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Der FC Zürich verliert zum Saisonauftakt 1:2 in St. Gallen – aber der erste Auftritt unter dem neuen Coach Marcel Koller ist vielversprechend

Дата публикации: 26-07-2026 18:15:03

Die Zürcher sind in der Ostschweiz eine Stunde lang das bessere Team, führen 1:0. Doch dann lassen sie sich von der Wucht der St. Galler überfahren.

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Der FC Zürich verliert zum Saisonauftakt 1:2 in St. Gallen – aber der erste Auftritt unter dem neuen Coach Marcel Koller ist vielversprechend

Die Zürcher sind in der Ostschweiz eine Stunde lang das bessere Team, führen 1:0. Doch dann lassen sie sich von der Wucht der St. Galler überfahren.

Soll Ruhe in den FC Zürich zurückbringen: der neue Chefcoach Marcel Koller.

Soll Ruhe in den FC Zürich zurückbringen: der neue Chefcoach Marcel Koller.

Gian Ehrenzeller / Keystone

So richtig lanciert ist dieses Spiel, die erste Super-League-Partie des neuen FCZ-Trainers Marcel Koller seit sechs Jahren, nach einer Stunde. Zu diesem Zeitpunkt führen die Zürcher in St. Gallen 1:0 – Umeh Emmanuel hat fünf Minuten nach Wiederanpfiff nach einer schönen Einzelleistung getroffen. Doch der Treffer des letztjährigen Tabellenzehnten stachelt die Ostschweizer an.

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Enrico Maassen, der Coach der St. Galler, reagiert, er nimmt einen Dreifachwechsel vor, bringt im Sturm Andrin Hunziker und Diego Besio. Und die Wechsel entfalten sofort ihre Wirkung, schnell kippt das Spiel zugunsten der Ostschweizer. Zuerst verpasst Hunziker den Ausgleich zwar noch freistehend im Strafraum, sein Kopfball geht daneben. Doch in der 70. Minute trifft Lukas Görtler nach einer einstudierten Eckballvariante zum 1:1. Es ist kein Zufall, dass das Goal nach einer Standardsituation fällt – ruhende Bälle zählten schon in der letzten Saison zu den grossen Stärken dieses eingespielten St. Galler Kollektivs.

Görtlers Geste beim Torjubel ist unmissverständlich: Der Captain will mehr, er peitscht das Heimpublikum an. Plötzlich sind die Ostschweizer voll da, nun rollt Angriff um Angriff auf den FCZ-Goalie Heinz Lindner zu.

Die St. Galler haben im ausverkauften Stadion die Zuschauer im Rücken und diese unvergleichliche Mentalität: Es ist zu viel für die Zürcher, die ihr erstes Spiel unter Koller mit vielen jungen Fussballern absolvieren. Keine vier Minuten nach dem 1:1 kassieren sie das 1:2, diesmal flankt Görtler in den Strafraum, wo Hunziker den Ball unhaltbar ins Tor abfälscht. Womit er in seinem ersten Spiel für die St. Galler trifft. Das Publikum ist emotionalisiert, das Spiel gedreht, die Ostschweizer lassen sich den Sieg nicht mehr nehmen.

Der FCZ ist lange das bessere Team

Dabei hatte in der ersten Stunde wenig bis gar nichts auf einen Erfolg des Cup-Siegers und Vizemeisters hingedeutet, der am Donnerstag mit dem 2:1 gegen Benfica Lissabon bereits in der Qualifikation zur Europa League verblüfft hatte.

Denn die Zürcher starten besser, wirken defensiv strukturiert und stabil. Immer wieder ist zu sehen, wie das Spiel des FCZ unter dem neuen Coach Koller künftig aussehen könnte: Aus einer geordneten Verteidigung heraus zügig und direkt den Gegenstoss suchen – das scheint die Strategie zu sein. Mit weiten, hohen Bällen auf den physisch starken Philippe Kény. Oder mit schnell vorgetragenen Vorstössen über die Seiten sowie Flanken aus dem Halbfeld. So werden die Zürcher mehrmals gefährlich.

In der 8. Minute scheitert der Stürmer Kény nach einer Hereingabe von Bledian Krasniqi; zehn Minuten später ist er von einer Flanke Neil Volkens überrascht, nachdem Jozo Stanic den Ball unterlaufen hat. Und nach einer guten halben Stunde sündigt Kény ein drittes Mal. Diesmal segelt Chima Okoroji unter dem Ball durch, Kénys Schuss wird aber noch zur Ecke abgelenkt.

Es entwickelt sich eine intensive Partie im Berit-Sitterstadion, mit vielen Eins-gegen-eins-Situationen. Hart geführte Zweikämpfe, viele Fouls, Unterbrechungen, wenig Spielfluss – es ist ganz nach dem Gusto der St. Galler. Und überall gibt es diese Pärchenbildungen, insbesondere in der ersten Halbzeit verkeilen sich die Spieler der beiden Teams regelrecht ineinander. Wobei den St. Gallern schon anzumerken ist, dass sie bereits unter der Woche ein kräftezehrendes Spiel absolviert haben. Zumal sie gegen den FCZ mit der fast gleichen Aufstellung starten wie gegen Benfica.

Als Krasniqi zur Pause im TV-Interview darauf angesprochen wird, ob sie das frischere Team seien, sagt der FCZ-Mittelfeldspieler selbstbewusst: «Vielleicht waren wir auch einfach die bessere Mannschaft.» Er hat recht damit. Doch dann lassen sich die Zürcher in der letzten halben Stunde von der Wucht der St. Galler überfahren, weshalb der Saisonstart misslingt.

Der erste Eindruck unter Koller ist vielversprechend

Dennoch müsste dem FCZ-Coach Marcel Koller gefallen haben, was er da von seiner Mannschaft gesehen hat. Während der FCZ in der letzten Saison zuweilen wie eine unverbundene Ansammlung von Transferwerten wirkte, war nun zu sehen, dass da ein Kollektiv auf dem Platz steht. Koller hatte schon vor dem Saisonstart gesagt, sein Fokus liege darauf, dass der FCZ wieder wie ein geeintes Team auftrete. Und genau das ist den Zürchern beim Super-League-Auftakt gelungen.

Was auch die Klubeigentümer Ancillo und Heliane Canepa zuversichtlich für den weiteren Saisonverlauf stimmen dürfte. Sie hatten Koller, diese GC-Inkarnation, die für Seriosität, Stabilität, Erfahrung steht, ja verpflichtet, damit nach turbulenten Zeiten wieder Ruhe einkehrt. Milos Malenovic hatte den FCZ bis zu seiner Entlassung im Dezember während knapp zweieinhalb Jahren ordentlich durchgeschüttelt. Wie der Sportchef mit langjährigen Angestellten umging und rüde Personal wechselte – es hat viel Unruhe in den Klub gebracht.

Das Präsidenten-Ehepaar Canepa änderte seinen Kurs erst, als es Claudio Cisullo in den Verein holte. Der Unternehmer soll den Canepas bei der Übergabe des Stadtklubs in neue Hände beratend zur Seite stehen. Und da war offensichtlich geworden, dass einer wie Malenovic den Wert des Klubs kaum steigert. Zumal auch das Image des Vereins nach all den Richtungswechseln – auf personeller und sportlicher Ebene – in den vergangenen Jahren gelitten hat. Malenovic-Verwerfungen, Moniz-Theater, Mendy-Transfer sind nur ein paar Stichworte in der Liste der vielen Fehleinschätzungen der Canepas in den vergangenen Jahren.

Dass sie den Trainerposten nun dem besonnenen Marcel Koller anvertraut haben, dürfte sich indes als richtig erweisen. In St. Gallen war jedenfalls ein solidarisches Team zu sehen, in dem jeder zu wissen scheint, was zu tun ist. Zumindest eine Stunde lang war das so. Jetzt müssen die FCZ-Spieler Kollers Vorgaben nur noch über 90 Minuten umsetzen. Dann könnte es gut kommen.

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