schönen übers Köpfchen zu streicheln», sagt sie immer wieder, bringe keine Medaillen. Alle jene ihrer ehemaligen Schülerinnen, die die Härte ihrer Methoden auch nur andeutungsweise kritisieren, nennt sie abweisend «Feiglinge» und will nichts mehr davon hören.

Kabajewa gibt sich anders, sanfter, ohne allzu viel Druck. Die Gymnastinnen, die bei ihr trainieren, sprechen von einer angenehmen Atmosphäre. Die Videos, die sich im Telegram-Kanal von «Himmlische Grazie» finden, zeigen das – zum Teil. Da ist die ruhige, geduldig wirkende Stimme im Hintergrund, wie bei Maria Borisowa im Training. Eine Stimme, die anspornt, unterstützt und gleichzeitig mehr aus der Sportlerin herausholen will. Doch auch Kabajewa beherrscht den herrischen Ton, auch sie fährt zuweilen ihren Zeigefinger aus und schreit, auch wenn die Mädchen schluchzend vor ihr auf der Matte stehen.

Der Streit um die Gymnastik-EM offenbart die Bruchlinien zwischen zwei russischen Gymnastikschulen. Winer und Kabajewa liegen seit den sogenannten Brics-Spielen ohnehin im Clinch. Es war eine Art Gegen-Olympia, die Russland im Juni 2024 in Kasan ausrichtete, knapp 800 Kilometer östlich von Moskau gelegen. Winer, damals noch Cheftrainerin der russischen Sportgymnastinnen, zeterte geradezu, Kabajewas Mädchen würden zu gut bewertet. Sie fluchte laut über die Schülerinnen der «Himmlischen Grazie». Seit Kabajewa sie von den Prestige-Posten gedrängt hat, sollen die beiden kein Wort mehr wechseln, wie es in russischen Medien heisst. In den wenigen Interviews, die Winer seit ihrer Absetzung gab, schweigt sie demonstrativ zu jeder Frage nach Kabajewa.

Diese schreibt derweil die Gymnastikregeln um und veranstaltet eigene Turn-Cups, bei denen sie – «fast schon nach eigenem Gutdünken», wie manche russischen Sportjournalisten schreiben – Gymnastinnen ehrt. Einige dieser Sportlerinnen werden in Varna ihr Können zeigen. Für Winer sind die Meisterschaften in Bulgarien dagegen «inexistent».

Kabajewa, hier auf einer Aufnahme von 2004, soll die Mutter von Putins zwei Söhnen sein. Der Kreml-Herrscher bestätigt weder die Söhne noch irgendeine Beziehung zur ehemaligen Sportgymnastin.

Kabajewa, hier auf einer Aufnahme von 2004, soll die Mutter von Putins zwei Söhnen sein. Der Kreml-Herrscher bestätigt weder die Söhne noch irgendeine Beziehung zur ehemaligen Sportgymnastin.

Presidential Press Service / Itar-Tass via AP

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